Foto – nSonic

Boris Nienke

Von Blende und Belichtungszeit über Festbrennweite, Zoom, Blickwinkel und Filter bis hin zur Komposition und Bildbearbeitung

  • nSonic #235 – Foto – Vignette 4

    Im ersten Teil sahen wir uns die natürliche Vignette an und korrigierten bzw. verstärkten sie mit Lightroom. Wie so etwas bei zugeschnittenen Bildern funktioniert zeigte der zweite Teil dieser Serie. Im dritten Teil schließlich erzeugten wir sehr viel flexiblere Vignetten mit Verlauf und Pinsel.

    In diesem vierten Teil verlassen wir nun Lightroom und wenden uns Photoshop zu um Vignetten zu zaubern, die sich auch nachträglich noch verschieben lassen. Das Prinzip sollte sich aber auch mit anderen Programmen umsetzen lassen wenn es Ebenen und Masken unterstützt.

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    19 February 2011, 3:30 pm
  • nSonic #234 – Foto – Vignette 3

    Im ersten Teil ging es um die natürliche Vignette und darum, wie man sie mit Lightroom entfernen oder verstärken kann. Da dies bei zugeschnittenen Bildern nicht wirklich funktioniert, beschäftigte sich der zweite Teil dieser Serie mit der “Post-Crop-Vignette” und deren Einstellungen.

    All diese Vignetten-Funktionen gehen aber davon aus, dass sich das Hauptmotiv in der Bildmitte befindet. Möchte man die Vignette nutzen um den Blick des Betrachters zu lenken, dann kommt man bei außermittigen Motiven mit den Standardfunktionen nicht weiter.

    In diesem dritten Teil möchte ich zeigen, wie Ihr Euch mit Lightroom eine eigene Vignette bauen könnt die nicht zur Bildmitte zeigen muss. Verlaufsfilter und Pinsel sind hier die Mittel der Wahl.

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    13 February 2011, 6:38 pm
  • nSonic #233 – Foto – Vignette 2

    Im ersten Teil ging es um die natürliche Vignette und darum, wie man sie mit Lightroom entfernen oder verstärken kann.

    Bei zugeschnittenen Bildern klappte das nicht. Wie man in diesem Fall mit Lightroom schöne Vignetten hinzufügen kann und welche Parameter es dabei so gibt, darum geht es in diesem Teil.

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    6 February 2011, 7:00 am
  • nSonic #232 – Foto – Vignette 1

    Anstoß für diese Folge war eine Anfrage die mich per E-Mail erreichte. Ich wurde gefragt, wie ich es anstelle, dass auf vielen meiner Bilder das Hauptmotiv so viel heller hervorsticht als der Rest.
    In vielen Fällen erreiche ich das mit einer Vignette – ich mag Vignetten smile

    In dieser Folge geht es um die natürliche Vignette, warum sie auftritt und warum sie nicht mit jeder Kamera gleichermaßen zu sehen ist. Außerdem zeige ich, wie man die Vignette mit Lightroom abstellen und auch verstärken kann.

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    29 January 2011, 9:37 pm
  • Fotoworkflow – RAW aufheben oder löschen?


    Also ich weiß nicht… sicher, Platz ist Platz – Aber der ist doch auch zum nutzen da?
    Wenn ich dann lese und höre: “Wieder 10 GB Platz gewonnen”, dann rechne ich mal kurz: Bei einer aktuellen 2TB Platte sind das nicht mal 0,5% der Gesamtkapazität. Dafür hat man dann aber einen großen Schwung Negative weg geworfen und nur die Abzüge behalten. Ist es das wert?

    Spart man wirklich so viel oder verliert man mehr als man spart?
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    Erinnerungen

    Mein Vater hat vor einiger Zeit einen ganzen Schrank Dias weg geworfen. “Uralte” Fotos, schlecht gelagert, teils arg beschädigt. Außerdem brauchte er den Platz und die Bilder guckt sich ja eh keiner mehr an (was in dem Zustand auch nicht mehr gegangen wäre). Ja, klang mal nachvollziehbar. Inzwischen hätte ich aber passende Scanner- oder Repro-Techniken um die Dias (wenigstens einen Teil davon) digital zu retten/restaurieren und meine Schwestern würden sich freuen, ihre Eltern zu Jugendzeiten zu sehen… gibt’s nicht mehr. Ist jetzt alles weg. Bis auf die wenigen Bilder die es noch als Abzüge in den Alben gibt.

    An die Zukunft denken

    Will sagen: Ich maße mir doch HEUTE nicht an zu entscheiden, ob ich ein RAW nie wieder benötigen werde. Ich habe schon alte RAWs in neuen RAW-Entwicklern bearbeitet und war froh, dass ich das tun konnte. Neue Möglichkeiten. Wer weiß, was da später möglich sein wird? Vielleicht möchten meine Schwestern in 10 Jahren mal meine alten Fotos selber bearbeiten oder mit dann neuen Techniken nutzen/betrachten/wasauchimmer – dann wollen die vielleicht mehr als den 800x600px JPG-Abzug der dann auf jedem Armband viel zu niedrig aufgelöst rüber kommt?!

    Meine Vorgehensweise

    Ich bearbeite meine Bilder seit einigen Jahren mit Lightroom. Mein Workflow sieht dabei wie folgt aus:

    • Bilder von Speicherkarte importieren, 1:1 Vorschauen berechnen lassen
    • Durch die Bilder gucken (in Einzelbildansicht) und entscheiden:
      • a) Unscharf, verwackelt, nicht das was ich wollte? Dann tatsächlich zum löschen markieren (X)
      • b) Super! DER Treffer. Sei es durch Schärfe, Motiv, Situation – auf JEDEN Fall behalten UND näher betrachten und ggf. bearbeiten/nutzen. Dann als “Pick” markieren (P)
      • c) Ja, in Ordnung. Motiv, Schärfe, Situation… passt schon. Haut mich nicht aus den Socken, ist aber OK. Dann auf jeden Fall aufheben! Meinungen können sich ändern oder man braucht Füllmaterial für ein Buch, eine Webseite etc. Keine Flagge setzen aber aufheben (U)

    Je nach Situation lösche ich die mit “X” markierten anschließend direkt. Wenn ich zig tausend Fotos von einer Veranstaltung gemacht habe und nach dem Durchgang noch 1000+ Bilder übrig sind, dann ist es mir schlicht egal, wenn ich jetzt ein oder zwei Bilder zu viel lösche. SO gut können die gar nicht gewesen sein, sonst hätte ich die gar nicht erst mit X markiert wink – Also weg damit.
    Bei anderen Situationen (Portraits, Bands,…) wo es weniger Fotos insgesamt sind, da warte ich damit noch ein paar Tage und schaue dann noch mal mit frischem Kopf über die “X” markierten. Ab und an behalte ich dann doch noch ein/zwei Bilder, der Rest fliegt dann aber von der Platte (nur die Xer!)

    Alles andere wird aufgehoben! Auch wenn ein Bild durch PS gegangen ist, dann habe ich halt ein RAW und ein PS.

    Derzeit spielt sich das noch alles auf meiner internen iMac Platte ab (die habe ich inzwischen von 500 GB auf 2 TB aufgerüstet). Zukünftig werde ich darüber nachdenken, eine externe Platte (2+ TB) ausschließlich für die Fotos/Videos anzuschließen oder aber Jahresweise auszulagern (also z.B. aktuelles Jahr und Vorjahr auf der internen Platte für schnellen Zugriff, alles ältere auf eine externe Platte)

    Inzwischen sorgt TimeMachine für ein regelmäßiges Backup der internen Platte auf einen Drobo (4 Platten, RAID-ähnlich), damit nicht die Hardware selbst mal die Bilder löscht wink

    Algebra

    Festplattenplatz ist richtig günstig geworden:

    • 2 Terabyte liegen, zum Zeitpunkt wo ich das hier schreibe, bei um die 100 Euro (teils 80,- und teils 130,-)
    • Die RAW-Dateien meiner alten 5D (Mk1) benötigen etwa 15 MB
    • Es passen also etwa 133.000 Aufnahmen auf so eine Platte.
    • Das macht ca. 75 cent pro 1000 Fotos.

    OK, Bei einer 5D Mk2 sind die Aufnahmen größer, so um die 25 MB. Also etwa 80.000 Aufnahmen und ca. 1,25 Euro pro 1000 Fotos. Von einer Kostenexplosion kann man aber nun nicht sprechen – Auch dann nicht, wenn man die Preise verdoppelt, weil man mindestens eine Kopie als Backup vorhalten sollte.

    Formatwechsel

    Formate von Festplatten – oder Speichermedien generell – und auch Bilddaten werden sich ändern. Das haben sie immer getan. Mal mehr, mal weniger. Früher hatten wir IDE-Platten, heute SATA. Wer viele Daten hat, der muss natürlich auch viel umkopieren oder konvertieren, wenn der nächste große Wechsel ansteht.

    Aber erstens trifft das immer zu, egal ob man die RAW aufgehoben hat oder nicht und zweitens werden die alten Formate und Datenträger nicht von einen tag auf den anderen unbenutzbar. Wenn eine neue Schnittstelle kommt, so wird der alte Computer sicher noch eine Zeit weiter laufen. Wenn es einen neuen Bildformat-Standard gibt, dann wird die alte Software noch weiter funktionieren und evtl. werden neue Programme sogar die alten Formate lesen und konvertieren können. Man kann dann stückweise den Wechsel planen und in kleinen Schritten umsetzen.

    Fazit

    Wie viele Fotos macht Ihr pro Jahr? Wer sein Geld mit den Bildern verdient, der kalkuliert die Preise für Festplatten gleich mit ein. Wer die Fotografie als schönes Hobby betreibt, der wird sehen, dass Festplatten deutlich günstiger als so manches Objektiv sind.

    Lohnt es sich nun wirklich die RAW-Dateien weg zu werfen um Platz zu schaffen? Meiner Meinung nach: Nein.

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    23 January 2011, 11:33 am
  • nSonic #221 – Foto – Lightroom 3 Upgrade

    UPS hat pünktlich geliefert und so konnte ich Lightroom3 als Upgrade installieren.
    Da ich mehrfach gefragt wurde, wie man dabei vorgehen muss, dachte ich mir, ich nehme das ganze mal als Video auf und kommentiere es etwas. Ich hoffe, es hilft Euch etwas und nimmt Euch die Angst vor dem Upgrade.

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    12 June 2010, 8:41 pm
  • Video – Happy Shooting Workshop Berlin 2010

    Hier ein paar Eindrücke vom Happy Shooting Workshop in Berlin 2010.
    Ein großes Lob an alle Teilnehmer: Ihr wart eine super Truppe.

    Infos über weitere Workshops findet Ihr unter happyshooting.de/workshop und hier unter nsonic.de/workshops

    Update: Das Video gibt es jetzt auch in 720p bei vimeo.

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    Musik: “Brother Love” – www.brotherloverocks.com

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    9 June 2010, 7:52 pm
  • nSonic #217 – Foto – Video mit SLR, oder?

    217_foto_video1
    Diesmal mit einer Frage von Benjamin: Wenn es um Video geht, würde ich mich dann eher für eine Canon 7D oder eine Panasonic GH1 entscheiden, und warum?

    Die Frage ist für mich nicht ganz leicht zu beantworten, da ich selbst keine HD-Videokamera besitze. Ich halte aber selbst immer die Augen offen und beobachte die Entwicklung der neuen Technik. Eine Fotokamera mit Video-Funktion kann wohl auch Heute nicht in jedem Fall eine richtige Videokamera ersetzen. Gerade im Consumer-Bereich gibt es gute Videokameras mit denen man sehr schnell und einfach gute Ergebnisse erzielt.

    Irgendwann will man aber vielleicht doch mehr, mit anderen Objektiven, mit weniger Schärfentiefe die Motive besser freistellen etc. Und genau dann, wenn man etwas überlegter arbeiten möchte, kommen die aktuellen Fotokameras ins Spiel.

    Links
    Workshops (Happy Shooting und nSonic) – Neu: Natur&Wild im Wildwald Vosswinkel und ab sofort Einzelanmeldungen beim Foto&Pferd-Workshop möglich.

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    5 April 2010, 11:59 am
  • nSonic #213 – Foto – Blitzen Teil 9

    213_foto_blitz_teil9
    Wegen vieler E-Mail-Anfragen gibt es nun einen 9. Teil zum Thema blitzen.
    Diesmal gehe ich auf die Frage ein, ob ich bei den Canon-Blitzen eher einen 380EX oder einen 430EX für den Einstieg empfehlen würde und warum ich sehr klar zum 430EX rate smile
    Außerdem erzähle ich kurz mit welchen Blitzen ich arbeite.

    Links
    Alle Beiträge und Podcast-Folgen rund um das Thema Blitz

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    29 January 2010, 6:14 pm
  • nSonic #212 – 1 Meter Brennweite

    212_foto_1mbrennweite
    Kennt Ihr dieses Leuchten? Dieses Leuchten in Kinderaugen zu Weihnachten oder an Geburtstagen wenn die kleinen ihr neuestes Spielzeug auspacken? Könnt Ihr Euch noch daran erinnern wie Ihr so klein wart und welch glückliches Kribbeln im Bauch diese Geschenke verursachten? Dieses Grinsen über beide Ohren, die feuchten Augen, das … genau das…
    …ist mir Heute passiert smile

    Ich fotografiere ja sehr gerne und dabei spiele ich auch gerne mit neuem Zubehör und neuen Objektiven. Dabei gibt es zwei Herzen die in meiner Brust schlagen: zum einen der Perfektionist. Für den muss es ein immer besseres Objektiv sein, schneller, schärfer, lichtstärker – Ihr wisst was ich meine… wenn man diesen Teil nicht unter Kontrolle bringt, endet das schnell im finanziellen Ruin.
    Zum anderen ist da das Kind im Manne das gerne in die Extreme geht, immer hart am Rand, scheiß auf Qualität, Hauptsache Spaß dabei. Die älteren unter Euch kennen diesen Typ vielleicht wenn Ihr in den Spiegel schaut, oder habt Ihr Euch früher keine Yps-Hefte gekauft? smile

    Na, jedenfalls wurde dieses Kind in mir heute mit neuem Spielzeug versorgt, mit einem neuen Objektiv. Nachdem ich mir vor ein paar Jahren ein russisches Fischauge gekauft hatte, ein Peleng mit 8mm Brennweite, musste es dieses mal ins andere Extrem gehen. Was sind schon 400mm? Dann doch lieber so eine Russentonne die gibt es in 300mm, 500mm und mit satten 1000mm Brennweite. Die 300mm knacke ich ja schon mit meinem Canon-Zoom und die 500mm machen den Kohl dann auch nicht mehr fett. Also wurden es die 1000mm – Ein ganzer Meter Brennweite, nur für mich smile – und das für unter 160,- Euro. Wie geht das?

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    Was genau ist so eine Russentonne eigentlich? Im Grunde sind das Spiegelteleskope.

    Bei normalen Objektiven fällt das Licht vorne in die Objektiv-Öffnung und sucht sich dann seinen Weg durch diverse Linsengruppen bis es gebündelt am anderen Ende wieder heraus kommt um ein Abbild der Wirklichkeit auf dem Sensor zu hinterlassen. Starke Teleobjektive sind im Grunde auch nur Linsenfernrohre. Diesen Typ nennt man auch Refraktor. Da das Licht in einer Richtung durch das Objektiv läuft, führt das zu ziemlich langen Konstruktionen je länger die Brennweite wird.

    Bei den Spiegelteleskopen wird die Baulänge mehrfach genutzt. Das Licht kommt wie gehabt vorne in das Objektiv hinein und wird von einer einfachen Linse ein wenig korrigiert. Danach läuft das Licht völlig ungestört bis zum hinteren Ende des Gehäuses wo es dann auf einen gewölbten Spiegel trifft. Dieser Spiegel wirft das Licht wieder zurück nach vorne wobei es dieses in einen kleinen Teil der Gehäusemitte bündelt. Dieses kleine Lichtbündel trifft nun vorne im Objektiv erneut auf einen Spiegel der das Licht jetzt wieder zurück durch ein Loch im Spiegel am hinteren Ende des Gehäuses schickt. Hier muss es nur noch durch ein oder mehrere Korrekturlinsen und schon entsteht das Bild auf dem Sensor.
    Nach diesem Prinzip arbeiten sehr viele Teleskope in den Sternwarten, Ihr habt vielleicht schon mal in verschiedenen Dokumentationen etwas von enorm großen Spiegeldurchmessern gehört. Die größten Teleskope haben Spiegel mit mehreren Metern Durchmesser.

    400 vs 1000

    Linsen- und Spiegelobjektive unterscheiden sich also in der Art und Weise wie das Licht eingefangen und gebündelt wird. Es gibt aber noch einen entscheidenden Unterschied: Bei den Linsenobjektiven gibt es eine variable Blende. Je kleiner man die Blende macht, desto höher wird die Schärfentiefe im Bild. Man kann damit also kreativ spielen und man kann sehr große Blenden nutzen um auch bei wenig Licht zu fotografieren.
    Bei Spiegelobjektiven gibt es keine variable Blende. Die Blende ist fix und ergibt sich aus Brennweite und Öffnung. Meine Russentonne hat 1000mm Brennweite und einen inneren Durchmesser von 10cm, damit hat dieses Geschoss eine feste Blende von f/10. Das stimmt aber auch nicht ganz denn ein Teil des Lichtes wird ja draußen gehalten, weil an der vorderen Öffnung der kleinere Spiegel des Weg blockiert. Außerdem schlucken die Spiegel auch noch etwas Licht.

    400 vs. 1000

    Die Russentonne ist also für die gigantische Brennweite relativ kurz gebaut, Gerade mal 22cm ist sie lang, aber nicht unbedingt ein Wunder an Lichtstärke. Man braucht also viel Licht oder hohe ISO-Werte.

    Und diese Objektive sind rein manuell zu verwenden. Einen Autofokus-Motor gibt es nicht und die Fokus-Sensoren in der Kamera melden auch kein erfolgreiches scharf stellen. Diese russischen Tonnen sind also vom Prinzip her sehr simpel gebaut, nicht besonders lichtstark und haben keinerlei Elektronik im inneren. Das ist der Grund, warum man diese Objektive schon für ca. 300,- Euro oder weniger neu bekommen kann. Gebraucht kann man bei eBay oft ein Schnäppchen machen. Ich habe es für unter 160,- Euro inklusive Anschluss für das Canon EF-Bajonett bekommen.
    Das ist nämlich auch noch wichtig! Normalerweise haben diese Russentonnen einen M42 Anschluss. Für diesen gibt es Adapter auf den gängigen T2 Anschluss und von dem wiederum gibt es Adapter auf alle möglichen Kameramodelle, also auch auf das EF-Bajonett. Das sind alles rein mechanische Konverter, keine Elektronik aber trotzdem muss man für die Adapter schon mal um die 30,- kalkulieren.

    Bei 1 Meter Brennweite wird jeder Pulsschlag der Hand am Objektiv zu einem mittleren Erdbeben im Bild. Wenn man dann noch bedenkt, dass man komplett manuell arbeiten muss, dann ist klar, dass der Einsatz so eines Objektives eher weniger spontan möglich ist. Es sollte dann schon ein stabiles Stativ benutzt werden um die gut 2kg nicht ständig halten zu müssen. Dabei wird man schnell feststellen, wie wackelig selbst ein gutes Stativ mit gutem Kopf sein können smile
    Außerdem sollte die Spiegelvorauslösung aktiviert sein und natürlich löst man dann mit dem Fernauslöser aus. Die meisten Bilder, die zeigen sollen wie schlecht diese Objektive sind, sind tatsächlich verwackelt oder nicht sauber fokussiert.
    Natürlich darf man auch wenn man richtig fokussiert hat, auch wenn man nicht verwackelt hat, keine Bildqualität erwarten die aufwendige Linsenobjektive in den Schatten stellt. Man muss schon den Anschaffungspreis mit ins Verhältnis setzen. Von Canon gibt es ein extrem gutes Objektiv mit 800mm – für schlappe 11.000 Euro. Von Sigma bekommt man so etwas immerhin schon für knapp unter 6000,- Euro. Möchte man die 1000mm Grenze erreichen wird es richtig heftig. Von Canon gibt es ein 1200mm Objektiv. Das ist zwar mit Blende f/5,6 ganz schön lichtstark, dafür wiegt es aber auch über 16kg und ist über 83cm lang, der Anschaffungswiderstand liegt bei satten 99.000 Dollar, gebraucht wird es günstiger.

    Die Russentonne kostet gebraucht unter 200 Euro und dafür können sich die Ergebnisse durchaus sehen lassen – wenn man denn richtig fokussiert und wenn man nicht verwackelt.

    Ich habe bisher nur ein paar Testaufnahmen vom Kirchturm in der Nachbarschaft machen können, während es so richtig schön am schneien war. Dabei habe ich es aus der Hand, mit auflegen auf dem Fensterrahmen und mit einem Stativ versucht. Zum Vergleich habe ich vom selben Standpunkt ein paar Aufnahmen mit dem Canon 100-400L bei 400mm gemacht. Außerdem habe ich die Aufnahme vom Canon Zoom auf den Ausschnitt der Russentonne beschnitten, wobei da nicht mehr all zu viele Pixel übrig bleiben. Damit ich nicht verwackele habe ich ISO 1600 und eine 1/1000 Sekunde gewählt. Das Canon-Objektiv hatte ich dabei ebenfalls auf Blende f/10 abgeblendet.

    Hier die Aufnahmen mit der Russentonne:
    Klick für größere Ansicht
    1000mm-68531000mm-68591000mm-6861

    Zum Vergleich eine Aufnahme mit dem Canon 100-400/4L und ein Zuschnitt des Bildes um denselben Ausschnitt wie bei 1000mm zu zeigen:
    Klick für größere Ansicht
    400mm-6856400mm-6856 1000er Ausschnitt

    Hier noch 100% (unverkleinerte) Ausschnitte aus den Bildern:
    Klick für größere Ansicht
    1000mm-crop-68531000mm-crop-68591000mm-crop-6861400mm-crop-6856

    Was bei diesem kleinen Test schnell klar wurde: Mit Autofokus und Bildstabilisator ist alles viel einfacher aber es schützt nicht vor Verwacklern. Das erste Bild mit dem Canon war extrem unscharf, beim zweiten hatte sich der Autofokus auf die Äste des Baumes auf dem Grundstück vor der Kirche geschmissen. Erst das dritte Bild gelang wirklich gut. Trotzdem dauerten diese drei Aufnahmen nur einen Bruchteil der Zeit, die ich mit der Russentonne verbrachte.

    Der Fokusring der Russontonne läuft recht schwergängig, dafür ist er aber auch sehr fein einzustellen und verrutscht nicht wenn man dagegen stößt. Trotzdem wird man damit keine Actionbilder machen können weil man den Fokus gar nicht schnell genug bewegt bekommt. Auf heutigen Mattscheiben ist es auch nicht besonders einfach einen definierten Schärfepunkt zu erkennen. Man erkennt sehr wohl wenn man über diesen Punkt hinaus ist. Irgendwo zwischen Front- und Backfokus ist es im Sucher schön scharf aber dieser Bereich ist durchaus etwas größer. Hier würde vielleicht ein Schnittbildsucher helfen wobei ich nicht weiß, ob der bei so einem Objektiv genug Licht bekäme. Hilfreich stelle ich mir dabei den Live-View-Modus mit zugeschalteter Vergrößerung an neuen Kameras vor. Außerdem ist ein Verwackeln wirklich eher normal. Dagegen hilft wirklich nur ein verdammt stabiles Stativ mit richtig gutem Kopf oder etwas wie ein Beanbag, damit man die Kamera absolut stabil auf einem Tisch, einer Fensterback oder dem Boden ablegen kann. Mein Stativkopf und die Mini-Connect Vorrichtung sind jedenfalls leicht überfordert smile

    Was man bei den Bildern auch gut sehen kann ist das sehr unruhige Bokeh von diesen Spiegelobjektiven. Da das Objektiv ja nicht komplett geöffnet ist, wegen des kleinen Spiegels in der Mitte, haben auch alle Unschärfekreise dieses Loch in der Mitte. Es sind also eher Unschärfe-Donuts. Das wirkt sich auch auf die Äste im Unschärfebereich aus, die dann zu unruhigen und unscharfen Doppelästen mutieren. Da wird der echte Einsatz zeigen müssen wie sehr das stört und wie gut man das mit der Nachbearbeitung in den Griff bekommen kann.

    Was soll ich noch sagen? Klar kann man auch einfach einen 2x Konverter hinter seine Objektive schnallen und würde für einen ähnlichen Preis auf 800mm kommen die auch lichtschwach und manuell zu fokussieren sind. Wie die Bildqualität im Vergleich aussehen würde weiß ich nicht. Vermutlich würde es sich nicht viel nehmen. Vielleicht hole ich mir mal so einen Konverter, der wäre auch viel praktischer beim Transport.

    Aber dieses kribbeln im Bauch, diese Funkeln, dieses Strahlen in den feuchten Augen, diesen Spieltrieb… Das alles löst nur so ein russisches Ofenrohr mit Spiegel aus. Sagt was ihr wollt, mir ist es das wert smile

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    31 December 2009, 5:43 pm
  • nSonic #211 – Foto – Funkauslöser Teil 2

    211_foto_funkausloeser2
    Wegen des tollen Feedbacks gibt es einen Nachtrag zu meinem Blitz-Funkauslöser-Test. Ich habe zwei weitere Systeme geschickt bekommen und konnte diese, nach langer Regenzeit, endlich im gleichen Testaufbau wie beim letzten Mal ausprobieren.

    Diesmal geht es um zwei sehr günstige Systeme

    • Phottix PT-04 II für ca. 45,- Euro (Sender+Empfänger) in Deutschland zu bekommen
    • YongNuo RF-602, der Newcomer aus China, für ca. 60,- Euro (Sender+Empfänger) in Deutschland zu bekommen

    Beide Systeme bewegen sich in einer ähnlichen Preisklasse wie die Cactus V2 und Cactus V4. YongNuo ist dabei wenige Euro teurer, verspricht aber mit einer Reichweite von 100m einiges mehr als die anderen Billig-Kandidaten. Da ist man natürlich skeptisch. Also nichts wie raus vor die Tür und es direkt ausprobiert.
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    Phottix PT-04 II

    Phottix PT-04II Titel
    Ich fange mit den Phottix PT-04 II an. Auf Abbildungen erinnert dieses System sofort an die Cactus V2. Tatsächlich sind die Geräte aber etwas größer, das gilt vor allem für den Empfänger.

    Empfänger
    Der Grund dafür ist, dass der Empfänger mit normalen AAA-Akkus betrieben werden kann. Im Gegensatz zu der selteneren CR2-Batterie bei den Cactus V2 ist das ein echter Vorteil.
    Blöd ist nur, dass die Produktdesigner diesen Gedanken nicht zu Ende geführt haben. Der Empfänger steht, genau wie der Cactus V2, aufrecht. Ein Blitz kann oben auf den Blitzschuh gesteckt werden. Im Grunde praktisch weil man keine Kabel benötigt. Mit einem dermaßen langen Gehäuse allerdings wird das ganze Konstrukt auf einem Lichtstativ noch wackeliger als mit den Cactus V2. Zu allem Überfluss wurde nämlich auch noch die wackelige Kipp-Konstruktion des Cactus V2 übernommen und kein bisschen stabiler gebaut. Außerdem steht der Blitz mit den Phottix PT-04 noch höher als bei den Cactus und kommt damit noch weiter aus der Schirm-Mitte heraus. Einen Schirm gleichmäßig auszuleuchten wird also noch schwerer oder unmöglich. Das Batteriefach am Empfänger ist übrigens genau wie beim Cactus V2 konstruiert und somit bekommt man auch hier die Klappe nur schwer auf. Ein kleiner Schraubendreher zum hebeln hilft (oder sehr stabile Fingernägel).
    Vorteilhaft ist wiederum die Tatsache, dass die kleinen Schalter zum wählen eines Funkkanals von außen leicht zugänglich sind. Schlecht ist, dass es keine Kontrollleuchte gibt die anzeigt, ob der Empfänger ein- oder ausgeschaltet ist.

    Sender
    Dann ist da noch der Sender. Er ist flach gebaut und auch an ihm kann man leicht von außen den Funkkanal wählen. Der Blitzschuh ist aus Kunststoff und wird mit einem Rad per Gewinde gesichert. Vorteilhaft ist, dass der Rad-Durchmesser recht groß ist.
    Aber was um alles in der Welt haben die Entwickler sich bei der Stromversorgung gedacht? Der Sender hat keine Batterieklappe. Um an die Batterie zu kommen, muss man den Empfänger mit einer sehr kleinen Schraube komplett öffnen. Zum Glück habe ich so ein kleines Uhrmacherwerkzeug-Set. Was ich dann fand überraschte mich: Keine Knopfzelle sondern eine 12V Batterie vom Typ 23AE steckt im Sender. Bei Amazon bekommt man diesen Typ zwar auch schon für knapp 2,- pro Stück aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich solche Batterien in letzter Zeit im Supermarkt oder bei der Tankstelle gesehen hätte – allerdings habe ich natürlich auch nie direkt danach gesucht.

    Test
    Angegeben ist die Reichweite des Phottix PT-04 auf der Verpackung mit 30 Metern. Ich habe den Blitz (Nikon SB-26) direkt auf den Empfänger gesteckt und alles zusammen auf mein Lichtstativ. Dann habe ich das Stativ wieder auf den Hof gestellt und bin die Straße hoch gelaufen um zu sehen, wie weit man kommt.

    Ein kleines Problem gab es schon bei den Vorbereitungen: Drückte ich den Testknopf am Sender so leuchtete auch die Bestätigungslampe am Empfänger auf – aber der Blitz leuchtete nicht. Nach kurzer Ursachenforschung war klar, dass der Kontakt zwischen Empfänger und Blitz offenbar nicht ganz exakte passte. Ich schob den Blitz etwas zurück und wieder vor und schließlich klappte es. Es konnte also los gehen.

    pt-speed-6811 pt-speed-6812
    Um schwarze Balken im Bild zu vermeiden war es notwendig auf 1/160 Sekunde zu gehen. Ansonsten war am unteren Bildrand ein ganz schmaler Balken zu erkennen. Weniger als bei Cactus V2 aber dennoch vorhanden.

    pt04-10m-web
    Dann bin ich ca. 10m gegangen und habe eine schnelle Serie an Bildern gemacht. Ergebnis: Jeder Schuss ein Treffer. Auf kurze Distanz funktionieren die Geräte also gut. Ich habe die Serie auch mehrmals wiederholt ohne eine einzige Fehlzündung.

    pt04-20m-web
    Dann weitere 10 große Schritte die Straße rauf auf ca. 20m und wieder eine schnelle Serie von Bildern gemacht. Wieder war der Blitz auf jedem Bild zu sehen. Gar nicht mal schlecht.

    pt04-30m-web
    Als ich allerdings bei ca. 30m angekommen war ging nichts mehr. Auf keinem Bild tauchte der Blitz auf. Die versprochenen 30 Meter werden also nicht erreicht. Ich bin dann Schritt für Schritt wieder zurück gegangen und tatsächlich ist bei knapp über 20m Schluss. Irgendwo um 15m bis 20m funktionieren sie bei Sichtkontakt noch gut. Geht man nur einen Schritt weiter weg ist einfach Schluss.

    Fazit

    Die Phottix PT-04 II sind als direkte Alternative zu den Cactus V2 zu verstehen. Sie liegen in einer ähnlichen Preisklasse, sehen sehr ähnlich aus und funktionieren auch nahezu identisch. Die Reichweite ist bei beiden eher nicht vorhanden und die Zuverlässigkeit dürfte bei echten Anwendungen ebenfalls sehr ähnlich sein.
    Die Stromversorgung der PT-04 Empfänger ist dank AAA-Akkus/-Batterien deutlich praktischer als bei den Cactus. Das längere Gehäuse wandelt diesen Vorteil aber schnell in einen Nachteil, wenn der Blitz auf dem Stativ noch wackeliger und noch weiter außerhalb der Schirmmitte sitzt.
    Dass man die Kanäle einfach von außen wählen kann ist sehr gut, warum man aber keine Kontrollleuchte im eingeschalteten Zustand blinken lässt ist mir ein Rätsel. So wird man, wie beim Cactus V2, häufig vergessen die Empfänger auszuschalten. Die böse Überraschung gibt es dann beim nächsten Einsatz wenn die Batterien leer sind.

    Sollte man nun auf Phottix PT-04 setzen statt auf Cactus V2? Ich bin ehrlich und empfehle inzwischen keine der beiden Systeme mehr. Für nur ein paar Euro mehr gibt es nämlich besseres.

    YongNuo RF-602

    YongNuo RF-602 TitelGerade in der Strobist-Szene mischt der Name YongNuo in letzter Zeit die Blogs auf. Die chinesische Firma bringt gerade so einiges für die Fans mobiler Blitze auf den Markt und das zu erstaunlich niedrigen Preisen. Die Funkauslöser RF-602 gibt es inzwischen für ca. 60,- Euro (für ein Sender-Empfänger-Pärchen) direkt in Deutschland zu kaufen. Damit liegen sie preislich über den Cactus und Phottix Systemen aber YongNuo verspricht auch satte 100 Meter Reichweite. Im Gegensatz zu den anderen Systemen, die irgendwo um 433 MHz funken, unterhalten sich die YongNuo-Geräte auf 2,4 GHz.

    Verpackung
    YongNuo meint es ernst. Das merkt man schon wenn man sich die Verpackung anschaut. Fein säuberlich liegen Sender, Empfänger, Batterien (die AAA sind von Duracel), Kabel und ein Adapter in der Kunststoffverpackung die dank Papprückseite auch sehr einfach zu öffnen ist. So ordentlich kann das aussehen.
    YongNuo RF-602 Verpackung

    Empfänger
    Der Empfänger läuft mit zwei AAA-Akkus oder Batterien. Im Gegensatz zu den Phottix hat YongNuo das Design aber angepasst. Wie bei den Cactus V4 liegt der Empfänger (zeigt also, auf ein Stativ gesteckt, nach vorne) und der Blitzschuh (Metall) sitzt auf der langen Oberseite. Auf diese Weise sitzen Empfänger und Blitz auf einem Stativ recht stabil und der Blitz kommt nicht zu weit aus der Schirmmitte heraus. Im Gegensatz zum Cactus V4 kann man den Empfänger aber nicht wirklich als Standfuß für den Blitz verwenden, man sollte ihn schon auf ein Stativ schrauben (Gewinde ist vorhanden) oder in einen Blitzschuh stecken (auf Stativ oder in einen Standfuß).
    Die Verarbeitung wirkt sehr solide und das Batteriefach lässt sich gut öffnen – solange keine Batterien eingelegt sind. Liegen Batterien im Fach, dann lässt sich der Verschluss nicht wirklich nach unten drücken und sich somit nicht entriegeln. Hier half mir auch ein kleiner Schraubendreher. Wenn das Gerät eingeschaltet ist, wird dies durch ein Blinksignal angezeigt. Das ist gut und verhindert, dass man vergisst den Empfänger wieder auszuschalten.
    Es gibt auch eine winzige Schalterreihe die von außen erreichbar ist um den Funkkanal zu ändern. Gleich 4 Schalter können bewegt werden – Es sollten also 16 unterschiedliche Kanäle möglich sein. Ausprobiert habe ich das allerdings nicht, denn diese Schalter sind so dermaßen klein und zudem noch versenkt eingebaut, so dass nicht nur das versehentliche verstellen sondern auch das absichtliche einstellen des Kanals sehr schwierig ist. Da wird man vermutlich auch mit einem sehr feinen Schraubendreher ran müssen.

    Zwei Dinge sind besonders auffällig am Empfänger:

    1. Der Blitzschuh hat neben dem Mittelkontakt noch fünf weitere Kontaktflächen (zwei große und drei kleine). Es werden aber keine TTL-Signale gefunkt
    2. Es gibt keine übliche Synchronbuchse. Es gibt zwar einen Sync-Anschluss aber dieser ist etwas unüblich ausgeführt. Es ist ein 3-poliger Stecker mit Gewinde zur Sicherung.

    Viele Kontakte
    Über die zusätzlichen Kontakte hatte ich lange gegrübelt. Auch der Sender hat mit fünf Kontakten mehr als man für einen einfachen Funkauslöser erwarten würde. Die Lösung des Rätsels: Der RF-602 kann den automatischen Standby-Modus von Blitzen verhindern bzw. die Blitze aus diesem Modus wieder aufwecken. Drückt man an der Kamera den Auslöser halb durch, so wird sofort ein Signal über den Blitzschuh vom Sender entgegen genommen und zum Empfänger gefunkt. Schon ist der Blitz wieder bereit. Bei meinem Test mit einem SB-26 ging der Blitz anschließend aber gar nicht mehr in den Standby-Modus, jedenfalls nicht innerhalb von 3 Minuten. Steckte ich den Blitz aber im Standby auf den Empfänger und drückte dann an der Kamera halb durch, so war der Blitz sofort wieder aktiviert.
    Das ist auf der einen Seite ganz praktisch, auf der anderen Seite habe ich mit so etwas immer ein komisches Gefühl. Ich meine, wenn ich den Standby am Blitz aktiviere, dann möchte ich auch, dass der Blitz nach kurzer Zeit schlafen geht um den Akku zu schonen. Da man ihn mit den RF-602 aufwecken kann, könnte man das gut nutzen. Wenn der Blitz jetzt aber vom Standby abgehalten wird, dann habe ich nicht wirklich etwas gewonnen. Vorteilhaft ist das Verhalten vielleicht für die Blitze, bei denen man den Standby gar nicht abschalten kann. Außerdem ist es immer etwas komisch wenn man relativ günstiges Fremdzubehör mit vielen Kontakten an seine teuren Blitze oder Kameras steckt. Es ist nicht dokumentiert wie die Kontakte verschaltet sind und was sie genau tun. Meine Canon 5D hat es überlebt und der Nikon Blitz auch. Ob das jetzt mit jedem Gerät so gut läuft vermag ich nicht zu sagen.
    Einen weiteren Seiteneffekt können diese Kontakte haben. Im dslr-forum habe ich gelesen, dass Besitzer eines Nikon SB-25 die Einstellungen am Blitz nicht mehr verstellen konnten. Die Kontakte haben den Blitz quasi blockiert. Nur wenn man an der Kamera die Belichtungsmessung startet, also halb durchdrückt und dieses Signal somit auch zum Empfänger und Blitz schickt, konnte man wieder etwas verstellen – offenbar muss man dann aber den Finger auf dem Auslöser halten während man den Blitz einstellen möchte… Das ist dann eher unpraktisch. Da hilft dann nur die Kontakte abzukleben (nicht so schön) oder ein Synchronkabel zu nutzen.

    Ungewöhnlicher Stecker
    Möchte man Blitze über ein Sync-Kabel zünden, so wird man sich erst einmal wundern: Der Empfänger hat zwar eine Buchse aber nicht unbedingt eine die man erwarten würde. Es ist ein 3-poliger Stecker der sogar über ein Gewinde verfügt. Im Lieferumfang ist ein passendes Kabel enthalten, das diesen Kontakt auf eine 3,5mm Mono-Klinke führt. Ein ebenfalls mitgelieferter Adapter kann daraus eine 6,3mm Mono-Klinke machen. Die meisten Studio-Blitze sollten damit nutzbar sein. Anders sieht es aus, wenn man ein Kabel auf PC-Buchse benötigt. Ob es ein solches Kabel gibt weiß ich nicht, auch nicht, ob es einen Adapter von 3,5mm Klinke auf PC gibt. Da wird man vermutlich etwas suchen müssen. Wenn Ihr so etwas kennt, dann verlinkt es doch bitte in einem Kommentar.

    Das tolle an diesem Stecker ist aber, dass er nicht abfallen kann. Er kann nämlich über das Gewinde gesichert werden. Man Steckt das Kabel in den Empfänger und dreht dann die Sicherung vom Kabel über die Buchse am Empfänger. Das sitzt!

    Warum aber drei Kontakte? Weil man mit dem RF-602 auch Kameras auslösen kann! Und zwar nicht nur einfach auslösen sondern man kann wirklich zwei Druckpunkte zur Kamera schicken, wie mit einem Kabelauslöser auch. Halb drücken zum fokussieren und voll durchdrücken zum auslösen. Das geht hiermit über Funk. Der Testknopf am Sender hat dafür auch zwei Druckpunkte, wie der Auslöser an der Kamera auch.

    Sender
    Er ist kompakt gebaut und hat wie der Empfänger keine externe Antenne. Der Testknopf hat zwei Druckpunkte was interessant wird, wenn man eine Kamera damit auslösen möchte (siehe oben die Erklärung beim Empfänger). Der Blitzschuh hat eine Metallplatte und fünf Kontakte zur Kamera. Es werden keine TTL-Signale übertragen aber das Signal zur Belichtungsmessung wird gefunkt um einen Blitz aus dem Standby aufzuwecken.
    Die Verarbeitung ist absolut sauber. Und das Batteriefach ist klasse: Einfach eine Klappe ein Stück zur Seite schieben und schon kann sie aufgeklappt werden. Sie bleibt dabei am Gehäuse, das funktioniert ähnlich wie bei den Akkudeckeln der meisten Systemblitze. Verlieren kann man so nichts und der Zugang ist wirklich einfach.
    Nicht so schön ist allerdings, dass der Sender mit einer CR2 3V Batterie arbeitet. Wieder etwas besonderes was man nicht mal eben überall bekommt. Warum baut YongNuo den Sender nicht einfach etwas länger und betreibt ihn ebenfalls mit AAA-Akkus/Batterien?
    Auch beim Sender kann man den Funkkanal theoretisch von außen einstellen. Es sind die gleichen winzigen, versenkt eingebauten Schalter wie beim Empfänger.
    Zusätzlich hat der Empfänger eine Sync-Buchse im PC-Format. Vermutlich kann man hierüber den Sender auslösen falls man eine Kamera ohne Blitzschuh hat. Das habe ich nicht ausprobiert.

    Nicht so schön ist, dass der Sender nur “lose” auf die Kamera gesteckt wird. Es gibt keine Sicherung. Wirklich nötig schien es mir allerdings auch nicht denn der Sender saß recht stramm auf der Kamera, vermutlich auch wegen der 5 Kontakte.

    Test
    Sauber verpackt, gute Verarbeitung und mit angegebenen 100m Reichweite ein großspuriges Auftreten. Mal gucken, ob diese China-Ware halten kann was sie verspricht.

    yn-speed-6707
    Der erste Aufbau fühlte sich sehr “satt” an. Alles saß und funktionierte von Anfang an korrekt. Ein kleiner Test auf kurze Entfernung brachte keine schwarzen Balken bei 1/200s – Das überraschte mich schon denn in dieser Preisklasse war ich eigentlich darauf gefasst auf eine 1/160 gehen zu müssen. Ob die 1/200 auch bei größeren Entfernungen noch funktioniert weiß ich nicht, dafür war es zu hell draußen so dass ich das nicht beurteilen konnte.

    yn-10m-web
    Wie sieht es mit der Reichweite aus? Ich bin wieder los auf ca. 10 Meter und habe eine schnelle Folge von Bildern geschossen. Kein Problem. 100% Trefferquote.

    yn-20m-web
    Bei ca. 20 Metern, wieder eine schnelle Serie. Keine Probleme. Der Blitz löste jedes mal aus.

    yn-30m-web
    Auf zu 30 Metern. Spätestens ab hier erwartete ich erste Probleme. Aber ich wurde positiv überrascht. Jede Foto zeigte den Blitz. Völlig souverän. Jetzt stieg meine Neugier so richtig.

    yn-40m-web
    Ich ging auf ca. 40 Meter und staunte nicht schlecht, als immer noch jedes Bild den Blitz zeigte. Sollten diese Funkauslöser wirklich die 100m erreichen die sie versprechen? Aber bis dahin liegen ja noch einige Meter Kopfsteinpflaster vor mir…

    yn-50m-web
    50 Meter. Ohne den Anschein eines Problems. Es funktioniert einfach.

    yn-60m-web
    Bei ca. 60 Meter immer noch keine Probleme. Es wurde langsam sehr kalt. Wie weit werde ich noch laufen müssen?

    yn-70m-web
    Weiter auf ungefähr 70 Meter. Nicht die Spur eines Problems. Mehrere Serien geschossen weil ich es nicht glauben konnte aber wirklich, der Blitz ist auf jedem einzelnen Bild zu sehen. Nur mal so zur Erinnerung: Die viel teureren Bowens Pulsar hatten schon viel früher aufgegeben (wobei ich hier nach wie vor nicht 100%ig weiß, ob meine vier Geräte aus einer defekten Serie stammen)

    yn-80m-web
    Bei ca. 80 Metern konnte ich den Blitz noch immer auf jedem Bild sehen.

    yn-90m-web
    Bei ungefähr 90 Metern dann endlich die ersten Aussetzer smile Von sechs Bildern einer Serie ist der Blitz auf nur zwei Bildern zu sehen. Ich bin damit gar nicht mal böse. Von versprochenen 100 Metern ging es bis 80 Meter zuverlässig, was ein sehr guter Schnitt ist.

    yn-100m-web
    Ich wollte trotzdem wissen wie weit man gehen kann und so erhöhte ich auf ca. 100 Meter. Die Überraschung war groß als ich auf jedem Bild den Blitz sehen konnte! Die 100 Meter werden also durchaus erreicht. Warum es vorher auf 90m zu Aussetzern kam weiß ich nicht. Vielleicht ein Busch im Weg oder der Winkel einer Hauskante nicht optimal…

    yn-110m-web
    Das Ergebnis der 110 Meter ist unbekannt. Leider konnte ich von dieser Position aus den Blitz nicht sehen. Ich musste ihn diesmal ein klein wenig anders aufbauen wegen parkender Fahrzeuge und dabei stellte ich ihn etwas zu nah an die Hauswand. Schade. Also weiter weg gehen…

    yn-120m-web
    Bei etwa 120 Meter konnte ich wieder quer über ein Grundstück fotografieren und, Überraschung: Jedes Bild zeigt den Blitz. Absoluter Wahnsinn.

    yn-140m-web
    Ich erhöhte gleich auf ca. 140 Meter und hier schien jetzt Ende zu sein. Den Blitz selbst konnte ich von dieser Position nicht sehen weil Gebüsche dazwischen waren. Die Hausecke, die ich angeleuchtet habe, hätte man aber heller sehen müssen. Von dieser Position aus zündete der Blitz also gar nicht mehr.

    yn-160m-web
    Da ich nun schon mal hier war konnte ich die Straße auch gleich bis zum Ende gehen. Das sind dann ungefähr 150-160 Meter (nach Schrittzählung) oder etwa 180 Meter (nach Google Earth). Von hier aus konnte ich über die Grundstücke hinweg den Blitz wieder direkt sehen und – jetzt war ich wirklich baff – diesen auch jedes mal auslösen.

    Fazit

    Die Verarbeitung der YongNuo RF-602 ist einwandfrei und für so günstige China-Ware absolut vorbildlich. Sie fassen sich sogar hochwertiger an als die sündhaft teuren PocketWizard Plus II.
    AAA-Batterien im Empfänger und das daran angepasste Funktionsdesign sind ein großer Vorteil weil man solche Akkus häufig sowieso einsetzt und diese auch in den AA-Ladegeräten mit Strom gefüttert werden können. Letzteres hat man ohnehin dabei wenn man mit mobilen Blitzen arbeitet. Dass der Sender wiederum nur mit einer CR2 Batterie arbeitet gibt einen Minuspunkt. Daran kann auch die sehr gute Batteriefach-Klappe nichts retten. Ausschalten kann man den Sender übrigens nicht. Man sollte also aufpassen, dass beim Transport nichts gegen den Test-Knopf drückt. Sonst könnte die Batterie recht schnell leer werden.
    Den Kanal umzustellen ist sehr fummelig. Da sollte YongNuo in zukünftigen Versionen über andere Schalter nachdenken.
    Ein großer Vorteil des Systems ist es, dass man auch Kameras damit auslösen kann und dabei beide Druckpunkte zur Verfügung hat, wie bei einem Kabel-Auslöser. Erkauft wird dieser Vorteil allerdings mit einer speziellen Buchse am Empfänger. Außerdem muss man beim Kauf aufpassen, dass man das richtige Set, passend zu seiner Kamera bestellt, damit auch das richtige Kabel dabei liegt.
    Mutig ist der Weg, Sender und Empfänger über den Blitzschuh mit zusätzlichen Kontakten zu versorgen um so weitere Signale zu übertragen. Nutzen kann man dies um Blitze aus dem Standby aufzuwecken oder diese am einschlafen zu hindern. Welches Verhalten genau vorliegt, dass entscheiden wohl Blitz- und Kameramodell und genau dabei kann es natürlich auch zu Problemen kommen – wie z.B. die Meldung, dass man einen SB-25 nicht mehr (bzw. nur umständlich) manuell einstellen kann wenn man ihn mal ausgelöst hatte.

    Die Reichweite stellt in dieser Preisklasse aber alles in den Schatten was ich bisher gesehen habe. Bei Sichtkontakt werden die 100 Meter fast problemlos erreicht und auch weit größere Distanzen sind, direkter Sichtkontakt vorausgesetzt, kein Problem. Sobald dieser direkte Sichtkontakt allerdings nicht gegeben ist wird es knifflig. Dies war in meinem Test zum Teil bei 90m und bei 140m der Fall. Ich muss mir mal einen Testaufbau überlegen, bei dem ich das genauer prüfen kann.

    Schlusswort

    Die YonNuo RF-602 haben mich wirklich überrascht. Für knapp 60,- Euro für ein Sender-Empfänger-Pärchen bekommt man etwas wirklich solides an die Hand. Gut verarbeitet und mit guter Reichweite lassen sie alle anderen Billig-Anbieter (die ich testen konnte) weit hinter sich. Natürlich muss man Abstriche machen. So muss man mit einer speziellen Buchse am Empfänger klar kommen wenn man nicht über den Blitzschuh arbeiten möchte und man muss etwas Mut haben einen Blitz mit mehreren Kontakten auf den Empfänger zu schieben, weil man nicht weiß, wie die Kontakte geschaltet sind. Dafür kann man aber auch eine Kamera auf größere Entfernung auslösen und dabei auch die zwei Druckpunkte zum fokussieren und messen der Belichtung nutzen.

    Ich konnte die YongNuo natürlich nicht bei einem echten Auftrag testen und werde das auch nicht können, da ich nur einen Empfänger habe. Nach dem was ich aber im Test sehen konnte werde ich ab diesem Tag genau diese RF-602 für jeden Empfehlen, der für wenig Geld in das entfesselte Blitzen einsteigen möchte. Die 60,- Euro sind sicher gut angelegt. Gut verarbeitet, immerhin zum Teil mit normalen Batterien zu nutzen und deutlich bessere Reichweite und Zuverlässigkeit als Cactus V2. Vielleicht wird man ja auch bald Pakete mit mehreren Empfängern oder auch einzelne Empfänger zum aufrüsten kaufen können, denn zwei oder drei Blitze wird man schon aus der Ferne zünden wollen.

    Über die Phottix PT-04 möchte ich nicht mehr viel sagen. Sie sind wie die Cactus V2, nur in klobiger. Wem das genügt, der hat den Vorteil wenigstens im Empfänger mit AAA-Akkus arbeiten zu können. Ansonsten sind keine Vorteile erkennbar. Die YongNuo RF-602 liegen um 10,- bis 15,- Euro drüber und bieten so viel mehr.

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    25 December 2009, 1:45 pm
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