Lina E. ist als Linksextremistin verurteilt. Mit anderen soll sie Jagd auf Neonazis gemacht haben. Für die linke Szene wurde sie zur Ikone, für andere zum Hassobjekt. Wer ist Lina? Und warum hat sie sich radikalisiert?
Am 20. Dezember 2024 rast Taleb A. mit einem Auto über den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Er tötet sechs Menschen: fünf Frauen und einen 9-jährigen Jungen. Fast 350 Menschen werden verletzt, zum Teil extrem schwer. Dazu kommen unfassbar viele seelisch Verletzte. Traumatisierte. Eine einzelne Gewalttat mit so vielen Betroffenen hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Es sind mehr als 1.600 Menschen. Sie sind Augenzeugen, Ersthelfer, Verletzte und Hinterbliebene. Die Zahl der Opfer ist so groß, dass ein neuer Gerichtssaal gebaut werden muss. Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat ganz Deutschland erschüttert. Wie konnte es dazu kommen, dass der Täter so ungebremst über den Markt fahren konnte? Hätte der Anschlag verhindert werden können? Und warum übernimmt niemand Verantwortung? Und vor allem: Wie geht es den Opfern heute? Diesen Fragen gehen wir im fünfteiligen MDR-Podcast “Ungebremst – Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt” nach. Im Podcast erzählt unter anderem ein Elternpaar davon, wie sie mit ihrem Kind von dem Auto erfasst und schwer verletzt wurden. Wir haben den Polizisten interviewt, der Taleb A. alleine gestoppt hat. Außerdem kommt eine Notärztin zu Wort, die zu den Ersthelfern gehörte und an der Triage vor Ort beteiligt war. Und viele Menschen mehr, für die seit dem 20. Dezember 2024 nichts mehr ist wie zuvor.
Den Podcast gibt es in der ARD Audiothek und überall, wo es Podcasts gibt. Hier gelangt Ihr direkt dorthin: https://1.ard.de/ungebremst
Es gibt wichtige Neuigkeiten im Fall Lina E. Die Correctiv-Recherchen haben ein geheimes Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern offengelegt, bei dem Vertreibungspläne gegen Millionen Menschen aus Deutschland diskutiert worden sein sollen. Das hat bundesweit für Diskussionen und zahlreiche große Demonstrationen gesorgt. Bei den Recherchen spielt auch ein vertrauter Name aus dem Fall Lina E. eine Rolle: Es geht um den vielzitierten Kronzeugen Johannes D. In diesem Update erklären wir Euch, warum der Name Johannes D. bei dem Treffen fiel. Dazu haben wir uns Unterstützung von Correctiv geholt, die Redakteurin Gabriela Keller. Host Marc Zimmer redet mit ihr über den denkwürdigen Auftritt des Neonazis Mario Müller bei dem Treffen. Müller soll sich dabei gebrüstet haben, Johannes D. in Warschau ausfindig gemacht und polnische Hooligans auf ihn angesetzt zu haben – kurz bevor Johannes D. entschieden habe, gegen Lina E. und ihre Mitangeklagten auszusagen. Mit Keller analysieren wir, welche Rolle Müller auf der Konferenz spielte und wie seine Rolle im Zusammenhang mit dem Fall Johannes D. zu bewerten ist. Müller dementiert inzwischen, entsprechende Aussagen getätigt zu haben.
Im Anschluss an das Gespräch mit Gabriela Keller spricht Host Marc Zimmer mit Prozessbeobachter Edgar Lopez darüber, was die neuen Erkenntnisse für den Fall Lina E. bedeuten. Lopez vermutet, dass Müller seine Rolle im Zusammenhang mit dem Fall Johannes D. übertrieben hat. Und: Wie steht es eigentlich um die Revision im Verfahren gegen Lina E. und ihre Mitangeklagten?
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Nach dem Urteil gegen Lina E. gibt es Proteste – bundesweit. In Berlin, Hamburg, Dresden, Bremen und Köln – und natürlich in Leipzig. Schon lange vor dem Urteil haben Teile der linken Szene für den "Tag X" mobilisiert.Am ersten Samstag nach dem Urteil sollen alle nach Leipzig kommen und ihre Wut auf die Straße tragen. Die "Tag X"-Demo wird untersagt, dennoch kommen am 3. Juni 2023 tausende Menschen. Ihnen gegenüber steht ein immenses Polizeiaufgebot. Kurz vor den Toren von Connewitz eskaliert die Lage. Aus der Menge löst sich eine Gruppe, die Steine, Flaschen und einen Brandsatz auf die Einsatzkräfte wirft. Kurz darauf kesselt die Polizei mehr als 1.000 Menschen ein. Viele von ihnen müssen viele Stunden darin verbringen. Auch Kinder und Jugendliche werden über Nacht festgehalten. Die einen sehen darin ein völlig unverhältnismäßiges Vorgehen der Polizei. Andere sehen sich in ihrer Meinung über eine gewalttätige linksextreme Szene bestätigt.Den "Tag X" nehmen Marc Zimmer, Anton Zirk und Edgar Lopez in der letzten Episode dieses Podcasts als Ausgangspunkt, um zu ergründen, was vom Fall Lina E. bleibt. Denn an diesem Tag kristallisieren sich ähnliche Fragen, die auch den gesamten Fall Lina E. so spannend und relevant machen. Wie geht unsere Gesellschaft mit Antifaschismus um? Welche Rolle spielt Gewalt in der linken Szene? Gibt es eine neue Qualität politischer Gewalt? Und verfolgt der Staat Rechtsextremismus weniger konsequent als Linksextremismus?Wenn Euch unser Podcast gefällt oder wenn Ihr Hinweise und Kritiken habt, dann mailt uns an: [email protected]Und hier unser Podcast-Tipp: Dark Matters - Geheimnisse der Geheimdienste
Der 31. Mai 2023 ist ein besonderer Tag im Leben von Lina E. Das Oberlandesgericht Dresden verkündet am 98. Prozesstag das Urteil gegen sie und ihre Mitangeklagten. Es ist ein heißer Tag, das mediale Interesse ist riesig. Es gibt massive Sicherheitskontrollen und vor dem Gerichtsgebäude eine Kundgebung, auf der erneut „Free Lina“ gefordert wird. Der Weg zu diesem Tag ist lang. Mehr als anderthalb Jahre hat der Prozess gedauert. So etwas hat es im Bereich Linksextremismus seit Jahrzehnten nicht gegeben. In dieser Episode erzählen wir die Geschichte und die Konflikte dieses Mammut-Verfahrens. Dabei kommen zentrale Akteure wie der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats, Lina E.s Verteidiger Ulrich von Klinggräff und Oberstaatsanwältin Alexandra Geilhorn, die Vertreterin der Bundesanwaltschaft, zu Wort. Das Verhältnis zwischen Senat, Anklage und Verteidigung ist über die gesamte Dauer des Prozesses extrem angespannt. Zum einen geht es um die Frage, ob die Angeklagten Mitglieder einer kriminellen Vereinigung gewesen sind. Die Entscheidung darüber hat weitreichende Auswirkungen auf das Strafmaß. Und es geht um die Frage, ob Lina E. eine führende Rolle in der Gruppe innehatte. Sie selbst äußert sich dazu nicht. Zwar ergreift sie zweimal im Laufe des Verfahrens das Wort, bleibt ansonsten aber ruhig. Auch, als mitten im Prozess die Bombe platzt: Johannes D., der nach Ansicht der Anklage Teil der Gruppe war, sagt gegen die anderen aus. Ein großer Erfolg für die Ermittler. Die Verteidigung zieht dagegen die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen massiv in Zweifel.Dann, am 31. Mai 2023, wird Lina E. verurteilt, zu fünf Jahren und drei Monaten Haft. Die Verlesung des Urteils endet aber mit einer Überraschung: Lina E. kommt – nach fast 1.000 Tagen in Untersuchungshaft – unter Auflagen frei.Wenn Euch unser Podcast gefällt oder wenn Ihr Hinweise und Kritiken habt, dann mailt uns an: [email protected]Und hier unser Podcast-Tipp: Im Visier
Das erste, was die Öffentlichkeit von Lina E. sieht, ist ein Foto. Es zeigt sie, wie sie in Handschellen und von Polizisten umringt aus einem Hubschrauber steigt. Der Fall, die Angriffe auf Neonazis, der Prozess - all das findet bundesweit Beachtung. Aber wer ist die Frau, die vom Oberlandesgericht Dresden als Linksextremistin verurteilt wurde? In dieser Folge begeben sich Marc Zimmer, Anton Zirk und Edgar Lopez auf Spurensuche. Lina E. selbst gibt keine Interviews oder Erklärungen. Trotzdem lässt sich einiges über sie herausfinden – zum Beispiel in ihrer Heimatstadt Kassel, wo die Autoren hingefahren sind. Auch in Leipzig-Connewitz hat die Studentin Spuren hinterlassen. Dutzende Gespräche haben die Autoren geführt, unter anderem mit ehemaligen Arbeitskollegen und Weggefährten - auch mit einem JVA-Beamten. Dazu gibt es Beobachtungen aus dem Prozess. Dort wird beispielsweise deutlich, welch wichtige Rolle Familie und Freunde für die Angeklagte spielen, insbesondere ihre Mutter. Warum greift eine junge Frau Rechtsextreme an und setzt damit ihre Zukunft aufs Spiel? Die Autoren konnten über mögliche Motive exklusiv mit gewaltbereiten Antifas sprechen, die selbst Neonazis attackiert haben.Wenn Euch unser Podcast gefällt oder wenn Ihr Hinweise und Kritiken habt, dann mailt uns an: [email protected]Und hier unser Podcast-Tipp: Der ARD-Podcast 11KM
In dieser Folge nehmen wir Euch mit in den Leipziger Süden. Über Connewitz kursieren viele Klischees: Das kleine gallische Dorf, das sich gegen rechte Umtriebe in Sachsen wehrt. Subkulturelles Zentrum, aber auch Rückzugsort für die linksextreme Szene, Hotspot für Demonstrationen und Ausschreitungen. Lina E., ursprünglich aus Kassel, zog vor Jahren nach Connewitz. Im Leipziger Süden fand die Studentin ein neues Zuhause. Auch in politischer Hinsicht. Ihr Name ist wegen der „Free Lina“-Graffitis im Kiez allgegenwärtig. Doch dort möchte kaum jemand offen über das Thema sprechen.Marc Zimmer, Anton Zirk und Edgar Lopez erfahren bei ihren Recherchen, dass die Bewohner von Connewitz schon immer etwas aufmüpfig waren. Das geht zurück bis in die Nazizeit. Eine wichtige Rolle spielen auch die Nachwende-Jahre. Die Autoren sprechen mit Menschen, die lange im Viertel leben und zum Teil genervt sind von den ständigen Negativ-Schlagzeilen. Sie treffen den Leiter des Polizeireviers, dessen Außenstelle im Viertel mit Angriffen der linksautonomen Szene zu kämpfen hat, der seine Arbeit in Connewitz aber trotzdem nicht missen will. Sie sprechen mit einem Autonomen, der selbst, wie Lina E., Neonazis ausgespäht und überfallen hat. Er war nur zu einem Treffen bereit, wenn er anonym bleiben kann. Und er hat eine überraschende Perspektive auf die Taten der Gruppe…Wenn Euch unser Podcast gefällt oder wenn Ihr Hinweise und Kritiken habt, dann mailt uns an: [email protected]Und hier unser Podcast-Tipp: Springerstiefel - Fascho oder Punk?
In dieser Folge nehmen wir Euch mit nach Eisenach. Die Stadt in Thüringen ist eine Hochburg für Neonazis, ein selbsterklärter „Nazi-Kiez". Hier hat die Gruppe um Lina E. gleich zweimal zugeschlagen. Ihr Ziel war Leon R., Betreiber einer rechten Szenekneipe und Rechtsextremist. Marc Zimmer, Anton Zirk und Edgar Lopez haben sich Tatorte angeschaut und rekonstruiert, wie einer der Überfälle ablief. Aus Sicht der Angreifer endete die Aktion in einem Fiasko: Leon R. blieb unverletzt, Lina E. wurde auf der Flucht von der Polizei geschnappt.
Neben den Attacken in Eisenach geht es in dieser Folge auch um die anderen Taten, die der Gruppe um Lina E. zugeschrieben werden. Eine erfolgte direkt in Connewitz, das bundesweit als linke Hochburg gilt - und in dem einige der Beteiligten selbst wohnten.
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Und hier unser Podcast-Tipp: Extrem rechts – Der Hass-Händler und der Staat
Als Lina E. im November 2020 festgenommen wird, ist das Medienecho riesig. Eine junge Frau als Teil einer kriminellen Vereinigung, die Jagd auf Neonazis macht – das sorgt für Wirbel. Lina E. ist für Teile der linken Szene eine Ikone, für andere eine Hassfigur. Was macht diesen Fall so besonders? Welche Fragen wirft er auf? Warum ist er von bundesweiter Bedeutung?Diesen Fragen gehen Marc Zimmer, Anton Zirk und Edgar Lopez im ersten Teil des Podcasts nach. Sie haben Kontakte aufgebaut: zu Sicherheitsbehörden, zur Politik und in die linke Szene hinein. Sie wollten wissen, wie sie über den Fall denken und ob die Medienschlagzeilen wirklich zutreffen. Schnell wurde ihnen klar: So einfach, wie Vieles klingt, ist es in Wirklichkeit nicht. Der Fall hat viele Facetten. Er wirft grundlegende Fragen auf, die uns als Gesellschaft alle angehen.Wenn Euch unser Podcast gefällt oder wenn Ihr Hinweise und Kritiken habt, dann mailt uns an: [email protected]Und hier unser Podcast-Tipp: Die Spur der Täter (True Crime)Außerdem haben sich auch unsere Kollegen von MDR Investigativ in einer exactly-Doku mit dem Fall Lina E. befasst.