"Was mit Reisen" - http://wasmitreisen.com - ist ein Online Magazin für Profis im Tourismus. Neben Filmen, Storytelling und Kommentaren gibt es dort auch integriert das bereits seit 2012 bestehende Reiseradio. Ausführliche Hintergrundgespräche mit den Movern & Shakern der Branche; hart nachgefragt, aber plaudernd im Ton. Die einzige Informationsquelle im Netz, um im Originalton zu erfahren, was Touristiker zu sagen haben.
Scrollst du noch oder reist du schon? Ein Reiseradio-Gespräch darüber, warum wahre Insider nicht auf Algorithmen setzen. Abseits von SEO-Wahn und Gratis-Content feiert ein Urgestein des Reisejournalismus das 40-jährige Überleben der gedruckten Reise-Recherche: Wie Chefredakteur und Verleger Jürgen Zupancic mit seinem Print-Magazin „Clever reisen!“ dem Kiosk-Sterben trotzt und deshalb für seinen langen Atem nun den VDRJ-Ehrenpreis erhält.
Es war einmal ein Duisburger Biergarten, das Jahr 1986 und eine gehörige Portion „Größenwahnsinn im guten Sinne“. Mit 3.000 Mark Startkapital und einer geliehenen Schreibmaschine hoben Jürgen Zupancic und sein Schulfreund Wolfgang Grahl ein Magazin aus der Taufe, das heute – vier Jahrzehnte später – wie ein gallisches Dorf in einer Welt voller kostenloser Digital-Häppchen wirkt. Während die großen Flaggschiffe der Reisepresse im Sturm des digitalen Wandels die Segel streichen mussten, hält Zupancic das Steuer von „Clever reisen!“ unerschütterlich fest in der Hand.
Der 50. VDRJ Ehrenpreisträger Jürgen Zupancic zwischen der Laudatorin Marina Noble und dem 1. Vorsitzenden der VDRJ, Dr. Martin Wein (Foto © Jürgen Drensek)
Für diesen „langen Atem“ erhält er nun den 50. Ehrenpreis der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) – eine Auszeichnung für ein Lebenswerk, das beweist, dass journalistisches Rückgrat und wirtschaftlicher Überlebenswille kein Widerspruch sein müssen.
Während Google nur sortiert, muss der echte Reisejournalist noch hinreisen und die Realität prüfen. Zupancic versteht sich und sein Team als „journalistische Trüffelschweinchen“, die die Spreu vom Weizen trennen. Er testet lieber persönlich das „Gummibrötchen für sechs Euro“ in der Economy Class, statt PR-Botschaften abzuschreiben. Für ihn ist klar: Wer nichts ausprobiert, bleibt stehen – und in der Verlagswelt bedeutet das das Aus.
Zwei Jürgens im Gespräch: VDRJ-Ehrenpräsident Jürgen Drensek (li) interviewt Preisträger Jürgen Zupancic für den Reiseradio-Podcast (Foto © Marina Noble)
Vor der Preisverleihung in Duisburg hatte ich die Gelegenheit, mit Jürgen Zupancic meinen Reiseradio-Podcast aufzunehmen. Ein munteres Gespräch unter Reisejournalisten, denen es wichtig ist, dass Leser, Hörer oder Zuschauer neben Inspiration vor allem auch glaubwürdige und gut recherchierte, verwertbare Information bekommen. Um das Gespräch zu hören, bitte auf den PLAY Button im Titelbild klicken.
Hintergrund-Link zum Preisträger auf der Webseite der VDRJ
Der Beitrag Zupancic trotzt Klick-Kultur <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>VDRJ ehrt Print-Pionier mit langem Atem</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
Manchmal kann das Leben eines Reisejournalisten schon verdammt hart sein:
„…Für unsere Suite im 56. Stock zahlen wir noch einmal 7000 € und sind maßlos enttäuscht. Das Essen ist schlecht (500 € für eine trockene Languste), die Technik versagt überall. Ein Zwischenstopp, den wir uns besser erspart hätten…“

Kommentar: Jürgen Drensek
Na, da stellt man sich doch gerne die strenge Mine der Reisekosten-Sachbearbeiterin vor, bei der der kritische Kollege und Hoteltester (übrigens lange Jahre Ressortleiter einer renommierten deutschen Sonntags-Zeitung) hinterher seine Undercover-Recherche abrechnete. Solche unlängst tatsächlich gedruckten Kleinodien deutscher Dichtkunst sind nicht ganz unschuldig am Ruf der Reisejournaille, immer die ersten am Kaviarstand und die letzten an der Champagner-Bar zu sein. Dabei ist es doch ein Bild, das mittlerweile nur noch zum manchmal amüsanten Klischee taugt.
Das Gros der Fachjournalisten, die sich dem Thema Reise und Tourismus widmen, dürfte sich weniger um angebrannte Schalentiere im arabischen Luxus-Märchenschloss sorgen, als um die Honorar-Abrechnung am Monatsende. Die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) hat sich bei den Kolleginnen und Kollegen, die vorwiegend die weite Welt in die Tageszeitungen bringen, einmal umgehört. Das Ergebnis erschreckt: knappe 1700 € beträgt das durchschnittliche Monats-Einkommen bei freiberuflichen Print-Journalisten. Vor Steuer und Renten-Versicherung wohlbemerkt.
Das ist weniger, als ein Berufsanfänger tariflich nach dem Volontariat verdient; dabei sind die meisten Reisejournalisten schon weit jenseits der 40. Wer tut sich das an? Vordergründig möchte man sagen Lebenskünstler, Entdecker-Naturen, unruhige Geister, die es nicht am heimischen Redaktionsschreibtisch hält. Oder vielleicht doch eher Masochisten, denen es nichts ausmacht, im journalistischen Standesdünkel nur mit Näschen-Rümpfen als zugehörig zur Zunft akzeptiert zu werden? In einer Branche, in der Politikredakteure oder eitle Fernsehmoderatoren den Platz in der ersten Reihe beanspruchen – die sogar, wenn sie selbst das „Guten Abend“ vom Teleprompter auf der Kamera ablesen müssen…
Wer sich heute mit professionellem Anspruch auf das Gebiet des Reisejournalismus begibt, braucht ein dickes Fell – und möglichst einen Partner, der das Geld verdient. Eine reiche Erbtante, die den Drang in die Ferne post mortem unterstützt, ist allerdings auch ganz hilfreich…
Aber man sollte auch durchaus selbstkritisch sein: Der anonym bleiben wollende Pressesprecher erinnert sich mit Grausen. Neulich auf Ibiza habe er bei einer typischen Journalistengruppe mal etwas „ganz Revolutionäres“ versucht: Abends sollten sich die Kollegen alleine „für die Recherche“ ins Nachtleben der Partymetropole stürzen. Sogar gegen Quittung auf Kosten des Veranstalters… Er hat sie dann doch eine halbe Stunde später alle am Anfang von Eivissas „Rennbahn“ mit der vielleicht europaweit höchsten Entertainment-Dichte wieder getroffen. Etwas hilflos als Gruppe zusammenstehend. Und mit der Bitte, ob er denn nicht einen Tipp hätte, wo man hier am besten hingehen sollte… Gemeinsam.
„Wenn unsere Studienreise-Gäste in der Fremde nur halb so unbeholfen wären, wie ein Rudel verwöhnter Journalisten…“, resigniert der PR-Mann, dem nach vielen Jahren Pressebetreuung nichts Menschliches mehr fremd ist, und lässt die Antwort lieber offen…
Ein Einzelfall? Wer schon einmal auf Journalistenreise dabei war – also bei der klassischen Form der „Recherche“ vor Ort – wird Dutzende ähnlicher Geschichten erzählen können. Kein Wunder, dass frustrierte Fachkollegen manchmal den Eindruck haben, der Reisejournalismus entwickele sich immer mehr zum Tummelplatz des Dilettantismus. Das Problem ist erkannt, aber nicht gebannt. Im Gegenteil. Zwar rangieren Reiseberichte gleich nach dem Sport auf einem Spitzenplatz des Leser-, Hörer- oder Zuschauerinteresses, aber in der Redaktionshierarchie sind die Tourismus-Fachleute nach wie vor die Kellerkinder. Die meisten Chefredakteure betreiben die Geringschätzung mit System: Über Reisen könne jeder schreiben. Alle sind schließlich Urlaubs-Fachleute aus eigener Erfahrung… Was bei der Beschickung selbst von langweiligen Parteitagen undenkbar wäre und zu einem Aufstand der politischen Redaktion führen würde, ist bei Presse-Einladungen touristischer Veranstalter Redaktionsalltag: Die Journalistenreise als Belohnungs-Zückerchen. Mal fünf Tage in die Sonne – aber bitte als freie Tage anmelden…

So kommt es denn, dass in solchen Gruppen nicht selten fleißige Lokal-Journalisten oder uninspirierte Mikrophon-Hinhalter der Privatradios und Freizeit-Blogger in der Mehrheit sind. Dem einen oder anderen Veranstalter mag das gar nicht so unrecht sein – trotz heimlicher Frustration der begleitenden PR-Kollegen: wer die Hintergründe eines Zielgebietes nicht kennt und „eigentlich auf Urlaub“ ist, wird bei der luxuriösen Rundum-Sorglos-Betreuung auf solchen Trips wohl eher geneigt sein, schwärmerisch die schräge Palme am weißen Pudersand zu beschreiben… So geben sich alle zufrieden: der Einladende, der fachfremde aber willige Strandtester, der endlich mal weg vom Schreibtisch kam, und zähneknirschend auch der Verantwortliche für den Etat der Reiseredaktion – wieder billig ein Umfeld für den Werbeblock gefüllt.
Die eigentlich Leidtragenden in diesem System der kollektiven Ignoranz sind – neben dem Leser, Hörer oder Zuschauer – aber vor allem die freiberuflichen, qualifizierten Fach-Journalisten. Nicht nur, dass auch sie mit dem Vorurteil des unreflektierten SchönwetterJournalismus fertig werden müssen; die immer weiter um sich greifende Tendenz der Austauschbarkeit und Beliebigkeit der Reise-Häppchen vor allem in den Tageszeitungen wird für sie zu einem existenziellen Problem. Da scheint kein Platz mehr für die aufwendige Reportage oder den detailverliebten Bericht. Zumindest dann nicht, wenn es ein anständiges Honorar kostet. Gar nicht zu reden von der KI, die heute schon, professionell bedient und mit guten Quellen gefüttert, Reiseberichte und Bucket-Listen ausspuckt von erstaunlicher Qualität, die kaum noch vom geschwurbelten Einheitsbrei zu unterscheiden sind, aus dem viele Reiseteile, vor allem in Magazinen, zusammengeklöppelt werden.
Ohne die Einladungen der Tourismus-Industrie wären die freien Schreiber aus Fleisch und Blut beruflich schon längst nicht mehr überlebensfähig. Da mag man die Lippenbekenntnisse von Chefredakteuren nur noch mit Sarkasmus zur Kenntnis nehmen, dass man frei von Sponsoring und Einflussnahme der Reisebranche sei und deshalb kritische Auseinandersetzungen mit dem Thema Urlaub erwarte. Insider sind sich einig, dass es so gut wie keine Redaktion in Deutschland gibt, die sich nicht – wenn immer möglich – die Reisekosten für einen touristischen Bericht bezahlen lässt. Nur reden darf man nicht darüber. Die Freiberufler werden dagegen immer häufiger gezwungen, solche wegen der Realität unsinnigen Redaktionsrichtlinien zu unterzeichnen, die Kostenübernahmen von dritter Seite ausschließen. So hat man zwar als Redaktion eine weiße Weste. Aber wie ein Bericht zustande kommt – so genau möchte man es dann doch nicht wissen bei oft noch nicht mal einem Euro pro Zeile… Reisekosten natürlich inklusive.
„Viele Reisejournalisten sind betriebswirtschaftlich schon längst pleite und haben es nur noch nicht gemerkt.“
Da die überwiegende Zahl der Reisejournalisten in den Listen der touristischen Anbieter als Einzelkämpfer-„Redaktionsbüros“ firmieren (was für eine euphemische Bezeichnung für eine mühsam freigeräumte Ecke auf dem Wohnzimmer-Sekretär), hier mal eine kleine betriebswirtschaftliche Analyse, warum der Drang in die Sonne finanziell in der Regel keinen Platz an der Sonne hervorbringt. Wie sieht der berufliche Alltag des vulgo Freien Journalisten aus? Auf der Habenseite mag die in vielen Jahren erworbene Perfektion im Kofferpacken stehen; ein Reisepass, dessen vollgestempelte Seiten einen ähnlichen Protzwert haben, wie das klimpernde Lametta am Bändchen eines Kriegsveteranen beim Vertriebenen-Treffen, und die unbedingte Small-Talk-Tauglichkeit bei Stehempfängen, wo selbst die Stützen der Gesellschaft mittlerweile pauschal verreisen. Die dosiert eingestreute Globetrotter-Attitüde über die leider, leider nachlassende Traumziel-Qualität von Bora-Bora, sobald man endlich da ist, beeindruckt jeden Sparkassen-Filialleiter bis ins Mark. Hoffentlich aber auch so lange, bis der nächste Antrag auf Erhöhung des Dispokredits bei ihm auf dem Tisch liegt… Denn wirtschaftlich gesehen sind Reisen eher kontraproduktiv. Permanent braungebrannte Kolleginnen und Kollegen sind keineswegs die Großverdiener der Zunft – sondern haben eher die Gold-Karte des heimischen Sonnenstudios „Tamara“.
Die Bilanz ist sehr einfach. Noch nicht einmal einen Taschenrechner braucht man dafür: Eines Morgens findet unser Musterjournalist eine Einladung in seinem Postfach. Hui! oder Tommy Koch Reisen laden ein: fünf Tage Nilkreuzfahrt auf den Spuren von Agatha Christie oder so. Erste Hürde: den Redaktionen dieses Thema schmackhaft machen. Abgesehen davon, dass es mittlerweile bei manchen Themen da durchaus der rhetorischen Fertigkeiten eines Goldenen Blatt Drückers an der Haustür bedarf, muss der Autor schnell sein. Die Einladung ging schließlich auch noch an andere Freie, und der Abdruck-Kuchen in den Tageszeitungen bröselt derzeit dramatisch. Zeitaufwand für alle Vorbereitungen: einen Tag. Die Recherche-Reise im Pool (und nicht am Pool) dauert in der Regel fünf Tage. Vollgepacktes Programm von Seiten des Veranstalters. Kaum Zeit für eigenes Entdecken und damit die Chance auf einen exklusiven Einstieg. Trotzdem zu Hause mit viel Einfühlungsvermögen und vorhandenem Basiswissen eine nette Geschichte geschrieben; konzentriert auf 200 Zeilen, denn mehr wird eh nicht mehr gedruckt.
Und jetzt kommt die ernüchternde Abrechnung: das Blatt mit dem Erstdruckrecht zahlt dafür 200 Euro. Vielleicht sind zwei andere Regionalzeitungen interessiert. Die Mehrfachverwertung bringt noch einmal 150 Euro. Und sogar ein Foto konnte verkauft werden für, sagen wir, 75 Euro. Ergibt zusammen? 425 Euro… Wohlbermerkt für mehr als eine Woche Arbeit. Brutto. Kein Wunder, dass da selbst Finanzbeamte misstrauisch werden und naiv nachfragen, ob so viel finanzielle Selbstaufgabe nicht eher in den Bereich des Hobbys eingestuft werden müsse, denn als seriöser Broterwerb.
Auch wenn es sich grotesk anhört: für manche Freie ist die Pressereise nicht mehr Mittel, sondern Zweck. Dabei umschwärmen beileibe nicht nur ältere Journalistinnen mit Dauerwelle die PR-Verantwortlichen der Veranstalter wegen der Einladungsliste für den nächsten Trip. Der alimentierte Jet-Set spart die Lebenshaltungskosten zuhause… Eine immer weitere Diskrepanz zwischen dem eigenen beruflichen Dasein und dem diskreten Luxus-Charme der VIP-Betreuung tut sich auf. Auch psychologisch. Eine Spirale der Abhängigkeit – selbst wenn sie gar nicht beabsichtigt gewesen sein sollte. Die Pressereise wird zum eigentlich geldwerten Vorteil. Zum „Gewinn“, so lange eben auch alles bezahlt wird.
Aber die Schlinge zieht sich für die Print-Journalisten noch enger zu. Obwohl man annehmen müsste, dass der Tageszeitungs-Reiseteil das Verlegerherz entzückt – schließlich generiert er direkt Anzeigen – wird auch hier die Sparschraube brutalstmöglich angezogen. Vor allem qualitätsbewusste Redakteure sehen die Vorgaben der Geschäftsführung mit Grausen: bei fast allen Tageszeitungen wird derzeit der Honoraretat im günstigsten Fall eingefroren; wenn nicht gar reduziert. Was das bedeutet? Immer mehr Raum muss mit Agenturmaterial wie dem dpa-Themendient oder gar kostenfreien Textangeboten der PR-Schmieden gefüllt werden. Und die wenigen freien Hausschreiber wurden mit geradezu sittenwidrigen Änderungsverträgen traktiert, die noch rechtzeitig vor Inkrafttreten der überfälligen Urheberrechtsreform die Autoren im Endeffekt völlig rechtlos stellen sollten, nach dem Erstabdruck noch irgend etwas mit ihrer geistigen Arbeit tun zu können. Die entsetzten Juristen der Journalisten-Vereinigungen warnten zwar entschieden, die einseitig begünstigenden Vereinbarungen zu unterschreiben, aber viele Freie befürchteten, eh nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben: entweder die vertragliche Zumutung akzeptieren; mit der Folge, selbst bei Mini-Honoraren gleichzeitig fast alle weiteren Nutzungsrechte abtreten zu müssen, oder von den Verlagen auf die schwarze Liste gesetzt zu werden.











Wer da nicht zu den Edelfedern zählt, auf die kein Verlag verzichten möchte, kann nur auf die Kollegialität und das Engagement der Redaktion hoffen, sich für die freien Kollegen „oben“ einzusetzen. So viel zum Thema Traumberuf. Es sind wahrscheinlich keine pessimistischen Annahmen, dass mittelfristig etwa die Hälfte der auf den wirtschaftlichen Ertrag angewiesenen freien Tageszeitungs-Autoren ihr Fachgebiet werden aufgeben müssen. Manche mögen sich in die – natürlich heimliche – Lohnschreiberei für PR-Agenturen begeben; mit schlechtem Gewissen, aber wenigstens anständigen Honorarerlösen. Andere akzeptieren zähneknirschend den Übergang in den „Amateurstatus“, wo der Weg zum Ziel wird. Will heißen, die Reise ist groteskerweise der Gewinn, und nicht mehr der Erlös des Abdrucks. Und es sind keineswegs nur gelangweilte Hausfrauen und rüstige Rentner, denen mittlerweile das Belegexemplar wichtiger ist als Bares.
Und jetzt müssen wir die Betrachtung noch erweitern auf die – mittlerweile gar nicht mehr neuen – Player in unserem Fachgebiet: Blogger und Influencer. Letztere sollen hier keine Rolle spielen. Denn die Bastion, dass Journalismus nie etwas mit (Schleich)-Werbung zu tun haben sollte, darf einfach nicht geschliffen werden. Influencer sind im Bereich Marketing unterwegs und nicht in der professionellen, hinterfragenden Berichterstattung – auch wenn etliche touristische PR-Player das anders sehen möchten. Die vielleicht einzige Reputation, die Journalisten – und auch journalistisch tätige Blogger – noch verteidigen können und müssen, ist ihre Glaubwürdigkeit. Und die kann man nicht verteidigen, wenn es zwischen Berichterstatter und Objekt Geldflüsse und Publikations-Absprachen gibt.
„Fakt ist, in immer mehr Reiseteilen von Tageszeitungen wird Alltours bestellt, aber Airtours erwartet.“
Ein wunderbares Thema für journalistische Seminare über Qualität und Ethik. Dann dürfen die Verfechter der reinen Lehre wieder salbungsvoll das weise Haupt schütteln über die vermutete unheimliche Nähe zwischen der Reisebranche und ihren journalistischen Beobachtern. Und Chefredakteure werden wieder ins Mikrophon lügen, dass Autoren in ihrem Blatt selbstredend unabhängig und frei von wirtschaftlichen Abhängigkeiten berichten – ganz ohne rot zu werden. Fakt ist, in immer mehr Reiseteilen von Tageszeitungen wird Alltours bestellt, aber Airtours erwartet. Und welche Erleichterung in der Verlagsetage, wenn sich herausstellt, dass das trockene Langusten-Würgen dann doch auf Einladung des arabischen Hoteliers erfolgte…
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Der Beitrag Überleben am Büffet <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Reisejournalismus muss man sich leisten können</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
Es ist sicher keines der üblichen Jahres-Jubiläen, wo man ganz einfach silbrige gestanzte Papier-Zahlen umkränzt von Ehrenlaub im Schreibwarenladen kaufen kann. Es ist nur eine aufsteigende Nummer. 35 Jahre sind West- und Ostdeutschland jetzt wieder vereinigt. Und, wenn alles so glatt gegangen wäre, wie es die erste Euphorie versprach zwischen der Mauer-Öffnung und der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990, dann wäre es wirklich jedes Jahr auch außerhalb eines runden Jubiläums ein Datum der gemeinsamen Deutschland-weiten Freude, und kein etwas krampfiges, von oben verordnetes Fest in zumindest einem der Bundesländer.
Leider fühlt es sich für viele aber so an, als ob das Fremdeln zwischen Ost und West noch nie so stark war, wie aktuell. Leider auch, und das interessiert uns an dieser Stelle ja besonders, im Tourismus. War man in den frühen 90er Jahren noch voller Hoffnung, dass all die Neuen Bundesländer mit ihren wirklichen landschaftlichen Schönheiten und der Weite als Urlaubsdestination par excellence würden punkten können (vielleicht nicht ganz freiwillig, da die nicht konkurrenzfähige produzierende Industrie ja weitgehend abgewickelt wurde), konstatieren heute in vielen Landstrichen die Touristiker eine gewisse Ernüchterung. Ja klar, es gibt die nach wie vor beliebte Ostsee-Küste. Die ist ein Selbstläufer, und brachte sogar die Erfolgs-verwöhnten Bayern in der Beliebtheitsskala der deutschen Urlaubsdestinationen zur Schnapp-Atmung. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass abseits der Leuchtturm-Regionen bereits 20 Kilometer landeinwärts und entfernt von den wenigen landschaftlichen oder kulturellen Highlights die Besucher immer noch weitgehend – aus touristischer Erwartungshaltung heraus – eine Service-Öde empfängt. Da ist viel Schwung aus der Anfangszeit verloren gegangen, und man hat sich innerlich wohl damit arrangiert, dass Besucher wenn, dann vor allem aus der Region kommen, und nicht von weit her. Mehr noch: Es gibt Landstriche außerhalb der Ballungsräume, die – man muss es leider klar sagen – mittlerweile Besuchern das Gefühl vermitteln, rechtsextremes Gedankengut sei salonfähig auf offener Strasse. So etwas wirkt logischerweise abschreckend auf Urlauber.
Tourismus im Osten Deutschlands ist also leider nicht die Erfolgsstory, die man sich erhofft hat. Und damit auch kein dankbares Objekt für die, die professionell darüber berichten könnten. Vor allem also Menschen, die – da einheimisch – sich am besten auskennen vor Ort und wunderbare Geschichten entwickeln könnten.
Und trotzdem haben die Reisejournalistinnen und Journalisten aus der früheren DDR in diesem Herbst ein Datum, das sie aus Herzen feiern wollen. Etwas später als das offizielle Datum, am Samstag, 29. November 2025 ab 17 Uhr in der Bulgarischen Botschaft in Berlin, werden die 35 Jahre nach der Wiedervereinigung wirklich bejubelt: denn so lange existiert dann auch die Reisejournalisten-Vereinigung CTOUR, die sich aus den DDR-Berufszwängen mit der Gründung Ende November 1990 befreien wollte..
Am Anfang war der in Berlin von DDR-Journalist*innen gegründete weitestgehend regionale Club tatsächlich geradezu ein Selbstläufer. Endlich Reisefreiheit. Endlich Artikel aus aller Welt schreiben können, die nicht vor Veröffentlichung mit vielen „helfenden Hinweisen“ von oben auf Staatslinie gebracht wurden. Denn Reise zu DDR Zeiten durfte natürlich nicht zu träumerisch-verführerisch beschrieben werden, um keinen Kontrast zur Misswirtschaft des eigenen Landes herauszuarbeiten. Da waren schon „saftig-aromatische Tomaten“ in Bulgarien ein Grund zur Zensur.
Und auch die westlich dominierte Reise-Industrie war voller Wohlwollen gegenüber dem neuen Club. Seine Mitglieder brachten die frohe Kunde der weiten Welt schließlich – selbst permanent begeistert von der neuen Erfahrung – flächendeckend in die Neuen Bundesländer, wo man einen unheimlich hohen Reise-Nachholbedarf hatte. Win-Win.
Ehrenpräsidenten unter sich… (li) Jürgen Drensek, VDRJ, Produzent von WAS MIT REISEN, (re) Hans-Peter Gaul, CTOUR
Ich bin ja „von der anderen Seite“… Seit vielen Jahrzehnten im Vorstand der traditionellen bundesweiten Vereinigung der Deutschen Reisejournalisten (VDRJ), ein Jahrzehnt deren Vorsitzender und und jetzt Ehrenpräsident. Ich habe natürlich auch die Konflikte mitbekommen. Gerade am Anfang, als West-Journalisten sich schon ihren Ost-Kolleginnen gegenüber in der Berufsauffassung sehr überlegen fühlten. Und nicht selten ziemlich arrogant mit ihrer Weltgewandtheit kokettierten, die doch nötig sei, um authentisch berichten zu können. Es waren aus heutigem zeitlichen Abstand gesehen unnötige Hahnenkämpfe. Jeder hatte seine medialen Kunden mit ihren individuellen Ansprüchen. Und vielleicht war es so, dass der West-Leser eher das fein geschliffene, etwas philosophische Essay über eine wandernde Selbstfindung in den Bergen goutierte, während der Ost-Konsument sich mehr über handfeste Service-Ratgeber freute, wie man in Palma zur Kathedrale kommt und wo es einen günstigen Kaffee gibt… Der Köder muss schließlich dem Fisch schmecken, und nicht dem Angler.
Nun, über die Jahrzehnte hinweg hat sich aus dem anfänglichen Fremdeln zwischen CTOUR und VDRJ ein freundliches Nebeneinander entwickelt. Den Umständen war es geschuldet. Denn die Goldenen Jahre im Tourismus und seinem Verhältnis generell gegenüber dem Journalismus sind vorbei. Zusätzlich zum Druck von Seiten der Medien, die entweder gar nicht mehr existieren (und damit kein Ort mehr sind, um journalistische Arbeiten überhaupt zu veröffentlichen), oder deren Honorarangebote mittlerweile ins absolut Unanständige abgestürzt sind. Alle Journalisten kämpfen also mit denselben Problemen. Das schweisst irgendwie zusammen.
Ich, als Ehrenpräsident der „großen“ bundesweit agierenden VDJR, lebe und arbeite nun in Berlin. Nach wie vor dem Stammsitz von CTOUR, dessen Mitglieder bis heute weitestgehend aus Berlin und weit um Berlin herum kommen. So hat sich im Laufe der Jahre ein vertrauensvolles Verhältnis bei vielen Treffen ergeben. Und nach wie vor bin ich etwas neidisch, wie gut bei CTOUR der soziale Aspekt, nämlich das Vereinsleben mit realen Treffen funktioniert.
Vor allem mit Hans-Peter Gaul, dem Spiritus Rector und unermüdlichem Organisator aller Aktivitäten von CTOUR hat sich mit der Zeit eine wirkliche berufliche Freundschaft entwickelt. Nur durch Zuhören lernt man, Dinge besser einordnen zu können und Lebensläufe zu würdigen, die aus meiner westlichen Sozialisierung und beruflichen Prägung zunächst fremd und wenig attraktiv erschienen.
Und so habe ich mich gefreut, dass Hans-Peter Gaul – mittlerweile auch Ehrenpräsident – nun zusagte, sich mit mir für den „Was mit Reisen“ Podcast, das erste Reiseradio in Deutschland, zu treffen und über die Vergangenheit zu plaudern, aus der heraus dann sein „Baby“ CTOUR entstehen konnte. Es wurde eine sehr interessante, journalistische Geschichtsstunde.
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Der Beitrag Reise-Journalismus in der DDR <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Hans-Peter Gaul über 35 Jahre CTOUR Entwicklung danach</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
Nach dem Sturm im Wasserglas nach der ZDF Insider Doku über die TUI hoffe ich einfach mal, dass man mir es abnimmt, Insider zu sein nach über 40 Jahren Reise-Fach-Journalismus – auch, wenn ich keinen falschen Bart trage oder eine mottige Perücke…
Ich nehme als These bewusst diese eigentlich wirklich harmlose ZDF Sendung, weil sie aktuell so deutlich macht, wie Kritikunfähig die Branche geworden ist. OK, wir sind uns einig: das war kein Pulitzer-Preis-verdächtiger Journalismus. Dazu noch etwas reisserisch aufgemotzt. Wichtig ist nur: da war bis auf Nuancen nichts drin, das das Etikett „falsche Anschuldigungen“ rechtfertigen würde. Jeder, der im Tourismus arbeitet, weiss, dass alle gemachten Vorwürfe im Kern stimmen. Von daher kann sich eigentlich nur die TUI grämen, dass sie stellvertretend zum Watschen-August gemacht wurde. Als Marktführer sollte man so etwas aushalten.
Was aber folgte, vor allem auf der Webseite der fvw, das hat mich schon umgehauen. Mit welchem Hass auf Medien da teilweise gekübelt wurde – Lumpenjournalismus, Schmierentheater, Gebühren Missbrauch, Journalisten-Bestrafung… Selbst die TUI gerierte sich als beleidigte Leberwurst und raunte etwas von angeblichen Insidern, die für ihre Aussagen honoriert worden seien. Was natürlich Quatsch ist, wie das ZDF mittlerweile klargestellt hat. Und dann gab es im Pressetext der TUI die „richtigen Antworten“ – die in der Regel aber nichts anderes waren, als PR-Geschwurbel ohne Fakten-Basis.
Bei der fvw gab es eine Umfrage. Und nur etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer war der Ansicht, so etwas müsse sich die Reisebranche gefallen lassen. Die andere Hälfte fand es ganz unmöglich, obwohl sie fachlich wissen, dass die Vorwürfe nicht aus der Luft gegriffen waren.
Wie kann es sein, dass das weltweit führende Kreuzfahrt-Unternehmen Carnival auf eine berechtigte Video-Kritik von zwei britischen Cruise-Vloggern nicht souverän reagiert mit dem Eingeständnis, dass ihr Produkt einfach zum Zeitpunkt der Aufnahmen schlecht war (und sich bei den Kunden entschuldigt)… – sondern vielmehr lapidar ohne weitere Erläuterung die beiden Überbringer der schlechten Nachricht fünf Jahre von sämtlichen Schiffen der gesamten Gruppe verbannen will?!
Mittlerweile merkt man auch bei Carnival, dass man mit dieser Strafaktion mächtig ins Klo (offenbar eben sehr ungereinigt auf manchen Schiffen) gegriffen hat, und versucht nach massivem Protest Schadensbegrenzung. Wie kann es so weit kommen? Der Versuch eines Rückfalls in finstere Zensur-Zeiten, weil Trump und Co es schließlich vormachen, wie man mit den „Feinden des Volkes“ umzugehen hat?
Das war mein Ansatz, als mich Michael Buller bat, bei den VIR Innovationstagen in einem Journalistenpanel den Blick von außen auf die Branche zu wagen: ist das gerechtfertigt, dass Touristiker sich benehmen, wie eine hysterische Diva, sobald es eine negative Kritik gibt? Und warum ist die Branche der Profi-Gastgeber so unentspannt geworden?
Zusammen mit den beiden Kollegen Tom Nebe von der dpa und Mauritius Kloft von t-online stelle ich mich den Fragen von Roman Borch, der unsere Podiumsdiskussion auch gleich für seinen travelholics Podcast live vor Publikum aufgezeichnet hat.
Um den Podcast zu hören, bitte auf das KOPFHÖRER Symbol oben im Foto klicken.
Der Beitrag Tourismus mag keine Kritik? <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Travelholics Podcast mit mir auf den VIR Innovationstagen 2025</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
https://wasmitreisen.com/wp-content/uploads/2020/03/Reiseradio-mit-Michael-Mueller-final-20230216.mp3
Ein Gespräch mit Michael Müller. Beim Namen allein klingeln jetzt bei Ihnen vielleicht noch nicht die Erkenntnisse. Aber wenn ich dazu sage: ich unterhalte mich mit dem Reisebuch-Verleger Michael Müller, dann ist das sicher ganz anders.
Seit 1977 gibt es seine Reiseführer, die für viele, die individuell unterwegs sein wollen, so etwas, wie die Backpacker Bibeln sind. Das erste Büchlein, das Michael Müller über sein geliebtes Portugal schrieb, wurde noch auf einer Kugelkopf-Schreibmaschine getippt und hatte selbst gemalte Karten drin zur Orientierung.
Davon sind die Reiseführer heute, mittlerweile über 250, natürlich Universen entfernt. Und sie bieten Information und Inspiration auch für diejenigen, die pauschal an einen Urlaubsort gelangen. Aber dort mehr entdecken möchten, als die All-Inklusive Ferienanlage am Strand.
Die Mitglieder der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten VDRJ haben bei Ihrer letzten Hauptversammlung in geheimer Abstimmung entschieden, Michael Müller für sein Lebenswerk, aber auch für seine Neugierde, neue digitale Formen für zukunftsfähige Reiseführer zu entwickeln, den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den Tourismus anzutragen.
Reisebuch-Verleger Michael Müller (li) mit VDRJ-Ehrenpräsident Jürgen Drensek – Foto © Marina Noble
Bei der Preisverleihung in Erlangen, am Sitz des Verlages, hatte ich Gelegenheit, mit dem rührigen Verleger dieses Gespräch für das Reiseradio zu führen.
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Hintergrund zum Ehrenpreisträger Michael Müller
Laudatio von Marina Noble auf Michael Müller
Der Beitrag Ich muss zuversichtlich bleiben <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Michael Müller über Zukunft der Reiseführer</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
Die beruhigendste Vision für die Reisebranche kam auf dem Hauptstadt-Kongress des DRV ausgerechnet von Wirtschaftsminister Robert Habeck. Er sei sich sicher: immer mehr Deutsche würden in Zukunft reisen. Hört sich erst mal harmlos an. Was man eben so an Nettigkeiten sagt, wenn man auf einem Branchentreffen spricht.
Aber mit so einer Aussage müsste der Vize-Kanzler sicher derzeit bei etlichen anderen Branchen vorsichtig sein. Immer mehr Menschen werden in Zukunft deutsche Autos kaufen? Eher nein. Immer mehr Menschen werden in Zukunft hochpräzise, mechanische deutsche Industriegüter erwerben..? No! Zahnräder und Co haben den Zenit des Sexy-seins schon längst überschritten… So, wie fast alles, was in heimischen Fabriken leider zu hohen Preisen gefertigt werden muss.
Die Wirtschaft der Zukunft wird sich auch in Deutschland immer mehr verschieben vom Blaumann und dem Schraubenschlüssel, hin zur Dienstleistung. Und Tourismus ist in Deutschland nun mal die Dienstleistungs-Branche schlechthin; auch bei der Zahl der Beschäftigten.
Für Habeck ist das Reisen eine gewünschte politische Kraft. Nicht nur eine Kraft-Quelle. Ohne Reisen sei eine moderne Welt für ihn nicht mehr vorstellbar. Das Reisen sei geradezu der Gegenentwurf zu Krieg, kulturellem Missverständnis und aggressiven Vorurteilen.
Und doch findet diese organisierte Landverschickung nicht in einer vor der realen Welt schützenden Blase statt. Die Reise-Industrie wird seit Jahren extrem gebeutelt durch äußere Einflüsse. Waffen-Konflikte, Terrorismus, Klima-Katastrophen, Pandemien und – selbst verursacht – Over-Tourism, der die Freude vor Ort verdirbt.
Und mehr noch. Sie sieht ihr Geschäftsmodell permanent missverstanden in der bürokratischen Regulierungswut seitens Brüssel. Stichwort: Fragwürdige Überarbeitung der Pauschalreise-Richtlinie, gewollte Ausdehnung des kompletten Verbraucher-Schutzes auch auf Einzel-Leistungen, hemmende, nicht effektive Verordnungen und Gebühren-Belastungen, die die Wettbewerbsfähigkeit angreifen gegenüber Playern aus den nicht-europäischen Ausland.
Das ist die aktuelle Gemengelage. Ja, man ist selbst erstaunt darüber, dass die Menschen in einem Maße Urlaub machen, wie man es sich vor einem Jahr nicht erhoffen wollte angesichts der prognostizierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen. Rahmen-Bedingungen. Der unbedingte Reisewunsch scheint einfach in der DNA der Deutschen zu liegen.
Aber ist er resilient, wenn die Gesamt-Situation sich weiter eher negativ entwickelt? Da ist auch Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reise Verbandes, eher vorsichtig zurückhaltend. Mit ihm unterhielt ich mich am Rande des Kongresses in Berlin.
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Der Beitrag Pauschal gesagt: gute Reise <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Interview mit DRV-Präsident Norbert Fiebig</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
Ich muss zugeben, ich hatte schon ein mulmiges Gefühl bei der Vorbereitung dieses Reiseradio-Podcasts. Ein Gespräch mit einem Kollegen über die empfundene Qualität des Reisejournalismus ist ja eh eine heikle Angelegenheit. Denn wer ist schon selbst frei von Fehlern? Aber bei Christoph Ammann, meinem Gesprächspartner aus der Schweiz, kommt noch ein Faktor hinzu, der geradezu unglaublich klingt: Christoph verlor 2011 sein Augenlicht, und ist seitdem ein blinder Reisejournalist. Geht das überhaupt?
Wie sollen wir für unsere Leser, Hörer oder Zuschauer die Welt entdecken, als Vor-Reiser, als kompetente Berater und seriöse Reisebegleiter, wenn wir sie nicht sehen, sondern uns auf unsere anderen Sinne beschränken müssen?
Für mich als hauptberuflichen Filmer natürlich eine unmögliche Vorstellung. Eine solche Diagnose hätte bei mir zwangsläufig das berufliche Ende bedeutet. Aber je mehr ich mich mit der Situation auseinander setzte – was würde ich denn als schreibender Journalist tun? – desto mehr Chancen erkannte ich für spannende Zeilen.
Wir können uns zum Beispiel an Gerüche viel länger und viel intensiver erinnern, als an jedes Bild. Wie würde ich einen Markt in Indien mit all seinen Düften und dem Geschnatter drumherum beschreiben? Und würde das nicht viel intensiver, als das Formulieren der visuellen Wuseligkeit? Was passiert mit uns an der Küste, an einem Hafen? Salzluft, Tang, Algen, die Brandung im Sturm, die das Gesicht kribbeln lässt? Und schnell merkte ich, dass das, was zunächst als ein Ding der Unmöglichkeit scheint, als Reisejournalist blind zu sein, auch zu ganz intensiven Erlebnissen für meine Leser führen könnte.
Mal abgesehen davon, dass Reisejournalismus ja viel mehr Facetten hat, als „nur“ die Beschreibung einer Destination. So, wie ich in meinem Reiseradio der Fachjournalist bin in den Gesprächen mit den Movern & Shakern der Touristik, kann man die touristische Welt auch wunderbar durch Begegnungen mit Menschen und ihren Geschichten erzählen.
Also verwandelte sich die Mulmigkeit vor dem Gespräch mit Christoph, mit meinen Fragen vielleicht mühsam unterdrückte Wunden aufzureissen, in neugierige Erwartung.
Ehrenpreis-Träger Christoph Ammann im Gespräch mit VDRJ-Ehrenpräsident Jürgen Drensek (Foto © Marina Noble)
Und warum das Gespräch ausgerechnet jetzt, wo die Erblindung doch bereits 2011 erfolgte? Die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten, VDRJ, deren Ehrenpräsident ich sein darf, wählt jedes Jahr in einer geheimen Abstimmung eine Persönlichkeit, der der Columbus Ehrenpreis für herausragende Leistungen im Tourismus verliehen wird. In der Regel sind es bedeutende Touristiker*innen, die in den vergangenen Jahrzehnten Großes geleistet haben für die Reisefreiheit.
Dieses Jahr wollten die Mitglieder der VDRJ aber ein Zeichen setzen, vor dem Hintergrund des Sterbens so vieler Print-Reiseredaktionen, dass es eben auch bei allen neuen Buchungswegen und dem vermeintlich grenzenlosen Informationsangebot in der Vorbereitung einer Reise wichtiger ist, denn je, dass die Reisenden verlässliche, professionelle, journalistisch-fundiierte Einordnungen und Inspirationen erhalten können. Noch nie war das, angesichts all der Pseudo-Information und Instagramisierung der Urlaubswelt – aka Schleichwerbung – in den Sozialen Medien so wertvoll wie heute.
https://wasmitreisen.com/wp-content/uploads/2020/03/Christoph-Ammann-VDRJ-Ehrenpreistraeger-2024-Reiseradio-Podcast.mp3Begründung der Verleihung des VDRJ Ehrenpreises 2024
Interview von Marina Noble mit dem Preisträger
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Der Beitrag Blind sehend durch die Welt <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>VDRJ-Ehrenpreis an Reise-Journalist Ammann</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
https://wasmitreisen.com/wp-content/uploads/2020/03/Was-mit-Reisen-Reiseradio-Interview-Norbert-Fiebig-DRV-20231012.mp3
Wer Verbandsarbeit macht an vorderster Front, kennt das leicht schizophrene Gefühl: auf der einen Seite erfordert Lobbyismus, das Jammern über die Zustände zu perfektionieren. Denn only bad news are good news, um in die Medien zu kommen. Auf der anderen Seite dürsten die eigenen Mitglieder nach Seelen-Massage, dass sie doch einen hervorragenden Job machen – weswegen die Branche auch so erfolgreich sei.
So musste auch Norbert Fiebig auf dem Hauptstadt-Kongress des DRV lavieren zwischen Erfolgsmeldungen (Rekord-Ergebnis beim Umsatz, Beweis der Krisen-Kompetenz vor allem zugunsten der Pauschalreisenden) und Kassandra Rufen beim Blick in die Zukunft.
Es ist nicht leicht mit Prognosen. Ja, es scheint so, als sei die Reiselust der Deutschen grenzenlos und nicht kaputt zu bekommen. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass sich immer mehr Deutsche den Urlaub nicht mehr leisten können. 16 Prozent Rückgang bei den Pax-Zahlen; das ist schon dramatisch. Hat die Demokratisierung des Urlaubs ein Ende gefunden? Die Situation, dass die Industrie es ermöglicht hat jahrzehntelang, dass durch gute Preis-Verhandlungen nahezu jeder sich Reisen erlauben konnte?
Unabhängig vom erstaunlich hohen Nachholbedarf nach Urlaub in diesem Sommer, der so gute Umsatz-Zahlen generierte, aber eingedenk der Tatsache, dass viele Familien derzeit mit einem monatlichen Kaufkraft-Verlust von bis zu 500€ konfrontiert sind, wäre es leichtsinnig, auf ein „weiter-so“ zu vertrauen, dass die Reisebranche auch künftig nur einen Weg kennt: Jahr für Jahr neue Rekorde.
70 Prozent der Deutschen haben sich angeblich einer Umfrage zufolge vom Mantra verabschiedet, dass – egal, was auf der Welt passiert – Deutschland am Ende gestärkt daraus hervor geht. Und weitere statistische Zahlen untermauern diesen Pessimismus: schon bald werden jedes Jahr doppelt so viele ältere Menschen aus dem Arbeitsleben ausscheiden, wie junge in den Berufsstand eintreten. Kurzfristig mag das noch schön sein für die Reisebranche. Denn die fidelen Alten aus der Babyboomer Zeit haben dann viel Zeit (und Geld) für Urlaub. Aber irgendeiner muss es bezahlen. Vor allem vor dem Hintergrund, dass unsere Lebenserwartung (und damit auch Rentenzeit) jeden Tag um rund sechs Stunden anwächst…
Bereits heute sollen 2,4 Millionen Deutsche zwischen 18 und 34 keinen Berufsabschluss haben; Hunderttausende unter 25jährige beziehen Bürgergeld. Das sind alarmierende Zahlen für eine Branche, die schließlich nichts Werterhaltenes produziert, sondern nur wenig nachhaltige Träume verkauft, die man sich, wenn man kann, on-top vielleicht leisten möchte…

Bewegte Zeiten also. Und nach wie vor leidet die touristische Industrie darunter, dass sie trotz aller warmen Grussworte auf Tagungen wie dieser von der Politik nicht so recht ernstgenommen wird. In Deutschland wird grosszügigst Standort Politik gemacht mit Milliarden Subventionen, die sich nie auszahlen werden. Aber die Touristik sieht sich stattdessen eher permanent in einer Abwehr-Situation, wohlfeilen Verbraucher-Schutz (der von der Politik gerne unterstützt wird, weil er den Staat nix kostet) auf Machbarkeit zu hinterfragen.
Kann es nur dazu kommen, weil die Branche angeblich aus Politiker-Sicht nicht Kampagnenfähig sei, da so kleinteilig durch Partikular-Interessen gelähmt und kakophonisch auftretend? Würde man mehr erreichen mit nur einer kraftvollen Stimme eines neuen „Super-Verbandes“, die für alle spricht? Ein solcher Vorschlag wurde in den Tagen vor dem DRV Hauptstadt-Kongress von der VUSR-Vorsitzenden Marija Linnhoff lanciert. Hört sich oberflächlich betrachtet charmant an; eine solche Alleinstellung in der Positionierung zu allen Herausforderungen der Branche ist aber schlicht undenkbar. Dafür ist die Touristik zu komplex und die Interessenslagen der Player zu uneins.
Da müssen viele unterschiedliche Bretter gebohrt werden. Welche? Darüber unterhalte ich mich im Reiseradio-Podcast mit DRV Präsident Norbert Fiebig.
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Der Beitrag Fiebig fordert Preis-Disziplin <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>Immer mehr können sich keinen Urlaub mehr leisten</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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Es ist nun nicht gerade vergleichbar mit einem Highlight Apple Event, wenn die Reiseveranstalter in der Regel zweimal im Jahr zur Pressekonferenz bitten mit der Programmvorstellung der jeweils kommenden Saison. Die Zeiten sind schon lange vorbei, und nur so alte Wegbegleiter der Touristik, wie ich, werden sich erinnern, dass bei solchen PKs kleine Überraschungsbomben gezündet wurden und tatsächliche Innovationen für die Reisekundschaft im Manuskript standen. Nein, die meisten Programm-PKs sind heute geprägt vom – manchmal etwas gezwungen wirkenden – Versuch, „business as usual“ zu kommunizieren.
Da macht der Marktführer TUI keine Ausnahme. Da wurde kräftig der touristische Globus gedreht mit unzähligen Details, welche neuen oder runderneuerten Hotels es gibt, welche Exkursionen angeboten werden und wie die Rangliste der Zielgebiete in der fast abgelaufenen Saison denn war. (Wer das alles wissen möchte, dem empfehle ich die Lektüre der Fach-Postillen fvw oder Touristik Aktuell)
Bei der TUI Deutschland gibt es sogar noch ein bisschen weniger wirtschaftliche Hard-Facts, weil das Unternehmen Börsen-notiert ist und jede Einlassung vor der offiziellen AG-Stellungnahme am Ende der Saison als Manipulation des Aktienmarktes bös-gedeutet werden könnte.
Also haben es die Fachjournalisten im Publikum zum Spiel gemacht, die emotionale Körpersprache des Managements zu deuten. Wie entspannt treten sie auf, mit welcher Leichtigkeit oder eben auch nicht? Sind sie in Plauderlaune oder kleben ängstlich an einem von der Pressestelle unbedenklich rundgeschliffenen Manuskript? Lassen sie sich bei Fragen ein bisschen aus der Reserve locken, oder werden sie leicht schmallippig? Man kommt sich ein bisschen vor, wie ein TUI Flüsterer 
Meine vermuteten Erkenntnisgewinne heute: das Tal der Tränen ist durchschritten, nach diesem Sommer ist man wieder auf der richtigen Spur und findet sein Selbstvertrauen zurück nach Jahren des permanenten Krisen-Modus.
Selbst dieser Chaos Sommer mit Wetterkapriolen, die für jeden Touristiker eine Zumutung waren, und der zum Beispiel bei den Bränden im Süden auf Rhodos zeigte, wie schnell die touristische Industrie reagieren kann, wenn es sein muss, zum Wohl ihrer Gäste, wurde routiniert abgearbeitet. Ja, war herausfordernd, aber hat die Bilanz nicht erschüttert.
Die Menschen reisen, trotz aller finanziellen Herausforderungen, aber noch nicht so selbstverständlich, wie 2019. Außer im Luxussegment wird gespart. Kurz, man sieht sich auf einem achtbaren Weg, der aber noch wirtschaftlich entfernt ist von dem Moment, wo auch die Börsianer jubeln.
Aber weil eine gewisse Grundentspannung in der Luft lag, konnte ich mir nach der PK auch den CEO der TUI Deutschland, Stefan Baumert, schnappen für ein Tiefen-Gespräch, bei dem er nicht alle Schlüsselaussagen krampfhaft in 45 Sekunden pressen muss, weil das so die Länge eines O-Tons in einem gebauten Radiobeitrag wäre… 
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Der Beitrag Reise-Sommer wieder auf Spur <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>TUI-CEO Stefan Baumert entspannt</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.
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Gerade passiert. Unverhoffte Erbschaft in der Familie. Ein etwas desolater Ex-Bauernhof mitten auf dem platten Land, mitten in Mecklenburg Vorpommern. Die Kreisstadt ist 10 Kilometer entfernt. Der Ort hat zirka 600 Einwohner. Erste Ortsbesichtigung: es gibt zwar sogar eine Kirche, aber sonst nur DDR-typische Häuschen drumherum gruppiert. Kein Laden, kein Gasthaus. Vor allem kein Gasthaus. Keine Seele mehr in diesem Ort. Will man dort vielleicht ein Zweitdomizil einrichten? Wir diskutieren noch, aber die Tendenz ist eindeutig: nein
Obwohl die Gegend schön ist. Etwas nordöstlich der Touristenregion Müritzer Seenlandschaft. Und andere Dörfer nicht weit entfernt haben es, die Eisdiele, das kleine Café oder sogar ein Gasthaus für den kleinen Hunger.
Und an diesem persönlichen Beispiel erkennt man schön, dass die Überschrift kein Click-Baiting ist. Ohne Gastronomie ist die Lebensqualität extrem eingeschränkt. Gerade im ländlichen Raum, wo man nicht, wie in der Berliner Innenstadt, im Umkreis von 500 Metern eine dutzendfache Auswahl hätte.
Und wenn es dann noch so eine strukturschwache Gegend ist, wie diese in Mecklenburg Vorpommern abseits der touristischen Leuchttürme, dann ahnt man, dass hier das Henne-Ei Paradoxon zu einem schlechten Ende führt: Kein Gasthof, kein Leben, kein Leben, kein Gasthof.
Nun hängt der deutschen Hotellerie und Gastronomie seit Jahren ein kleiner politischer Hautgout nach, dass da eine Möwe lobbiierend herumgepickt habe und sie deshalb von der FDP ein Steuergeschenk bekam: die reduzierte 7% Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen. Ein politisches Quid-pro-quo gewissermaßen – und entsprechend auch argwöhnisch beschaut.
Doch auch der Gastronomie kam man dann ganz pragmatisch und ohne Parteispende in Pandemie-Zeiten gleichermaßen zu Hilfe. Aber nun möchten Haushalts-Politiker dieses 12-Prozent-„Geschenk“ Ende des Jahres endgültig auslaufen lassen. Dagegen kämpft der DEHOGA Bundesverband. Muss er ja auch als Lobby-Vereinigung, und wer gibt schon gerne „Geschenke“ wieder zurück?
Dennoch: Hier scheint die Subventionierung der Gastronomie mehr zu sein, als eine steuerliche Mindereinnahme. Eine Rückkehr zu 19 % Mehrwertsteuer auf Restaurant-Essen macht gesellschaftlich keinen Sinn. Erstens, weil Lebensmittel, Fertig-Gerichte im Supermarkt, Take-Away und Lieferdienste nach wie vor mit 7% Steuer bewertet werden, aber auch, weil die Folge eines unausweichlichen Preisanstiegs bei gastronomischen Leistungen unweigerlich zu weniger Gästen mit weniger Ausgaben – ergo, weniger Einnahmen und weniger Steuern – führen dürfte; ganz abgesehen davon, dass der DEHOGA jetzt schon prognostiziert, dass ein Zurück zu den 19% auf Essen zu einer Schließung von sicher 12.000 Betrieben führen dürfte. (Recap: während der Pandemie machten schon 36.000 zu, weil sie keine wirtschaftliche Zukunft mehr hatten.)
Es geht also nicht um die Alimentierung einer prosperierenden Industrie, oder um eine staatliche Hilfe für Unternehmen, die sich durch Management-Fehler verzockt haben und nun „too big to fail“ sind. Es geht um Lebensqualität und um Orte für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Um das „öffentliche Wohnzimmer“ in vielen Gemeinden. Auf jeden Fall um so wichtige Bereiche, dass es kein rein haushaltspolitisches Problem mehr ist.
Und dieses Mal hat das Gastgewerbe sogar die Bevölkerung klar hinter sich, wenn es um die Beibehaltung der 7% geht. Über Zweidrittel der Deutschen will das so. Nicht nur, weil Steuern ja grundsätzlich uncool sind. Die meisten haben begriffen, dass es bei den Restaurants, Bistros und Gasthäusern um Orte geht, die maßgeblich über die Lebens-Zufriedenheit bestimmen.
Darüber unterhalte ich mich mit dem Präsidenten des DEHOGA Bundesverbandes, dem Hotelier und Gastgeber Guido Zöllick.
DEHOGA Umfrage zur geplanten Mehrwertsteuer-Erhöhung
DEHOGA-Charts: Bilanz und Ausblick unter den Betrieben 2023
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Der Beitrag Ohne Gastro stirbt das Leben <br><span style='letter-spacing:0; text-transform:none; color:#FF1535; font-size:0.7em;'>DEHOGA-Chef Zöllick im Gespräch</span> erschien zuerst auf Was mit Reisen.