Vom Fest zum Event (SD 640)

Der Wandel von der Fest- zur Event-Kultur wäre nicht denkbar ohne die Medien, die bei öffentlichen Ereignissen längst eine dominierende Rolle einnehmen. Mit dieser Rolle setzt sich die Ringvorlesung der Universität Erlangen-Nürnberg im Wintersemester auseinander.

  • 57 minutes 29 seconds
    Repräsentation der Macht? Festkultur der Renaissance
    Die Festkultur der Renaissance umfasst auf den Kirchenkalender und die Jahreszeiten bezogene Prozessionen und Mysterienspiele ebenso wie politische Demonstrationen: Einzüge wichtiger Persönlichkeiten, Triumphzüge, Siegesfeiern und die damit verbundenen Turniere und Bankette. Die zu diesen trionfi" gehörenden Straßeninszenierungen mit lebenden Bildern" mythologischer, biblischer oder historischer Begebenheiten wurden ergänzt durch eine Laienkultur" mit Fressstationen, Possenreißern, Musikanten und Feuerwerk. Für Städte wie Venedig waren die Feste bereits in der Renaissance ein Teil ihrer Werbestrategie. Der Karneval band hier alle Schichten in einer die ganze Stadt erfüllenden Ausnahmesituation zusammen und zog große Massen von Besuchern an. Die verkehrte Welt" war Programm, diente aber auch der gezielten Entladung oder Umlenkung von Gewalt und aufgestauten Affekten. Die Macht nutzt das Fest, um das Individuum in die Gruppe zu binden und ein Gemeinschaftsgefühl zu generieren. Ziel sind die ritualisierte und damit berechenbare Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse und die Feier des Lebens" in einer unter anderem von Krieg und Pest geprägten Zeit.
    30 November 2010, 11:00 pm
  • 28 minutes 50 seconds
    Neue Inszenierungsformen von Literatur - Der Showbiz erreicht die Buchbranche
    Seit den 1990er Jahren ist eine zunehmende Eventisierung innerhalb der Buchbranche zu verzeichnen. Literaturvermittlung findet nicht mehr ausschließlich in Buchhandlungen statt, sondern wird an ungewöhnlichen Orten ausgetragen. Zugleich gibt es eine stärkere Form der Interaktion zwischen Autor und Leser, wie die Etablierung von Slam Poetrys zeigt. Auch das Selbstverständnis der Autoren verändert sich dahingehend, dass diese sich selbst inszenieren. Der Vortrag bettet diese Fakten in einen theoretischen Rahmen. Ausgangslage hierfür ist ein kurzer Überblick darüber, woraus Events entstanden sind und wodurch sie sich auszeichnen. Daran anschließend geht es darum beispielhaft aufzuzeigen, inwieweit Institutionen wie Literaturhäuser und Literaturfestivals zur Eventisierung von Literaturveranstaltungen beitragen. Abschließend werden die Merkmale am Beispiel von Hape Kerkeling liest. Ich bin dann mal weg" verdeutlicht. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, die zwischen Wasserglaslesung" und eventartiger Lesung anzusiedeln ist und daher in der Lage ist, den Weg vom Fest zum Event nachzuzeichnen.
    23 November 2010, 11:00 pm
  • 29 minutes 2 seconds
    Gottesinszenierungen im amerikanischen und deutschen Fernsehen
    Der Vortrag "Gottesinszenierungen im deutschen und amerikanischen Fernsehen" in der Ringvorlesung "Vom Fest zum Event" an der FAU schreitet die praktisch-theologische Theoriebildung zum Thema Gottesdienst als "darstellendem Handeln" - wie es schon Friedrich Schleiermacher formulierte - ab, zeigt auf, wie die praktische Theologie in den vergangenen Jahren, die ästhetischen Dimensionen des Gottesdienstes und seiner medialen Präsentation im Fernsehen entdeckt hat und vergleicht am Beispiel einer Gottesdienstübertragung aus der Dresdner Frauenkirche die Reflexion und die Konzeption der Gottsdienstübertragungen im Deutschen Fernsehen mit den Medienevents, die amerikanische Fernsehprediger inszenieren.
    16 November 2010, 11:00 pm
  • 35 minutes
    Festivalisierung des Theaters? Bühne und Gesellschaft im Wandel
    Festivalisierung des Theaters? Bühne und Gesellschaft im Wandel
    9 November 2010, 11:00 pm
  • 28 minutes 50 seconds
    Das "andere" Fest im 17. Jahrhundert - wie höfisch waren die höfischen Feste?
    Der Vortrag versucht die Frage wie höfisch die die höfischen Feste waren" in zwei Schritten zu beantworten: In einem ersten charakterisiert er die Merkmale höfischer Festkultur im 17. Jahrhundert, in einem zweiten, wie Momente des höfischen Festes in barocken Theaterstücken reflektiert werden. Hier zeigt sich ein anderes" Fest, dessen konzeptionell angelegte Antinomie sich in verheißener Teilhabe und forcierter Exklusi-vität offenbart. Als Beispiele denen Stücke von Jacob Frischlin und Christian Weise. Das barocke Theater war nicht nur zur Hofkritik fähig, sondern hat diese speziell mit der höfischen Festpraxis verbunden. Die Exklusivität des höfischen Erlebens basiert auf einer Ausgrenzung und Instrumentalisierung der nicht-höfischen Bevölkerung, deren nur mittelbare Teilhabe am Fest entzaubert wird. Die Dramen als Theaterfeste gesehen, stellen für ihr Publikum ein anderes Fest" dar, nämlich einen Einblick in höfisches Fei-ern über die Dispositive der Theaterbühne. Die in beiden Stücken markierte Differenz von tatsächlicher und vorgeblich repräsentativer, aber nur partiell zuschauender Teilha-be zeugt von einem erstaunlich weit reichenden Bewusstsein von den Regulativen des höfischen Festes im Barock.
    2 November 2010, 11:00 pm
  • 59 minutes 50 seconds
    Women only! Demeter-Feste im antiken Griechenland
    Das bedeutendste Frauenfest im antiken Griechenland waren die Thesmophorien ein mehrtägiges Fest zu Ehren der Göttin Demeter und ihrer Tochter Persephone mit zum Teil höchst eigentümlichen Riten, das zwar von Männern finanziert wurde, bei dem die Frauen aber ganz unter sich waren. Alles drehte sich bei diesem Fest um die Fruchtbarkeit, und zwar sowohl um die Fruchtbarkeit von Feld und Flur als auch um die menschliche Fruchtbarkeit im Sinne von Nachwuchs. Unser Wissen über dieses Fest basiert auf Bemerkungen antiker Autoren, bildlichen Darstellungen meist auf attischer Keramik), Inschriften und Grabungsbefunden. Auch wenn all dies dem Zufall der Überlieferung zu verdanken ist, so ist es zweifellos lohnend, sich mit dem heterogenen und spärlichen Material kritisch auseinanderzusetzen, ist es doch nur auf diese Weise möglich, zu einem stimmigen Bild dieses Festes zu gelangen.
    26 October 2010, 10:00 pm
  • 1 hour 6 minutes
    Vom Fest zur Katastrophe: Die Duisburger Loveparade und ihre Dokumentation durch SPIEGEL TV
    Zeitzeugen und Chronisten einer Katastrophe: Steffen Haug, der Redaktionsleiter von Spiegel TV Magazin, war mit sechs Kamerateams bei der diesjährigen LoveParade vor Ort, um ein Fest zu dokumentieren. Im Eröffnungsvortrag der diesjährigen Universitäts-Ringvorlesung zum Thema "Vom Fest zum Event" schildert er seine Erlebnisse und Erfahrungen beim jähen Umschlag der Love Parade in ein Desaster mit 21 Toten und mehr als 500 Verletzten: "Vom Fest zur Katastrophe: Die Duisburger Loveparade und ihre Dokumentation durch Spiegel TV" ist der Bericht des Journalisten überschrieben, in dem er auch ausführlich zu den sich in diesem Zusammenhang stellenden Fragen der Medienethik, zu Aspekten des Rechts am Bild, aber auch über die Unterstützung mit privaten Videomaterialien durch Augenzeugen der Katastrophe referiert. Zugleich bietet er an diesem Beispiel einen Einblick in die Produktionsabläufe und das Selbstverständnis fernsehjournalistischer Praxis.
    20 October 2010, 10:00 pm
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