WDR Zeitzeichen

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Der tägliche Podcast über Geschichte von der Antike bis heute, über Europa und die Welt, über die Geschichte der Menschheit: 15 Minuten zu historischen Persönlichkeiten und Erfindungen. Von George Washington bis Rosa Luxemburg, vom Büstenhalter bis Breaking Bad.

  • 14 minutes 47 seconds
    Oscar für den Dokumentarfilm "Serengeti darf nicht sterben"

    Ein Leben für die wilden Tiere: Der Tierfilmer Michael Grzimek verunglückt mit dem berühmten Flugzeug im Zebra-Look tödlich - noch vor der Oscarverleihung vom 4.4.1960.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Marko Rösseler:

    • welche Aufgabe Bernhard Grzimek als Tiermediziner in der Nazi-Zeit hat,
    • wie sein Sohn Michael sich mit einer geschenkten Kamera selber zum Filmemacher ausbildet,
    • wie die Grzimeks sich mit ihren ersten Filmprojekten am Rand des finanziellen Ruins bewegen,
    • in wem Michaels Sohn Christian einen Stiefvater findet,
    • mit welchem Steckenpferd Bernhard Grzimek seine Umgebung herausfordert

    Als neuer Direktor des Frankfurter Zoos reist Bernhard Grzimek ab Anfang der 1950er-Jahre häufig nach Afrika, um dort neue Tiere für den Zoo zu fangen. Dabei kommt er auf die Idee, gemeinsam mit seinem Sohn Michael einen richtigen Kinofilm zu drehen. "Kein Platz für wilde Tiere" wird von der Presse kaum wahrgenommen, aber vom Publikum gefeiert. Von den Erlösen wollen die Grzimeks Land zur Vergrößerung des Serengeti-Nationalparks in Tanganjika kaufen. Die britische Verwaltung lehnt ab, bietet stattdessen aber an, dass die Grzimeks sich an Untersuchungen der Großwildherden und deren Wanderrouten beteiligen können.

    Die Aufgabe des Zählens und Beobachten dieser Herden bildet die Rahmenhandlung des Films "Serengeti darf nicht sterben", der eindrucksvolle Luftaufnahmen zeigt. Die letzte Einstellung des Films zeigt die zebrafarbene Dornier Do27, wie sie in die untergehende Sonne fliegt. Gedreht wird, als Michael Grzimek noch lebt - denn mit dem Flugzeug stürzt er kurz danach in den Tod. "Serengeti darf nicht sterben" wird zu einem großen Kinoerfolg. Der Film bekommt das Prädikat "wertvoll" und im April 1960 den Oscar als "Bester Dokumentarfilm".

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Christian Grzimek, Sohn des Filmemachers Michael Grzimek, Stiefsohn und zugleich Enkel von Bernhard Grzimek.
    • Bernhard und Michael Grzimek: Serengeti darf nicht sterben. 367.000 Tiere suchen einen Staat, 1959.
    • Claudia Sewig: Der Mann, der die Tiere liebte: Bernhard Grzimek, 2009.

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Marko Rösseler
    Redakteur: Matti Hesse 
    Technik: Sarah Fitzek
    4 April 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 50 seconds
    Der Pony-Express: Ein großer Mythos des Wilden Westens

    Briefzustellung als großes Abenteuer. Ziel: die schnellste Verbindung zwischen Atlantik- und Pazifikküste. Am 3.4.1860 startet die Postzustellung mit dem "Pony-Express".



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martin Herzog:

    • warum das Dampfschiff damals keine echte Alternative zur Postkutsche ist,
    • welchen Eid die jungen Pony-Reiter ablegen müssen,
    • warum man Jack Keetley nach seinem Ritt schlafend aus dem Sattel hebt,
    • welche Geschichte die Erfindung des Doughnut mit dem Pony-Express verbindet,
    • wieso der Pony-Express für seine Betreiber zum finanziellen Desaster wird.

    Der Plan ist ehrgeizig: ein 3.100 Kilometer langer Stafettenlauf zu Pferde mit 25 Reitern und 157 Relais-Stationen, quer durch die amerikanische Prärie, über die Rocky Mountains und die Sierra Nevada - doppelt so schnell wie jede Postkutsche.

    Ab dem 3. April 1860 wird der Plan in die Tat umgesetzt. Vor den Pony Express Stables in St. Joseph übergibt der Bürgermeister nach einer kurzen Ansprache die erste "Mochila", die Posttasche, feierlich an den ersten Reiter, und schickt ihn mit einem Salut auf den gefährlichen Weg Richtung Westen. Sein Ziel: Seneca in Kansas, 130 Kilometer entfernt. Nach sechs Stunden Gewaltritt kommt er an, sechs Stunden im Galopp von Station zu Station, wo ihm jedes Mal weniger als zwei Minuten bleiben, um mitsamt "Mochila" das Pony zu wechseln.

    Der Pony-Express ist die schnellste Postverbindung zwischen nordamerikanischer Ost- und Westküste, und bleibt es - für ganze 18 Monate. Im Oktober 1861 wird das erste Telegramm über die neue transkontinentale Telegraphenleitung geschickt, in wenigen Sekunden. Das schafft kein Reiter.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Claudia Schnurmann, Professorin em. für nordamerikanische und atlantische Geschichte
    • Tim McNeese: The Pony Express - Bringing Mail to the American West, Chelsea House, New York 2009

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Martin Herzog
    Redaktion: Matti Hesse
    3 April 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 41 seconds
    Wo der Pfeffer wächst: Die Niederlande und der Gewürzhandel

    Am 2.4.1595 sticht eine niederländische Expedition in See, um das portugiesische Gewürzmonopol in Asien zu brechen. Kennt sie die Route durch die Informationen eines Spions?



    In diesem Zeitzeichen erzählen Ulrich Biermann und Veronika Bock:

    • wie der Niederländer Jan Huygen van Linschoten nach Portugiesisch-Indien kommt,
    • warum er Zugang zum gesamten portugiesischen Wissen über den Indischen Ozean hat,
    • wie Jan Huygen van Linschotens Notizen an die niederländische Öffentlichkeit gelangen,
    • mit welchen Widrigkeiten die Niederländer auf ihrer ersten Ostindien-Reise konfrontiert sind,
    • was die Niederländer des "Goldenen Zeitalters" mit Unterdrückung und Ausbeutung zu tun haben.

    Seit der Antike gelangen Gewürze auf dem Landweg aus Asien nach Europa. Die Luxusgüter sind auch deshalb so teuer, weil am Transport viele Zwischenhändler beteiligt sind. Auch sind die Zulieferwege über Land kaum kontrollierbar, weil sie durch verschiedene Herrschaftsgebiete führen. Die europäischen Handelsmächte des Mittelalters und der frühen Neuzeit suchen deshalb einen anderen Handelsweg.

    Im 16. Jahrhundert schaffen die Portugiesen auf dem Seeweg eine Gewürzroute nach Indien und halten bald das Transportmonopol. Die Portugiesen versuchen zwar, ihre See- und Landkarten geheim zu halten. Aber das gelingt nur bedingt.

    Am 2. April 1795 starten in Amsterdam vier Schiffe zu einer ersten Markterkundungsfahrt. Die führt schließlich dazu, dass die Niederländer das Monopol der Portugiesen brechen. Die notwendigen Informationen für ihre Fahrt liefern die Aufzeichnungen des Niederländers Jan Huygen van Linschoten aus Portugiesisch-Indien.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin und Autor: Veronika Bock und Ulrich Biermann
    Redaktion: Frank Zirpins
    2 April 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 39 seconds
    Das letzte Einhorn wird in Dorsten geschlachtet (am 1.4.1915)

    Einhörner sind keine Fabelwesen, wie viele glauben - aber sie sind schon lange ausgestorben. Nur in einer Stadt am Rand des Münsterlands hatten Einhörner überlebt, bis zu einem schicksalhaften Tag im Jahr 1915...



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Pfaff:

    • wie die Tierart aus einer Kreuzung nepalesischer Zwergnashörner und mongolischer Wildesel entsteht,
    • wieso sie ein besonders schmackhaftes Fleisch entwickelt,
    • wie die Einhörner in Bedrängnis geraten, in Dorsten (Westfalen) aber noch jahrhundertelang weiter existieren können,
    • warum die Tiere für Trabrennen nur mäßig geeignet sind,
    • wieso der Abdecker in Dorsten am 1. April 1915 so viel zu tun hat.

    Im 5. Jahrhundert nach Christus kommen die ersten Einhörner als Lastentiere mit dem zentralasiatischen Reiterheer des Hunnenkönigs Attila nach Mitteleuropa. Die gutmütigen Tiere mit klobigem Körperbau, struppigem graubraunen Fell und kurzem Hornknubbel verbreiten sich vor allem in den dichten westfälischen Wäldern.

    Weil sie eher langsam, aber besonders lecker sind, droht ihnen im späten Mittelalter die Ausrottung. Doch die Dorstener Grafenlinie derer von Beck zu Lembeck erbarmt sich der Tiere und sorgt dafür, dass sie jahrhundertelang gut versteckt in den Wäldern nördlich von Dorsten überleben können.

    In den Krisenzeiten des Ersten Weltkrieges kommt es dann zu einem bedauerlichen Übergriff hungriger Dorstener Bürger. Oder waren es womöglich Zugezogene aus der Nachbarstadt Marl? Damit und mit dem jungen Forschungsgebiet der "Unicornistik" setzt sich die Stadt am nördlichen Rand des Ruhrgebietes heute kritisch auseinander.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Dr. Gerlinde Lütkebohmert (Regionalhistorikerin aus Dorsten) und ihr Buch: "Das Einhorn im Spiegel der Zeit". Glaubsnich-Verlag, Dorsten 2024
    • Tobias Stockhoff (Bürgermeister von Dorsten)
    • Björn Freitag (Sternekoch, "Goldener Anker", Dorsten)
    • Friedhelm Eckenhagen (Bergmann aus Dorsten; historische WERAG-Aufnahme von 1931)
    • "International Unicorn Questionnaire" - University of Ulan Bator, Mongolia, 2021
    • Krethesius et Plethesius: "De Unicornus Unicatus", etwa 480 n. Chr.
    • Conrad Gessner: "Historia Animalium", 1543

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    Die Macher:innen hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Thomas Pfaff
    Redaktion: David Rother

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    1 April 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 49 seconds
    Filmzensur im Namen von Moral und Glauben

    Was soll ein Film zeigen dürfen? In den USA der 30er und 40er Jahre gilt eine strenge Zensur - sie folgt einem Code, der Hollywood enge Grenzen setzt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christian Werthschulte:

    • warum die Unterhaltungsgiganten Hollywoods sich in den 1930er-Jahren den Regeln zweier Katholiken unterwerfen,
    • welchen Schwur Mitglieder der "Anstandsliga" in einigen Kirchengemeinden sprechen,
    • womit Alfred Hitchcock dem "Hays Code" den Todesstoß versetzt,
    • wie die "Freiwillige Selbstkontrolle der deutschen Filmwirtschaft" arbeitet.

    Zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren herrscht in Hollywood der sogenannte Production Code, auch bekannt als "Hays Code". Verfasst wird er von zwei Katholiken, dem Filmjournalisten Martin Quigley und dem Jesuitenpater Daniel A. Lord.

    Fremdgehen, Homosexualität, Beziehungen zwischen weißen und schwarzen Menschen - all das soll in Filmen nicht mehr gezeigt werden. Verbrecher sollen bestraft und Autoritätsfiguren - auch Priester - sollen nicht lächerlich gemacht werden.

    Chefzensor wird der streng gläubige Katholik Joseph I. Breen. Trotz der Einschränkungen gelten die Jahre unter ihm als eine goldene Periode des US-amerikanischen Kinos. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen die Kinos Filme aus dem Ausland und das Fernsehen wird das neue Medium für alle. Der Filmindustrie ist klar, dass sie etwas bieten muss, um ein neues Publikum zu erreichen. Ein Teil davon ist, mit Konventionen zu brechen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Thomas Doherty, Professor für American Studies, Brandeis University
    • Peter Kaun, stellvertretender Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft
    • Thomas Doherty: Hollywood‘s Censor. Joseph I. Breen and the Production Code Administration. Columbia University Press 2009
    • Thomas Doherty: "Pre-Code Hollywood. Sex, Immorality, And Insurrection in American Cinemy 1930-1934. Columbia University Press 1999
    • Leonard Jeff und Jerold Simmons: The Dame in the Kimono: Hollywood, Censorship, and the Production Code from the 1920s to the 1960s. 1991

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    Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Christian Werthschulte
    Redaktion: Frank Zirpins
    31 March 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 46 seconds
    Der erste Dandy: Beau Brummells Leben vom Modekönig zum Bettler

    Er war der "Ur-Dandy", der Erfinder einer eleganten, geistreichen, sehr britischen Lebensweise. Am 30.3.1840 starb George "Beau" Brummell - und sah sich selbst im Spiegel dabei zu...



    In diesem Zeitzeichen erzählt Jutta Duhm-Heitzmann:

    • warum George Bryan Brummell den Militärdienst quittiert,
    • wie es zum Zerwürfnis zwischen Brummell und dem Prince of Wales, dem späteren König Georg IV., kommt,
    • vom unaufhaltsamen Abstieg des Dandys "Beau" Brummell.

    George Brummell gilt als der Dandy schlechthin, der Ur-Dandy. Er ist nicht etwa nur ein Modegeck, der durch seine Extravaganz die englische Society Anfang des 19. Jahrhunderts amüsiert oder empört. Nein, er ist ein Trendsetter, der auch sonst den Ton angibt.

    Brummell praktiziert von Jugend an eine Lebensart, die ihn später berühmt macht: Er ist ungeheuer elegant, maßlos arrogant, ohne Zweifel auch überwältigend charmant, wenn er es sein will. Außerdem weiß er glänzend zu unterhalten und erregt dadurch die Aufmerksamkeit des Prinzen von Wales, des späteren Königs Georg IV.

    Als Brummell sich mit dem Prinzen überwirft, verliert er einen wichtigen Gönner. Aus Angst, in Schuldhaft zu geraten, setzt er sich nach Frankreich ab. Am 30. März 1840 stirbt er bettelarm als geistig verwirrter alter Mann.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Jules Amedée Barbey d'Aurevilly: Vom Dandytum und von G. Brummell. Nördlingen 1987
    • Oscar Wilde: Aphorismen, in: Werke in fünf Bänden (Neue Zürcher Ausgabe). Frankfurt am Main 2004
    • Albert Camus: Der Rebell, in: Der Mensch in der Revolte. Hamburg 1951
    • Charles Beaudelaire: Der Dandy, in: Der Maler des modernen Lebens. Paris 1863
    • Gerd Stein: Dandy-Snob-Flaneur - Kulturfiguren und Sozialcharaktere des 19. und 20. Jahrhunderts. Frankfurt am Main 1985

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Jutta Duhm-Heitzmann
    Redaktion: David Rother und Klaus Leymann
    30 March 2025, 4:00 am
  • 14 minutes 44 seconds
    Small is Beautiful: E.F. Schumachers revolutionäre Ökonomie

    Ein deutsch-britischer Manager fliegt 1955 nach Burma, um die Wirtschaft dort nach westlichen Standards auszurichten. Doch der Besuch in Asien ändert sein Leben und seinen Blick auf die Welt.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Christiane Kopka:

    • wie der Ökonom Ernst Friedrich Schumacher seine Sicht auf die Wirtschaft grundlegend ändert,
    • warum Lebenszufriedenheit und Überflussgesellschaft nicht zusammenpassen,
    • wie der Buddhismus Schumacher zu einer neuen Wirtschaftslehre führt,
    • warum Schumachers Buch "Small is beautiful" zum Weltbestseller wird.

    Der Mann, der am 13. Januar 1955 in Rangun aus dem Flugzeug steigt, ist im Auftrag der UN unterwegs. Seine Mission: Die Regierung von Burma zu beraten, wie sie ihre Wirtschaft im westlichen Sinn entwickeln kann. Ernst Friedrich Schumacher gilt als Top-Manager und Wirtschaftsexperte.

    Ein US-amerikanisches Beraterteam hat der Regierung bereits Vorschläge unterbereitet, die Großprojekte zur Energiegewinnung vorsehen oder den Bau neuer Straßen quer durch den Dschungel. Doch je länger Schumacher das Land und seine glücklichen Menschen erlebt, desto fragwürdiger erscheinen ihm diese Konzepte.

    Seine Beschäftigung mit dem Buddhismus führt Schumacher zu einer Wirtschaftslehre, die auf sozialer Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und Nachhaltigkeit beruht. Mit seinen Ideen blitzt Schumacher aber überwiegend ab. Wirklich Erfolg hat er nirgends, auch im globalen Süden ist letztlich die Versuchung zu groß, den vom globalen Norden vorgelebten Lebensstil zu übernehmen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Professor Nico Paech, Nachhaltigkeitsforscher
    • Ernst F. Schumacher: Small ist Beautiful. Die Rückkehr zum menschlichen Maß, München 2019.
    • Barbara Wood: E. F. Schumacher: His Life and thought, 1984.
    • Benjamin Möckel: Auf der Suche nach ökonomischen Alternativen.
    • Ernst Friedrich Schumachers "Small is beautiful". In: "Zeithistorische Forschungen", Band 19 (2022), S. 600-607.
    • Nico Paech: Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie, München 2012.
    • Maja Göpel: Unsere Welt neu denken. Eine Einladung, Berlin 2020.
    • Robert Leonoard: E.F. Schumacher and the Making of Buddhists Economics 1955-1973. Cambridge University Press, 1919.

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autorin: Christiane Kopka
    Redaktion: David Rother
    Technik: Theo Kramer
    29 March 2025, 5:00 am
  • 14 minutes 44 seconds
    Marc Chagall: fliegende Liebespaare und biblische Bilder

    Er verbindet relgiöse Symbolik mit den Farben seiner Kindheit im jüdischen Stetl. Chagalls Bilder erzählen von Liebe, Verlust und Mystik. Er stirbt am 28. März 1985 in Südfrankreich.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Andrea Klasen:

    • was seine streng gläubige Verwandtschaft von Chagalls Berufswunsch Maler hält,
    • welche Kunstströmungen seinen Stil beeinflussen,
    • wie seine große Liebe Bella zu seiner Muse wird,
    • warum Chagall einige seiner Bilder neu malt,
    • welche einzigartige Farbe nur er mischen kann.

    Marc Chagall kommt 1887 im Norden des heutigen Weißrussland zur Welt. Er erlebt all die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit: die Weltkriege, die russische Revolution, Vertreibung, Flucht, anschwellenden Antisemitismus.

    Er erlebt selbst Pogrome. Auch das findet seinen Niederschlag in den Werken. Seine Themen, Symbole und Figuren sammelt er in der Kindheit. Sie wird für ihn zu einer reich gefüllten Vorratskammer, deren Tür er beim Malen öffnet, um hinein zu schlüpfen. Nach Lehrjahren in Paris hat er 1913 in Berlin seinen Durchbruch.

    In den 1930er-Jahren beginnt Chagall damit, sein Themenrepertoire zu erweitern. Er wendet sich christlichen Motiven zu und illustriert Geschichten aus der Bibel. Diese künstlerische Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift begleitet den Maler bis an sein Lebensende.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Susanne Meyer-Büser (Kunsthistorikerin, Kunstsammlung NRW)
    • Ausstellungskatalog der Albertina Wien und der Kunstsammlung NRW: Chagall. München 2024
    • Susan Compton: Marc Chagall - mein Leben, mein Traum. München 1997

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    Die Macherinnen und Macher hinter diesem Zeitzeichen:
    Autor: Andrea Klasen
    Redaktion: Sefa Inci Suvak
    Technik: Nicolas Dohle
    28 March 2025, 5:00 am
  • 14 minutes 48 seconds
    DDR-Jugendweihe: die sozialistische Alternative zur Konfirmation

    Am 27. März 1955 finden in der DDR die ersten Jugendweihen statt. Neben Hochzeiten etabliert sich das Staatsritual als absoluter Höhepunkt im familiären Alltagsleben.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Thomas Klug:

    • mit welchen Methoden die FDJ den DDR-Nachwuchs auf die Jugendweihe vorbereitet,
    • wie viele Mädchen und Jungen 1955 die erste Jugendweihen durchlaufen,
    • in welchem Tonfall die Zeremonien ablaufen,
    • wie die Gelöbnisse über die Jahre verändert werden,
    • welches Ritual die Jugendweihe jeweils abschließt.

    Erwachsenwerden beginnt etwa mit 14 Jahren. Zeremonien wie Kommunion und Konfirmation sollen die Jugendlichen auf ihre Zukunft vorbereiten. In der DDR ist es die Jugendweihe, die im ostdeutschen Realsozialismus Teil der Staatsideologie ist.

    Dabei ist die Jugendweihe keine Erfindung der DDR. Es gibt sie schon seit 1857 in Deutschland - zunächst bei freireligiösen Gruppen, später in der Arbeiterbewegung. In der DDR wurde sie zum staatstragenden Pflichtprogramm für Jugendliche der achten Klassen. Offiziell ist die Teilnahme an der Jugendweihe freiwillig.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:

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    Autor: Thomas Klug
    Redaktion: Christoph Tiegel und Sefa Inci Suvak
    27 March 2025, 5:00 am
  • 14 minutes 44 seconds
    Nackt im Museum: George Smith und seine Sintflut-Sensation

    George Smith, am 26.3.1840 in London geboren, bringt sich selbst die Keilschrift bei und entdeckt das Gilgamesch-Epos, die babylonische Version der Sintflutgeschichte.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Wolfgang Meyer:

    • wie sich George Smith selbst Hebräisch und die assyrische Schrift beibringt,
    • wie er Assistent der Assyriologie-Abteilung des Britischen Museums in London wird,
    • mit welcher freizügigen Aktion Smith seine Entdeckung der Keilschrift-Tafel feiert,
    • welche britische Prominenz sich über die Entdeckung informieren lässt,
    • wie George Smith mit 36 Jahren zu Tode kommt.

    Die Zeichen auf der zerbrochenen Tontafel sind winzig, dennoch gut erkennbar. Sie sehen aus wie eingeritzte oder eingedrückte Muster - eine Mischung aus Symbolen und Buchstaben. Es ist Keilschrift, an die 5.000 Jahre alt. Ausgegraben wird sie 1840 während einer Expedition in Mesopotamien, dem heutigen Irak.

    Doch gelesen wird die Tafel erst mehr als 30 Jahre später - von George Smith, der als Assistent im Britischen Museum in London arbeitet: "Ich sah sofort, dass ich mindestens einen Teil der babylonischen Sintflutgeschichte entdeckt hatte."

    Es wird sich als das letzte Kapitel des umfangreichen und heute berühmten Epos über den sagenhaften König Gilgamesch entpuppen. Eine der ältesten literarischen Texte der Menschheitsgeschichte. Viel älter als die Bibel.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen:
    • Sabina Franke (Hg.): Das Gilgamesch-Epos. Ditzingen 2023
    • George Smith: Assyrian Discoveries. London 1875
    • Cornelius Heinrich: Schreiberübungen aus neuassyrischer Zeit. Wiesbaden 2023

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    Autor: Wolfgang Meyer
    Redaktion: Christoph Tiegel und David Rother
    26 March 2025, 5:00 am
  • 14 minutes 49 seconds
    Ein Gesetz, das Hitler hätte stoppen sollen

    Das "Gesetz zum Schutze der Republik" soll die Weimarer Demokratie vor inneren Feinden schützen. Am 25.3.1930 wird es neu beschlossen, ist gegen die NSDAP aber letztlich erfolglos.



    In diesem Zeitzeichen erzählt Martina Meißner:

    • wie ein Gericht Adolf Hitler vor der Ausweisung aus Deutschland bewahrt,
    • von einer Weimarer Republik, die von Verschwörungstheorien, Gewaltexzessen und Inflation bestimmt wird,
    • in welchen Fällen das Republikschutzgesetz zu harten Urteilen führt,
    • vom "Thüringen-Projekt", das heute vor autoritär-populistischen Parteien warnt.

    In den Anfangsjahren der Weimarer Republik verüben rechtsextremistische Verschwörer 354 politische Morde. Einer, der für besonderes Aufsehen sorgt, ist der an Reichsaußenminister Walther Rathenau. Nach seinem Tod wird 1922 das erste "Gesetz zum Schutze der Republik" verabschiedet. Es verbietet Organisationen, die sich gegen die "verfassungsmäßig festgestellte republikanische Staatsform" richten. Zudem verschärft es die Bestrafung politisch motivierter Gewalttaten gegen Regierungsmitglieder und schreibt die Einrichtung eines Staatsgerichthofs fest.

    Am 25. März 1930 wird das Gesetz durch eine zweite - deutlich abgeschwächte Version - ersetzt. Letztlich scheitert der Versuch, die Republik zu stabilisieren. Vor der Machtübernahme durch die NSDAP kann auch das Republikschutzgesetz die Weimarer Republik nicht schützen.

    Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
    • Martin Sabrow, Historiker
    • Juliana Talg, Juristin
    • Martin Sabrow: Gewalt gegen Weimar. Zerreißproben der frühen Republik, 2023
    • Martin Sabrow: Der Rathenaumord und die deutsche Revolution, 2022
    • Verfassungsblog: Das Thüringen-Projekt

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    Autorin: Martina Meißner
    Redaktion: Carolin Rückl und Sefa Inci Suvak
    Technik: Moritz Raestrup
    25 March 2025, 5:00 am
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