- 10 minutes 17 secondsBei Jesus gemütlich machenDer Bibeltext 1. Johannes 2,18-29 – ausgelegt von Joseph Drescher.
Streit um die Wahrheit
Mussten Sie schon mal einen Streit zwischen zwei Kindern schlichten? Beide kommen auf mich zugerannt. Das eine ist wütend, das andere weint. Die Geschichten, die sie mir erzählen, können unterschiedlicher nicht sein. Am Ende ist immer der andere schuld. Dann wird wild diskutiert und Vorwürfe fliegen durch den Raum. Wer sagt denn jetzt die Wahrheit? Meistens müssen sich am Ende beide beieinander entschuldigen. Und sie geben zu, dass der andere auch ein bisschen Recht hatte. Diskussionen durchziehen unseren Alltag. Auch im religiösen Bereich kenne ich Diskussionen: Welche Religion hat Recht? Oder haben alle irgendwie Recht? Gibt es überhaupt eine feste Wahrheit? Und selbst innerhalb der Kirche zankt man sich, wer die Bibel nun wirklich richtig auslegt. Also, was ist denn jetzt die Wahrheit? Und woher weiß ich, dass ich tatsächlich die Wahrheit kenne? Kann es nicht sein, dass ich an eine Lüge glaube?
Der Heilige Geist zeigt, wer Jesus ist
Genauso ist die Situation in den Gemeinden damals auch. Das Streitthema dabei ist: Ist Jesus wirklich der Christus, der Retter der Welt? Dieser Streit ist für Johannes der Beweis, dass die letzte Stunde angebrochen ist. Damit meint er die Zeit vor der Wiederkunft Jesu. In dieser Zeit ist es normal, dass es beides gibt: Menschen, die Jesus annehmen, und Menschen, die ihn ablehnen. Das Auftreten dieser Antichristen, also Gegner von Jesus, ist deshalb nicht überraschend. Schmerzhaft ist es allerdings schon, weil unter ihnen auch ehemalige Freunde sind. Wie geht Johannes mit diesem Streit und diesen Antichristen um? Ich hätte mich wahrscheinlich in die Diskussion gestürzt. Aber Johannes macht etwas anderes. Er diskutiert nicht. Er beruft sich nicht auf sein Wissen, sondern auf die Autorität des Heiligen Geistes. Er schreibt, dass die Christen die Salbung des Heiligen empfangen haben. Damit meint er den Heiligen Geist. Und dieser schenkt das Wissen, wer Jesus ist. Johannes muss nicht noch einmal erklären, was sie glauben. Das wissen sie bereits. Er erklärt, woher dieses Wissen kommt. Es kommt nicht dadurch, dass sich die Menschen gegenseitig davon überzeugen. Sondern es kommt durch den Heiligen Geist. Das ist ein Zeichen des Neuen Bundes, der im Alten Testament angekündigt wird. Der Prophet Jeremia hat darüber geweissagt. Es steht in Jer 31,33–34:
Jesus Christus: Gottes Weg zur Rettung
„Ich werde ihr Denken mit meinem Gesetz füllen, und ich werde es in ihr Herz schreiben. Und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. 34 Niemand muss dann noch seine Freunde belehren, und keiner seinen Bruder ermahnen: »Lerne den HERRN kennen!« Denn alle werden mich kennen, alle, vom Kleinsten bis hin zum Größten“, spricht der HERR. „Und ich will ihnen ihre Sünden vergeben und nicht mehr an ihre bösen Taten denken.“
Gott möchte mit Menschen in Beziehung sein. Gott, der Vater, sieht nur einen Weg, sie zu retten: indem er seinen eigenen Sohn für sie hingibt. Dieser Sohn ist Jesus Christus. Christus bedeutet „Gesalbter“. Damals wurde man für eine bestimmte Aufgabe oder ein bestimmtes Amt gesalbt. Jesus ist beauftragt, Frieden zu schaffen zwischen Gott und Mensch. Er tut das, indem er am Kreuz Ihre und meine Schuld auf sich nimmt. Die Sünde wird durch seine Auferstehung besiegt. Was Jesus tut, bekomme ich durch den Heiligen Geist geschenkt. Er bezeugt, was Jesus getan hat, und führt uns in die Wahrheit. Diese Rettungsaktion ist nur durch den dreieinen Gott möglich. Der eine Gott hat in seinen drei Personen diese Rettung ermöglicht. Wer Jesus, den Retter, leugnet, der streitet auch Gott, den Vater, ab. Er nimmt nicht die Möglichkeit an, wieder mit Gott ins Reine zu kommen. Stattdessen versucht er, selbst einen Weg zu finden. Doch die Suche danach ist vergeblich. Ich kenne die Wahrheit. Das ist die Botschaft, die die Christen von Anfang an weitererzählt haben. Das ist die gute Nachricht, die Leben verändert. Und sie ist mehr als nur ein theoretisches Konstrukt. Sie ist eine Person: Jesus. Gemeinschaft mit Gott ist nur durch ihn möglich.
In Gott bleiben und Frucht bringen
Und wenn ich an dieser Erkenntnis festhalte, dann bleibe ich auch in Gott. Bleiben bedeutet, Gott zu kennen und bei ihm zu wohnen. Ich bleibe bei Gott, indem ich mich bei ihm einrichte und es mir bei ihm gemütlich mache. Das schließt mein Denken, mein Handeln und mein ganzes Sein ein. Außerdem bleibe ich auch für immer bei ihm, weil er mir das ewige Leben schenkt. Ich kann sicher sein, dass der Heilige Geist in mir bleibt. Ich brauche keine Angst zu haben, dass er mich verlässt. Andersherum ist es meine Aufgabe, an der Wahrheit festzuhalten. Wenn ich das tue, dann wird das Früchte tragen. Dazu gehört, dass ich mich auf seine Wiederkunft freue. Ich brauche keine Angst davor zu haben, dass mir irgendetwas zustoßen könnte. Denn er hat mir ewiges Leben versprochen. Eine weitere Frucht ist mein Tun. Wenn ich in Gott wohne, dann wirkt sich das auf meine Taten aus. Gott ist gerecht, also werde ich als sein Kind auch gerecht handeln. Der Apfel fällt bekanntermaßen nicht weit vom Stamm.
Was ist also die Wahrheit? Die Wahrheit ist: Jesus hat die Welt gerettet. Diese Wahrheit ist vertrauenswürdig, weil der Heilige Geist sie bezeugt. Wer an diese Wahrheit glaubt, der hat Gemeinschaft mit Gott. Wenn ich in der Wahrheit bleibe, führt das zu guten Früchten. Also bleibe ich in Gott.
Wie können Sie es sich heute bei ihm gemütlich machen? Ich mache es gerne, indem ich ihm Danke sage. Danke, Jesus, dass du meine Sünden auf dich genommen hast. Danke, dass ich mich deshalb nicht mehr vor dir verstecken muss. Stattdessen darf ich mit dir leben. Danke.
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Autor: Joseph Drescher
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25 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 51 secondsDie Welt ist nicht genugDer Bibeltext 1. Johannes 2,12-17 – ausgelegt von Wilfried Schulte.
Gemeinschaft mit Gott und Wachstum im Glauben
„Die Welt ist nicht genug“ – dieser Satz ist mehr als nur der Titel eines James-Bond-Films. Es ist eine Wahrheit, die die Menschheit schon immer begleitet hat. In der Bibel lesen wir: „Himmel und Erde werden vergehen“ und „was sichtbar ist, das ist zeitlich“. Die Endlichkeit des Lebens ist jedem Menschen bewusst. Dem Apostel Johannes ist es ein Anliegen, dass die Nachfolger Jesu ihr Leben in Gemeinschaft mit dem lebendigen und ewigen Gott und ihre Berufung nicht aus den Augen verlieren.
Johannes liebt die Gemeinde, und in unserem heutigen Bibeltext spricht er in einer Art Gedichtform zu ihr. Er spricht zu den Kindern, Vätern und jungen Männern. Dabei geht es in erster Linie nicht um das biologische Alter, sondern er beschreibt die Entwicklung eines Glaubenswegs, auf dem jeder Christ sich befindet.
Glaube ist nicht nur eine erkannte Wahrheit, die ich vertrete. Es ist ein Prozess, in dem die erkannte Wahrheit aus dem Glauben heraus gelebt wird – ein Prozess, in dem ich wachsen darf. Es ist dieses Wachstum, das den Glauben festigt, erfahrbar und sichtbar macht.
Johannes ermutigt die Christen damals wie auch uns heute, nicht aus den Augen zu verlieren, was uns Gottes Liebe alles geschenkt hat. Er erinnert daran, dass die Sünden vergeben sind. Dass der gnädige Gott durch Jesus einen Weg gebahnt hat, auf dem Wahrheit und Leben jedem geschenkt werden, der Gottes Geschenk der Erlösung annimmt. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen. Wir leben aus dem, was Christus für uns getan hat. Wir sind Gottes Kinder.
Die Worte, die Johannes an die „Väter“ richtet, sind eine Ermutigung, indem er daran erinnert, was Nachfolger Jesu an Verständnis und Erkenntnis schon gewonnen haben. Je länger und intensiver wir mit Gott leben, desto mehr wächst unsere Erkenntnis über Gott: sein Wesen, seine Liebe, seine Macht, seine Geduld und Langmut, seine Freundlichkeit und Güte. Je mehr ich Gott vertraue und ihm nachfolge, desto mehr bestätigt sich der Glaube an den lebendigen Gott. Ganz im Sinne des Liedtextes von Hella Heizmann: „Da kann man nur staunen über Gott“.
Die ersten Glaubenserfahrungen auf dem Weg mit Gott basieren auf der Erkenntnis der Macht Gottes, Sünde zu vergeben und mein Leben zu verändern. Eine Erfahrung der jungen Männer, die erleben, wie lebendig, belebend und alltagsverändernd der Glaube an Gott ist.
Johannes erinnert Kinder, Väter und junge Männer daran, wer sie sind, wem sie gehören und was für sie getan wurde.
Das ist wichtig. Christlicher Glaube beginnt nicht mit Leistung, sondern mit Gnade. Wir müssen uns Gottes Liebe nicht verdienen. Wir leben aus dem, was Christus für uns getan hat. Wir sind Kinder Gottes und unsere Heimat ist im Himmel.
C. S. Lewis hat es einmal so formuliert: „Wenn ich in mir eine Sehnsucht spüre, die durch keine Erfahrung dieser Welt gestillt werden kann, ist die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass ich für eine andere Welt geschaffen wurde.“
Die Vergänglichkeit der Welt
Deshalb schreibt Johannes in Vers 15: „Habt nicht lieb die Welt noch, was in der Welt ist.“ Alles, was diese Welt bietet, hat ein Verfallsdatum. Die Welt ist nicht genug.
Johannes erinnert uns daran, dass all diese Dinge vergänglich sind. Was heute begehrt wird, ist morgen vergessen. Was heute groß erscheint, kann morgen verschwunden sein. Die Welt mit ihren Verlockungen hat keine Zukunftsaussichten.
Weltliche und geistliche Glaubenswelten
Den Werten dieser Welt mit ihren Ansprüchen und Begierden stellt Johannes den ewigen Willen Gottes gegenüber. Wir sollen diese Welt nicht lieben, ihr aber auch nicht entfliehen, denn Jesus sagt in Johannes 17 ausdrücklich, dass wir in diese Welt gesandt sind. Jedoch sollen wir uns nicht vom „Weltgeist“ infizieren lassen, sondern als Licht und Salz in dieser Welt wirken.
Wir leben mittendrin in dieser Welt und die Ansteckungsgefahr ist groß. Ich kann die Welt in zwei Glaubenswelten aufteilen – eine weltliche und eine geistliche.
Die eine steht für einen Glauben an einen Schöpfer, und die andere Glaubenswelt hat eine zufällige Entwicklung als Basis. In der geistlichen Glaubenswelt bin ich einem Schöpfer gegenüber verantwortlich. In der weltlichen Glaubenswelt bin ich ein Produkt des Zufalls, und dem kann ich keine Rechenschaft schuldig sein.
Diese beiden Welten kann ich nicht auf einen Nenner bringen.
Ich kann respektvoll mit den verschiedenen Glaubenswelten umgehen, aber sie lassen sich nicht vereinen. Die Welt geht ihren Weg, alles verändert sich und vergeht.
Johannes schreibt: „Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“
Mit der Warnung „Habt nicht lieb die Welt“ meint Johannes nicht die Schöpfung Gottes oder die Menschen, die Gott liebt. Mit „Welt“ beschreibt er das Denken und Leben, das sich von Gott löst und ihn nicht braucht.
Gottes Wille als Halt und Hoffnung
In 1. Johannes 2,16 steht nach der „Neues Leben“-Bibelübersetzung: „Denn die Welt kennt nur das Verlangen nach körperlicher Befriedigung, die Gier nach allem, was unsere Augen sehen, und den Stolz auf unseren Besitz. Dies alles ist nicht vom Vater, sondern kommt von der Welt.“ (NL)
In der Neuen Genfer Übersetzung liest es sich so: „Denn nichts von dem, was diese Welt kennzeichnet, kommt vom Vater. Ob es die Gier des selbstsüchtigen Menschen ist, seine begehrlichen Blicke oder sein Prahlen mit Macht und Besitz – all das hat seinen Ursprung in dieser Welt.“ (NGÜ)
„Nicht lieb haben“ bedeutet: nicht dein Herz daran hängen, nicht darin deine Identität, Sicherheit und Freude suchen. Alle Menschen haben Grundbedürfnisse wie Sicherheit und Geborgenheit, Angenommen- und Verstandenwerden. Wenn ich versuche, diese Bedürfnisse mit Angeboten zu stillen, die vergänglich sind, dann ist mein Leben wie ein Haschen nach Wind.
Wenn mein Besitz mein Wertgefühl bestimmt: Wann ist dann genug wirklich genug, und was ist, wenn mein Besitz verloren geht oder wertlos wird? Wenn Anerkennung von Menschen meinen Selbstwert bestimmt: Was geschieht dann, wenn die Menschen ihre Meinung ändern oder nicht mehr da sind?
Die Welt ist nicht genug.
Es gibt mir Hoffnung und macht mich froh, dass es eine Alternative gibt: „wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit“ – ein Leben, das auf Gottes Willen und seine Liebe ausgerichtet ist, gibt mir Halt für Zeit und Ewigkeit.
Zwei Fragen möchte ich Ihnen gerne mitgeben:
Wo merken Sie bei sich am stärksten die Versuchung, Ihr Herz nach dieser „Welt“ auszurichten, anstatt an Gottes Willen? Und was tun Sie, damit Ihre Liebe zu Gott lebendig bleibt und immer weiter wächst?
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Autor: Wilfried Schulte
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24 August 2026, 10:00 pm - 7 minutes 53 secondsLiebe ist gefragtDer Bibeltext 1. Johannes 2,7-11 – ausgelegt von Rahel Haller.
Das Gebot der Liebe ist alt
Nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das aber gleichzeitig auch ein neues Gebot ist … Ich denke, die Empfänger des Johannesbriefs im ersten Jahrhundert waren genauso verwirrt wie Sie und ich jetzt gerade. Was ist es denn nun und was bedeutet das für uns?
Lassen Sie uns den Textabschnitt etwas genauer betrachten: Der Apostel Johannes beschäftigt sich im 1. Johannesbrief öfters damit, wie das Leben eines Christen aussehen sollte und woran echter Glaube erkennbar wird. Der heutige Abschnitt beschäftigt sich genau damit. Es geht um das Gebot der Liebe und dem Leben im Licht. Und das ist heute für Sie und mich genauso relevant und wahrscheinlich genauso herausfordernd wie für die Christen damals.
„Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt.“ (V. 7b), heißt es. Vielleicht ist hier das Wort Jesu gemeint, der seinen Jüngern im Johannesevangelium, Kapitel 13,34, das Gebot gibt, dass sie einander lieben sollen, so wie Jesus sie geliebt hat, denn daran wird jeder erkennen, dass sie seine Jünger sind.
Auch im Alten Testament ist das Gebot der Nächstenliebe bekannt, und Jesus hebt es als eines der wichtigsten Gebote hervor.
Das Gebot der Liebe ist neu
Und damit bin ich bereits bei dem 2. Punkt, „Das Gebot der Liebe ist neu“. Denn erst in Jesus wird für die Menschen sichtbar, wie diese Nächstenliebe aussieht. JesusChristus, ganz Gott und ganz Mensch, verlässt die Herrlichkeit des Himmels und kommt auf die Erde, um für die Schuld der Menschen zu sterben und sie mit dem Vater zu versöhnen. Auch für Sie und für mich.
Er hat uns so sehr geliebt, dass das Kreuz ihm nicht zu schwer, die Verletzungen ihm nicht zu schmerzhaft sind, er die Ablehnung der Menschen erduldet, sich verspotten lässt und den Tod erträgt, sodass alle, die an ihn glauben, durch seine Auferstehung mit ihm in Ewigkeit auferstehen.
Das ist das Evangelium, die gute Nachricht, die diese göttliche Liebe zeigt, die es noch nie vorher gegeben hat. Jesus hat ALLES gegeben, sich ganz hingegeben. Aus Liebe zu uns.
Und jetzt sollen wir auch lieben. Das ist das neue Gebot.
Wer liebt, ist im Licht
Ich habe den Abschnitt in vier einfache Punkte zusammengefasst und erläutere sie anschließend nacheinander. Die Punkte sind:
- Das Gebot der Liebe ist alt.
- Das Gebot der Liebe ist neu.
- Wer liebt, ist im Licht.
- Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit.
Ich beginne mit dem ersten Punkt, „das Gebot der Liebe ist alt“. Keine neuen Schlagzeilen, keine bahnbrechende Veränderung. Johannes betont, dass er nichts Neues von den Christen der Gemeinde fordert, sondern nur das, was sie eigentlich bereits wissen und leben sollten.
Und der dritte Punkt schließt daran direkt an: Wer liebt, ist im Licht. Jesus hat uns damit ein Beispiel gegeben, wie wir uns gegenseitig lieben sollen. Und das ist manchmal schwer. Manchmal hart.
Es ist hart, wenn ich Kinder liebevoll jahrelang erziehe und sie irgendwann vielleicht den Kontakt abbrechen. Oder wenn ich meinem Partner jeden Tag liebevoll Frühstück mache und er sich nie bedankt oder die Ehe trotzdem in die Brüche geht. Wenn ich für andere alles gebe, aber sich niemand um mich kümmert.
Aber das ist diese selbstlose Liebe, die unabhängig vom Ergebnis ist und sich selber ganz hingibt. Nicht, weil ich mich dadurch besser fühle oder etwas bekomme, sondern weil ich in Jesus schon alles bekommen habe und deshalb meinen Nächsten liebe. Aus der Fülle Gottes und nicht aus meinem menschlichen Mangel heraus.
Und hier verwendet Johannes das Bild vom Licht. Wenn wir lieben, leben wir im Licht. Das Bild von Licht wird oft verwendet für Gott und steht im Gegensatz zur Dunkelheit.
Vers 10 sagt: „Wer seinen Bruder liebt, (lebt) bleibt im Licht.“
Das ist eine einfache Aussage, und doch hängt so viel daran. Ich möchte gerne im Licht leben. Regelmäßig versage ich darin, zu lieben. Und dann erinnere ich mich immer wieder daran, wie oft es in Gottes Wort heißt, dass ich selber es auch nicht verdient habe, geliebt zu werden, und Jesus es trotzdem tut.
Und ich mache mir bewusst, dass es nicht mein Urteil ist, ob die Mitmenschen Liebe verdienen. Jesus fordert von seinen Nachfolgern diese Liebe, und ihm will ich gehorchen. Und so oft habe ich schon erlebt, dass der Heilige Geist mir hilft, Leute zu lieben, und es plötzlich so viel leichter gefallen ist.
Denn in erster Linie ist dieses Liebesgebot keine Emotion, sondern eine Entscheidung zum Gehorsam meinem Herrn gegenüber.
Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit
Und daraus folgt der vierte Punkt: Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit. Das ist eine Realität, genauso wie das Wandeln im Licht. Finsternis geht mit Orientierungslosigkeit einher, und Gott ist nicht in der Dunkelheit.
Kurz und knackig, aber auch ehrlich. Unsere Liebe zu den Menschen und zu Gott entscheidet, wo wir in Ewigkeit wandeln. Ich möchte nicht in der Finsternis wandeln, sondern im Licht. Und bin dankbar, dass Johannes uns in diesem Abschnitt an das alte Gebot erinnert, das gleichzeitig neu ist und relevant für uns heute.
Lasst uns im Licht leben und die Menschen lieben, so wie Christus uns geliebt hat!
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Autor: Rahel Haller
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23 August 2026, 10:00 pm - 10 minutes 42 secondsGeformt von Gottes HändenDer Bibeltext Psalm 119,73-80 – ausgelegt von Jochen Schenk.
Von Gottes Hand gemacht
Mussten Sie schon einmal einen Psalm abschreiben? Als Strafarbeit? Ich schon. Aufgebrummt wurde mir Psalm 118. Mittellang, sehr schöner Psalm. Ich hatte aber eine andere Idee. Könnte ich vielleicht nicht auch den Psalm 117 …? Auch sehr schön und nur zwei Verse lang. Die Religionslehrerin war schlagfertig und drohte mir Psalm 119 an. 176 Verse. Prinzipiell finde ich es eher schwierig, Psalmen als Strafarbeit zu verhängen. Obwohl: Manche wirken vielleicht wie eine Art Strafarbeit, wenn ich sie bete. Da macht unser Textabschnitt keine Ausnahme.
Ausnahme. Der Anfang ist erst mal großartig:
Psalm 119, Vers 73: Deine Hand hat mich gemacht und bereitet; unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne.
Die Hand Gottes: Sie hat das Startsignal für diese Welt gegeben und sie winkt die Weltgeschichte irgendwann ab. Anfang und Ende liegen in seiner Hand. Er hat’s im Griff. Seine Hand hat auch mich gemacht.
Wenn es eine entscheidende Sache gibt, die ich nie vergessen darf, dann diese. Jürgen Werth hat es großartig zusammengefasst: Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur, ganz egal, ob Du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur. Du bist ein Gedanke Gottes, ein genialer noch dazu, du bist du, das ist der Clou. Ich bin ein Gedanke Gottes und seine Hände haben mich geformt. Ich bin gewollt, begabt und geliebt. Ich bin ein Werk des größten Meisters. Durch seine Hand wurde ich nicht nur irgendwann einmal geschaffen. Ich lasse mich heute in sie fallen. Er ist mein Halt. Beim Turnen gibt es die Hand-Hilfestellung. Sie soll vor Verletzungen schützen und Bewegungsabläufe einüben. Genau so begebe ich mich auch in Gottes Hand: Unterweise mich, dass ich deine Gebote lerne. Die Gute-Nachricht-Übersetzung gibt es so wieder:
HERR, hilf mir, deinen Willen zu verstehen!
Wenn ich mir bewusst bin: Ich bin von Gottes Hand gemacht und ich nach Gottes Willen frage: Dann kann mein Leben gelingen.
Das gilt dann nicht nur für mich selbst, sondern ich strahle das auch aus.
Hoffnung, die aus Gottes Wort ausstrahlt
Vers 74:
„Die dich fürchten, sehen mich und freuen sich; denn ich hoffe auf dein Wort.“
Es gibt Menschen, die betreten einen Raum und die Sonne geht auf. Und es gibt Sonnenfinsternisse auf zwei Beinen. Wenn sie sich nähern, dann wird es nicht nur dunkel, sondern kalt. Die Menschen aber, die sich Hoffnung aus Gottes Wort holen, geben diese weiter. Sie strahlen das aus, dem sie sich selbst ausgesetzt haben.
Die erfahrene freundliche Nähe Gottes wirkt ansteckend.
Gnade als Trost und Training
Jetzt kommt ein echt abgefahrener Vers. Vers 75:
„HERR, ich weiß, dass deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt.“
Dieser Vers ist kein Klagevers. Ich war kürzlich bei einer Hochzeit und habe zwei sehr bewegende Eheversprechen gehört. Das hier wäre doch mal was anderes: Du darfst mich immer beurteilen und demütigen. Mach, was Du willst. Als Eheversprechen echt gewagt, nicht aber im Vertrauen auf Gott. Im Wissen, dass ER gerecht entscheidet und mich nicht leiden lässt, um mir zu schaden. Gott ist barmherzig und gnädig, das lerne ich in den beiden folgenden Versen. Das kann ich in meinem Leben lernen, besser gesagt: trainieren. Ich lerne es nicht durchs Bibelstudium, sondern durch Glaubenspraxis. Mein HERR ist mein Trainer, der mir zeigt, wie es geht. ER macht es mir vor. Als der Fußballer Xabi Alonso noch Trainer bei Bayer Leverkusen war, hat mich eine Szene fasziniert. Nicht, wie er Anweisungen gibt, wie er einen Matchplan erklärt, wie er coacht. Sondern, wie er im Training eine millimetergenaue Flanke geschlagen hat. Er hat seinen Spielern nicht nur etwas erklärt, er hat es genial vorgeführt. So will mich auch mein HERR führen. Psalm 119, Vers 76 und 77:
„Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast. Lass mir deine Barmherzigkeit widerfahren, dass ich lebe; denn ich habe Freude an deinem Gesetz.“
Ich bin sein Knecht. Ein Wort, das wieder nach Unterdrückung und Demütigung klingt. Das kommt aber – und zwar ausschließlich – auf den Herrn des Knechtes an. Wenn der ihn gut behandelt, ordentlich bezahlt und wertschätzt, dann bin ich gerne Knecht. Mir bleibt eindrücklich die Erinnerung an den Fahrer eines wichtigen Mannes. Der Fahrer hat Stolz und Würde ausgestrahlt. Ich bin der Fahrer vom Herrn Soundso. Etwas vom Glanz seines Dienstherrn hat auf ihn ausgestrahlt. Es ist ihm eine Ehre. Er ist stolz und hat Grund dazu. Nicht so die, von denen der Beter jetzt berichtet:
„Ach, dass die Stolzen zuschanden würden, die mich mit Lügen niederdrücken! Ich aber sinne nach über deine Befehle.“
Gottes Wort und eine tragende Gemeinschaft
Die unverdientermaßen Stolzen regieren mit ihren Lügen unsere Welt. Aber ich habe die Gewissheit, dass es jeder eines Tages bereuen wird. Wer immer Druck auf andere ausübt, bekommt irgendwann den Gegendruck zu spüren. Eines Tages können sie keinen Druck mehr ausüben und dann kommt alles zurück. Die Lügen werden ein Ende finden. Was für ein Segen, wenn ich mit dem Kontakt habe, der die Wahrheit ist.
Dessen Befehle kann ich gut befolgen. Sie haben nichts mit Befehlen zu tun, denen bedingungslos Folge geleistet werden muss. Egal, ob diese Befehle mir schaden oder nicht. Solche Befehle sind meist unfreundlich, kurz und bündig. Sie werden gerne geschrien, um der Sache Nachdruck zu verleihen. Beim Militär traut sich das so schnell keiner, aber außerhalb des Militärs sagt man ja: Wer schreit, hat Unrecht. Wer sich nicht anders zu helfen weiß, ist unsicher. Er verbirgt seine eigene Schwäche damit. Bei unserem Herrn gibt es keine Schwäche. Sein Wort schreit uns nicht an. Es kommt auf leisen Sohlen. Es ist das mächtigste Wort der Welt. Leise, aber an Relevanz nicht zu überbieten. Gottes Wort eben. Die Autorität, sehr weitsichtig und weise. Anbetungswürdig.
In den letzten beiden Versen wünscht sich der Beter so eine Anbetungsgemeinschaft: Vers 79 und 80:
„Ach, dass sich zu mir hielten, die dich fürchten und deine Mahnungen kennen! Mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Geboten, damit ich nicht zuschanden werde.“
Der Beter wünscht sich, bei seinem Herrn und seinen guten Ordnungen für sein Leben zu bleiben. Das wünsche ich mir und Ihnen auch. Wenn ich mich mal davon entfernt habe, empfängt er mich immer wieder – ohne Strafarbeit mit offenen Armen.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Jochen Schenk
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22 August 2026, 10:00 pm - 10 minutes 40 secondsWas würde Jesus tun?Der Bibeltext 1. Johannes 2,1-6 – ausgelegt von Silke Mack-Rymatzki.
Jesus als Maßstab für unser Leben
Puhh, der letzte Satz klingt noch nach: „Wer behauptet, dass er zu Gott gehört, soll leben, wie Christus es vorgelebt hat.“ – Welch ein Anspruch! Dem kann ich auf gar keinen Fall genügen; ich kann nicht leben, wie Christus es vorgelebt hat.
Was sind die Eckpunkte für ein Leben, wie Christus es gelebt hat – mein Leben geben für die anderen, Liebe üben in allen Dingen, absolut gerecht und unfehlbar sein … in ganz enger Gemeinschaft mit dem Vater leben …
Diesem Anspruch kann kein Mensch genügen. Vielleicht dann eher so: „Ideale sind wie Sterne, wir werden sie nie erreichen, aber sie helfen uns, unser Boot richtig zu navigieren.“ Wir richten uns an Jesus aus, schauen auf ihn und nehmen sein Leben, seine Lebenseinstellung und sein Handeln als Maßstab für unser Leben. Vor vielen Jahren gab es einmal die Bewegung „Was würde Jesus tun?“ – Jugendliche trugen Armbänder mit der Aufschrift „WWJD“ – „What would Jesus do?“ – und versuchten sich bei jeder Entscheidung, jedem Wort, das sie anderen sagen, daran zu orientieren, was Jesus in der betreffenden Situation tun würde – was würde er sagen, wie würde er handeln. Das Bändchen hängt noch an meinem Schreibtisch und erinnert mich an diese Aktion. Oft habe ich es getragen, um mich an diese Frage zu erinnern … Was würde Jesus jetzt tun? Was würde er in dieser Situation sagen oder wie sieht er die Person an, die jetzt vor mir steht? Mit Augen der Liebe und mit dem Blick, der hinter die Fassade schaut, die mir vielleicht jetzt recht unfreundlich entgegentritt.
Er sieht den Menschen, wie er ihn sich gedacht hat, als er genau diese Person erschuf.
Meine Aufgabe ist es nun, diesen Menschen so zu lieben, dass dieses von Gott geliebte und geprägte Image hervorbrechen und hervorleuchten kann … Wie kann das geschehen? Menschen reagieren auf mich so, wie ich sie anspreche – liebevoll, fragend; dann ist da Raum, sich zu öffnen, sich zu verändern, Lösungen für Probleme zu suchen – Fragen und Offenheit eröffnen Räume und schaffen eine Basis für Gespräch und für ein tieferes Kennenlernen.
Wie unser Blick Menschen verändert
In meiner systemischen Ausbildung wurde ein Experiment besprochen, welches zu erstaunlichen Erkenntnissen kam. Ein Professor, der auf dem Gebiet der Verhaltensforschung arbeitete, untersuchte Ratten auf ihre Intelligenz. Eines Abends, als alle Assistenten und Assistentinnen aus dem Labor gegangen waren, befestigte er willkürlich Aufkleber an den Rattenkäfigen: „dumme Ratte“, „schlaue Ratte“, „dumme Ratte“, „dumme Ratte“, „schlaue Ratte“ und so weiter. Diese Einschätzung beruhte auf keiner Beobachtung oder irgendeiner objektiven Feststellung. Die Ratten konnten natürlich nicht lesen und sich selber dieser Einschätzung bewusst werden. Nun passierte etwas ganz Merkwürdiges. Die Ratten mussten Experimente machen – z. B. aus einem Labyrinth herausfinden, Schaltermechanismen bedienen, um Belohnungen zu erhalten, und noch weitere Experimente, die auf ihre Intelligenz Rückschlüsse zuließen.
Die Ratten, die der Professor als „schlaue Ratte“ deklariert hatte, schnitten in den Experimenten weit besser ab als die, die den Aufkleber „dumme Ratte“ erhalten hatten. Was war geschehen? Unbewusst hatte das Laborpersonal die schlauen und die dummen Ratten anders behandelt, sodass dann wirklich diese Ergebnisse herauskamen. Wenn so eine Klassifizierung schon bei Ratten funktioniert, wie ist es dann bei uns Menschen? Wenn wir jemandem gegenüberstehen, merkt der andere natürlich, was ich über ihn denke – das geschieht vollkommen auf der unbewussten Ebene. „Unterstelle“ ich dem anderen gute Absichten, eine liebevolle Art, Intelligenz …, wird er oder sie das bemerken und ein Stück weit so sein. Bemühe ich mich, den anderen mit dem liebevollen Blick von Jesus anzusehen, dann werden sich viel mehr die guten Eigenschaften zeigen, die Gott in mein Gegenüber hineingelegt hat. Ich begegne dem anderen unbewusst anders, als wenn ich ein schlechtes Bild von ihm habe, und ich kitzle praktisch die guten Eigenschaften aus meinen Mitmenschen heraus, wenn ich ihnen eher Gutes als Schlechtes unterstelle. Das alles geschieht ganz unbewusst auf meiner Seite und auch auf Seiten des anderen.
Menschen als Schatzsucher sehen
Ich bin Lehrerin und habe mir irgendwann einmal vorgenommen, in Bezug auf meine Schülerinnen und Schüler nicht die Defizitfahnderin zu sein, die mit dem Rotstift akribisch nach Fehlern sucht, sondern meine Arbeit eher als die einer Schatzsucherin zu verstehen, die bei den Kindern und Jugendlichen Schätze entdeckt und gemeinsam mit ihnen hebt und entwickelt. Das macht wirklich einen Unterschied. Heute kann ich sagen, mit dieser Haltung mag ich erst einmal grundsätzlich alle meine Schülerinnen und Schüler und bin neugierig auf den Menschen, der mir gegenüber sitzt; das bemerken die jungen Menschen. Das Klima in den Klassen ist ein anderes geworden. In den Geschichten, die in den Evangelien von Jesus berichtet werden, lese ich, dass Jesus in den Begegnungen mit Menschen eher Dinge positiv verändert, dass er ein Ermöglicher ist. Das möchte ich auch mehr und mehr sein: eine Ermöglicherin, die ihren Mitmenschen etwas zutraut und sich mitfreut, wenn dann etwas gelungen ist und der Mensch über sich selbst hinauswächst. Diese Haltung versuche ich auch im Alltag mehr und mehr einzunehmen, Menschen eher zu loben für Dinge, die sie gut gemacht haben, und über die noch nicht so schönen Umstände hinwegzusehen. Das verändert das Miteinander, das Klima und schafft Raum für positive Entwicklungen.
Im Anderen das Gute sehen und das Gute aus ihm herauslieben. So wie Gott auch in mir den Menschen sieht, den er sich bei der Erschaffung vorgestellt hat, der ich aber an verschiedenen Stellen vielleicht gar nicht mehr oder noch nicht bin.
Das kann heißen, so zu leben, wie Jesus gelebt hat.
Treue, Vergebung und Hoffnung
Johannes fragt hier auch, wie wir sicher sein können, dass wir Gott gehören.
Manchmal spüre ich Gott in meinem Leben nicht; er scheint mir unendlich fern oder der Glaube wie ein Ideenkonstrukt, das genauso gut einfach eine Wunschvorstellung sein könnte.
Wie gehe ich damit um? Johannes sagt: Mache einfach weiter, bleibe dran an Gott, halte dich an sein Wort und gehe weiter auf seinem Weg. In der Bibel wird das oft als Treue zu Gott bezeichnet. Ich bleibe treu und Gott zeigt sich mir wieder neu, manchmal an ganz unverhofften Stellen.
Und wenn ich in all dem Scheitern und meinen hohen Ansprüchen nicht gerecht werde, dann ist Gott da, dann ist er treu und gerecht. Wenn jemand scheitert, so schreibt Johannes hier, dann haben wir einen Fürsprecher beim Vater. Jesus Christus, der gerecht ist. Und er selbst ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein für die unseren, sondern für die der ganzen Welt. Aus dieser großartigen Vergebung und mit dem liebevollen Blick Jesu auf die Menschen leben, das sollte uns für jeden neuen Tag immer wieder ermutigen, mit Hoffnung auf die Welt zu blicken. Nicht Fehlerfahnder mit dem Rotstift zu sein, sondern Schatzsucher und Schatzsucherinnen auf der Suche nach den Schätzen, die Gott in unseren Mitmenschen verborgen hat. Und das macht unser Leben unendlich reich.
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Autor: Silke Mack-Rymatzki
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21 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 49 secondsDas Leben im LichtDer Bibeltext 1. Johannes 1,5-10 – ausgelegt von Lars Zimmermann.
Über dem Atlantik: Fehler erkennen und abfangen
Mehrere Jahre flog ich als Pilot über den Atlantik. Diesen queren täglich bis zu 4000 Flüge von Nordamerika nach Europa und umgekehrt. Es geht zu wie in einem Bienenschwarm. Alles aber schön geordnet auf Flugstraßen, die wie Autobahnen angeordnet sind. Es ist wichtig, dass jedes Flugzeug seine Wegpunkte einhält und zu einer bestimmten Zeit in einer bestimmten Höhe und mit einer festgelegten Geschwindigkeit überfliegt. In den Weiten dieses Ozeans gibt es keine Bodenfunk- und Radarstellen. Noch vor fünf Jahren mussten die Piloten mühsam via Langwellenfunk diese Punkte und Zeiten durchgeben. Je nach Position sitzt dieser Funklotse im kanadischen Gander oder im schottischen Prestwick. Das Ziel: Navigationsfehler zu entdecken und die aktuelle Position des Flugzeugs zu verfolgen.
Und doch: Wir Menschen machen Fehler. Täglich. NASA-Untersuchungen zeigen, dass jeder Pilot pro Stunde 3–5 kleinere Fehler macht. Die Luftfahrt ist deshalb so sicher, weil sie, wie andere Hochrisikobranchen auch, Fehler erwartet und abfängt. Fehler werden durch die Zusammenarbeit im Cockpit offen angesprochen und korrigiert.
Das muss ich lernen und vor allem zuallererst akzeptieren.
Warum ist es aber so schwer für uns Menschen, Fehler und Sünden einzugestehen?
Verbergen oder bekennen
Im 1. Buch Mose, Kapitel 3, 8 heißt es: „Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn zwischen den Bäumen.“
Wie töricht, zu meinen, ich könne mich vor Gott verstecken. Vor allem die Frage nach dem „Und was dann?“ wird gerne ausgeblendet.
Adam und Eva wussten, sie haben eine Sünde, einen großen Fehler begangen. Sie haben sich überreden, sich verleiten lassen.
Vor allem sind sie ihren eigenen, persönlichen Wünschen und Vorstellungen gefolgt. Sie haben sich eingeredet, es wird schon nicht so schlimm sein. Und was machen sie dann aus dieser Haltung heraus? Anstatt es Gott zu gestehen und um Verzeihung zu bitten, versuchen sie es, sich zu verbergen. Sich in die Finsternis zu flüchten. Aber denke ich nicht auch so?
Die Bibelverse aus dem 1. Johannesbrief bieten die Lösung und zeigen mir doch zugleich das Dilemma auf. Gott mein Licht, die Wahrheit durchdringt alles Dunkle.
Die Finsternis, die Sünde ist mir vergeben durch den Herrn JesusChristus. Ich bin eingeladen, ein neues Leben, das Licht, durch ihn zu finden.
Es muss aber mit der persönlichen Erkenntnis beginnen: Ich mache Fehler, bin nicht perfekt, werde auch verleitet. Ich soll dies erkennen, mir eingestehen, auch widerstehen und Gott um Vergebung bitten. Eigentlich ganz einfach.
Ausbildung, Selbstüberschätzung und Sicherheitskultur
In meiner Ausbildung zum Piloten fiel es mir teilweise nicht leicht, mein Können als Pilot einzuschätzen. Ich habe zu Beginn wenig Erfahrung und beginne mit kleinen Schritten, um schließlich große Verkehrsmaschinen zu fliegen. Auf diesem Weg sind Fehleranalyse und Umsicht immer meine Wegbegleiter. Heute sage ich: Gott, der Herr, ist für mich immer ein treuer Wegbereiter, der seine schützenden Flügel über mir ausbreitet.
Da gibt es aber immer, ich nenne sie, die „Top-Gun“-Piloten. Wie Maverick und der Titel dieses Hollywood-Blockbusters aussagen, fürchten sie weder Tod noch Teufel.
Bei ihnen scheint einfach alles zu klappen, mühelos lernen sie den Stoff und fliegen das Flugzeug scheinbar ganz grazil. Unsere Fluglehrer vergleichen natürlich nie öffentlich und stellen auch niemanden bloß. Was im Cockpit geschieht, bleibt im Cockpit. Es gibt wenige, die offen über ihre Fehler, Probleme und vielleicht auch Ängste sprechen. Es gilt, das Bild des perfekten Piloten zu wahren.
Dieser Selbstüberschätzung wirken Trainings entgegen. Sie sensibilisieren die professionellen Piloten und Flugbesatzungen dafür, dass es die Kleinigkeiten sind, die in einer Verkettung von unglücklichen Umständen zu einem Unglück führen können. Dennoch ist da die Tendenz, zu meinen: Das kann mir nicht passieren.
Die sogenannte Just Culture, übersetzbar durch Fehlerkultur, ist eine elementare Sicherheitsgrundlage im Luft- und Schienenverkehr. Die Einrichtung dieser Fehlerkultur ist gesetzlich von jedem Unternehmen gefordert. Man darf Fehler machen und melden, um für sich und andere im Unternehmen diese systematisch zu analysieren und Gründe für den entstandenen Fehler zu finden. Oftmals sind es tiefer liegende, systembedingte Ursachen und Risiken, die man feststellen und dann abstellen muss. Der Faktor Mensch bleibt aber immer.
In meiner Funktion als Notfall- und Kommunikationstrainer war es mir immer wichtig, auch eigene Fehler offen als Beispiele zu benennen. Dazu gehört eine Portion Mut und Selbsterkenntnis.
Der Faktor Mensch
Wie befreiend ist die Wahrheit! Wenn ich ins Licht trete und meine Schuld bekenne.
Fehler, Sünden, die ich im Leben begangen habe, werden wieder reingewaschen. Von diesem Zeitpunkt an beginnt ein neues Leben. Ich bin durch Christus neu geboren.
Was bleibt: Der Faktor Mensch. Ja, auch als Christ sündige ich weiter. Solange ich auf dieser Erde lebe, ist die Sünde da.
Da ist die Versuchung, der Neid über die vermeintlich besseren Lebensumstände des Nachbarn, die Selbstüberschätzung, das eigene Ego, die eigene Wahrheit über Beziehungen, wer welche Schuld auf sich geladen hat und wer sich bei mir zu entschuldigen hat. Ich möchte vielleicht die Position meines Vorgesetzten, weil ich denke, ich kann den Job besser machen. Der Mensch spielt sich oft gerne selbst als Richter auf, will aber nicht selbst gerichtet werden.
Wer meint, mich trifft keine Schuld, macht sich selbst etwas vor. Schlimmer noch: Mit einer solchen Einstellung kehre ich das Wort um und sage zu Gott: Es ist nicht so, du bist der Lügner! Dasselbe gilt für Menschen, die sich als Christen bezeichnen, aber dann nicht nach Jesu Vorbild leben, kritisieren, verurteilen, verunglimpfen – schlicht seinen Nächsten nicht lieben.
Gefährlich sind auch die kleinen Sünden, manchmal einfach nur Gedanken, die anderen verborgen bleiben. Sie sind plötzlich da und irgendwie auch normal. Ich mache mir mein eigenes Bild. Wird schon nicht so schlimm sein. Die heutige Achtsamkeitskultur stellt mich dabei in den Mittelpunkt. Ich darf das! Es dient meinem Wohlbefinden. Das ist nicht schlecht! Doch ist es!
Sünde bleibt Sünde. Johannes der Täufer nennt es klar beim Namen: Tue Buße, kehre um und nimm Jesus Christus als deine Wahrheit an.
Schlimm, wenn ich in meinem Leben nie diese Erkenntnis erlange, dass ich etwas korrigieren – Schuld eingestehen – muss.
Dann verbaue ich mir auch den Weg der Buße und den Weg zur Wahrheit. Ich werde fehlgeleitet, auf Basis meiner eigenen Fehleinschätzung.
So ist es nicht verwunderlich, dass in der modernen Luftfahrt der Mensch der häufigste Grund für Flugkatastrophen ist. Ursache: Fehleinschätzung der Lage und fehlendes Situationsbewusstsein.
Die für uns Menschen und Christen unbequeme Wahrheit: Wir sündigen und sind eingeladen immer wieder um Vergebung bitten. Nur so bleiben wir in Gemeinschaft mit Jesus Christus – auf Ewigkeit! Helfen wir uns gegenseitig auf diesem Weg, vergeben und bekennen einander unsere Sünden, vor Gott, vor Jesus und unseren Mitmenschen.
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Autor: Lars Zimmermann
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20 August 2026, 10:00 pm - 8 minutes 52 secondsGehört, gesehen, betrachtetDer Bibeltext 1. Johannes 1,1-4 – ausgelegt von Lothar Beaupain.
Augenzeugenschaft und Ursprung der Botschaft
Im Bibeltext unserer Tageslese ziehen die Verben sofort meine Aufmerksamkeit auf sich. „Gehört, gesehen, betrachtet und betastet“, heißt es in Vers 1. In Vers 2: „Erschienen, gesehen, bezeugen und verkündigen.“ Und auch in Vers 3 und 4: „Gesehen, gehört, verkündigen und schreiben.“ Ich empfinde die Power, die Dynamik in der dichten Folge dieser Verben. Den Schreiber drängt es, von dem zu berichten, was er erlebt hat. Persönlich erlebt! Nicht über den Freund eines Freundes eines Freundes gehört. Nicht in gedanklichen Diskussionsrunden erörtert. Erlebte Tatsachen!
Auffällig ist weiterhin: Weder der Absender noch der Verfasser werden benannt. Ausleger verweisen in diesem Zusammenhang auf die in den einführenden Sätzen erkennbare Parallele zum Auftakt des Johannesevangeliums. Das „Was von Anfang an war … vom Wort des Lebens“ unseres Textes und das „Am Anfang war das Wort“ des Johannesevangeliums sind sich nicht nur sprachlich sehr ähnlich. Die Worte weisen auch inhaltlich in die gleiche Richtung. Zusammen mit Beobachtungen zum Wortschatz und der ausdrücklich aufgeführten Augenzeugenschaft kann ich wohl zu Recht von dem Jünger Johannes reden, der diesen Brief verfasst hat. Verfasst an einen Personenkreis, den er im späteren Verlauf öfter als „Kinder“ oder „meine Kinder“ anredet. Aufgrund dieser Beobachtung und der aufgegriffenen Themen nimmt man an, es sind Gemeinden, an die er sein Schreiben richtet. Gemeinden, die er auf das Wichtigste fokussieren möchte. Es bleibt nicht nur bei dem von Gott von Anfang an gesetzten „Wort des Lebens“. Sondern: „Das Leben selbst ist erschienen!“ „Wir sind Augen- und Ohrenzeugen!“, so Johannes. Bibelkundige haben die Parallele zu Joh. 1,14 vor Augen, wo es heißt: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Das Leben ist erschienen
Ich werde den Eindruck nicht los: Johannes ist beim Nachdenken über dieses Geschehen immer wieder von der gleichen Faszination ergriffen. Er will nichts lieber, als dass dieser Funke von ihm auf die Leser überspringt.
Haben Sie schon einmal durch ein Fernglas geschaut, dessen Fokussierung auf den Nahbereich eingestellt ist, Sie aber wollten in die Ferne schauen? Das, worauf es ankommt, was ich unbedingt sehen möchte, erscheint völlig verschwommen. Mehr noch, die Augen sind irritiert. Wenn Sie nicht die Entfernungsschärfe einstellen, werden Sie sehr schnell das Fernglas wieder absetzen. Mir scheint, Johannes geht es gleich zu Beginn seines Schreibens um eine vergleichbare Fokussierung. Er will das scharfstellen, worauf es im Leben ankommt. „Das Leben ist erschienen“, schreibt er in Vers 2. Das von Gott gesetzte Leben ist in unsere Welt getreten. Es ist nicht ein Etwas. Es ist ein Jemand: JesusChristus, der Sohn Gottes, ist Mensch geworden. Er ist unser Lebensretter geworden. Das galt es damals und das gilt es heute zu „bezeugen und verkündigen“. Es gilt „ewig“, schreibt Johannes in Vers 2.
Die Fokussierung auf Jesus Christus
Gott hat diese Tatsache gesetzt. Von ihr her gilt es, unser Leben zu gestalten. Wenn das nicht mehr als persönliche Überzeugung im Fokus steht, wird Anderes oder werden Andere diesen Platz einnehmen. Im weiteren Verlauf des Briefes wird er näher darauf eingehen. Er wird von Rangeleien unter Glaubensgeschwistern schreiben, die sich bis zum – so Luther – Hass ausweiten. Er wird im weiteren Verlauf des Kapitels 2 auf die Gier nach Macht und Besitz und die Gefahr der Verführung durch Menschen hinweisen. All das sind auch für Christen mögliche Folgeerscheinungen, wenn die Fokussierung auf Jesus Christus abhandenkommt.
Verstehen Sie, warum es Johannes so wichtig ist, das von Gott dem Vater in seinem Sohn Jesus Christus personifizierte Leben in den Mittelpunkt zu stellen.
Unweigerlich stellt sich für uns die Frage: Würde ich auch von der Fokussierung meines Lebens auf Jesus Christus sprechen? Mehr noch: Lebe ich das? Oder dominieren in meinen Gedanken und meinem Handeln Geld, Ansehen und Karriere? Halte ich einen Moment inne und frage mich: Wie wichtig ist es Ihnen und mir, in den zwischenmenschlichen Differenzen Recht zu behalten? Oder kann ich, aus der Liebe zu Jesus Christus heraus, mal auf das abschließend korrigierende Wort verzichten und die Sicht meines Gegenübers stehen lassen?
Gemeinschaft und persönliche Nachfolge
Johannes ist die Fokussierung auf Jesus Christus als Gottes personifiziertes „Wort des Lebens“ ein Anliegen. Wo dies von anderen Christen und Gemeinden aufgenommen und gelebt wird, entsteht – so Vers 3 in unserem Bibeltext – eine „Gemeinschaft“. Eine Verbindung nicht nur zwischen Menschen, sondern auch eine Verbindung mit Gott dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Johannes fordert mich indirekt damit auf, im Bewusstsein dieser Verbindungen das eigene Leben zu gestalten. Wo er sieht, dass ich das umsetzen darf – so möchte ich den abschließenden Vers unseres Bibeltextes zuspitzen –, ist es ihm eine rundum stimmige Freude.
Ich empfinde die Aussagen des Johannes als Aussagen eines reifen Christen. Eines Menschen, der darauf fokussiert ist, anderen Menschen Jesus Christus wichtig zu machen. Eines Menschen, der sich freut, wo das gelingt. Eines Menschen, der selbst bereit ist, seinen eigenen Namen als bedeutungslos erscheinen zu lassen, wenn nur Jesus Christus an Bedeutung gewinnt.
Ich bitte Gott, in die Art eines solchen Menschen hineinwachsen zu dürfen.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Pastor Dr. Lothar Beaupain
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19 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 57 secondsDie Lage spitzt sich zuDer Bibeltext Johannes 10,31-42 – ausgelegt von Susanne Lin-Klitzing.
Im Tempel: Worte, Werke und Widerstand
Manchmal gibt es Momente, in denen sich das Leben anspannt wie ein Draht. Ich spüre: Jetzt kommt es darauf an. Worte treffen auf Widerworte, Überzeugungen auf Widerstand, und plötzlich stehe ich in einem Konflikt, den ich mir gar nicht ausgesucht habe. So ähnlich wirkt die Szene, die mir das Johannesevangelium heute vor Augen stellt. Sie ist dramatisch, sie ist zugespitzt – und gerade deshalb kann sie mir viel über meinen Glauben, meine Sehnsucht und meine Konflikte erzählen.
Jesus ist im Tempel in Jerusalem. Ein heiliger Ort. Ein Ort der Begegnung mit Gott. Und ausgerechnet dort spitzt sich ein Streit zu, der kaum lösbar scheint. Jesus sagt kurz zuvor: „Ich und der Vater sind eins.“ Ein Satz, der bis heute provoziert – und damals erst recht. Einige seiner Zuhörer greifen Steine. Sie wollen ihn töten. Nicht wegen seiner Taten, sagen sie, sondern wegen seiner Worte. Ein Mensch, der sich mit Gott gleichsetzt? Das ist Gotteslästerung. Ein Angriff auf das Heiligste.
Und mitten in dieser aufgeheizten Atmosphäre bleibt Jesus ruhig. Er weicht nicht zurück, er schreit nicht, er verteidigt sich nicht einmal in der Weise, wie wir es vielleicht erwarten. Stattdessen stellt er eine Frage: „Wegen welcher meiner guten Werke wollt ihr mich steinigen?“ Damit verschiebt Jesus den Blick. Weg von der Drohgebärde, hin zum Wesentlichen: Seht ihr denn nicht, was hier geschieht? Seht ihr nicht, dass hinter meinen Worten eine Wirklichkeit steht? Eine, die euch schon längst begegnet ist?
Jesus lädt seine Gegner ein, seine Taten ernst zu nehmen. Seine Heilungen, seine Zuwendung, seine Art, Menschen aufzurichten und ihnen Würde zu geben. Seine Zeichen, die im Johannesevangelium niemals bloß Wunder sind, sondern Fenster zu Gott. Jesus sagt sinngemäß: Wenn ihr mir nicht glauben wollt – gut. Aber schaut auf das, was geschieht. Auf das, was durch mich sichtbar wird. Vielleicht erkennt ihr darin Gott selbst.Es ist ein erstaunlicher Gedanke: Nicht zuerst dogmatische Klarheit, nicht das richtige Bekenntnis und nicht die perfekte Frömmigkeit öffnen den Weg zu Gott, sondern das Hinschauen. Das Wahrnehmen. Das Ernstnehmen der Spuren des Guten, die Menschen verändern. So sagt Jesus: „Glaubt den Werken.“
Am anderen Ufer: Glaube ohne Druck
Wie oft übersehe ich genau das! Wie oft suche ich Gott im Großen, im Unnahbaren, dabei zeigt er sich im Kleinen, im Zuwendenden, im Menschlichen. In einem Wort, das ermutigt. In einer Hand, die trägt. In einem Menschen, der mich sieht.
Aber die Szene im Tempel geht weiter. Die Gegner Jesu sind nicht bereit umzudenken. Sie klammern sich an ihren Vorwurf. Für sie ist klar: Ein Mensch kann nicht von Gott kommen. Ein Mensch kann nicht so eng mit Gott verbunden sein. Und sie wollen ihn festnehmen, doch Jesus entkommt. Jedoch: Er flieht nicht – er entkommt. Als wäre er dem Zugriff der Gewalt schlicht nicht verfügbar.
Ich kann ihn nicht in ein Schema pressen und nicht in einer Anklage festnageln.Manchmal entzieht sich die Wahrheit genau dann, wenn ich sie mit Gewalt festhalten will.
Jesus geht über den Jordan, an den Ort, an dem Johannes der Täufer einst wirkte. Und dort passiert etwas Überraschendes: Dort beginnen die Menschen zu glauben. Nicht, weil Jesus dort spektakuläre Zeichen vollbringt. Sondern weil sie sich erinnern an das, was Johannes über Jesus gesagt hat. Sie erkennen: Das, was wir damals gehört haben, erfüllt sich jetzt.
Nicht in einem lauten Triumph, sondern in der Übereinstimmung zwischen Wort und Tat, in der Übereinstimmung zwischen Wort und Wirklichkeit.Und vielleicht liegt darin eine der schönsten Botschaften dieser Erzählung:
Glaube entsteht nicht durch Druck, nicht durch Drohung, nicht durch Macht.
Glaube entsteht, wo Menschen wahrnehmen, dass Gott wirkt und wie Gott wirkt.
Wo sie sehen, wie Worte und Taten übereinstimmen.
Wo sie spüren, wie ein Leben zu Gottes Liebe passt.Der Weg des Glaubens ist ein Wahrnehmungsweg – ein Erfahrungsweg – ein „Sieh-hinweg“.
Die Konfliktszene im Tempel kann Sie heute entmutigen. Da ist so viel Missverstehen, so viel Härte, so viel Festhalten an der eigenen Sichtweise. Und doch erzählt der Text im Kern etwas Hoffnungsvolles.Er erzählt davon, dass Gott sich nicht aufhalten lässt. Dass er sich nicht einsperren und nicht wegargumentieren lässt.
Dass er immer wieder Orte findet, an denen Menschen offen sind – jenseits der Zentren, jenseits der Macht, jenseits der festen Überzeugungen.Manchmal ist es – wie hier – nicht Jerusalem, sondern das jenseitige Ufer, an dem Glaube wächst.
Hinschauen auf die Spuren des Guten
Und vielleicht kennen Sie solche Orte auch in Ihrem Leben:
Momente, in denen plötzlich Ruhe einkehrt. Orte, an denen Gedanken sich klären. An denen Sie spüren: Hier ist Gott mir nahe. Nicht weil ich ihn gesucht habe. Sondern weil er mich gefunden hat.
Was heißt das für mich heute?
Vielleicht dies: Ich soll und kann mehr hinschauen und anders wahrnehmen.
Nicht zuerst auf die verhärteten Debatten und die Konflikte – davon haben wir genug.Sondern auf die Werke, die Spuren, die kleinen Zeichen des Guten, die aus dem Glauben wachsen. Auf das, was Menschen aufrichtet. Was sie heilt. Was verbindet.
Jesus sagt: „Wenn ihr meinen Worten nicht glaubt, dann vertraut wenigstens meinen Werken.“
Kann, will ich mir das zu Herzen nehmen?Wo nehme ich in meinem Alltag Werke wahr, die von Gott erzählen?
Wo lässt sich seine Güte erahnen – in Begegnungen, im Zuhören, im Trost, in der Hoffnung?Und vielleicht stelle ich fest: Diese Spuren gibt es. Und sie tragen. Und sie öffnen den Blick für meinen Gott, der nicht fern ist, sondern nah.
Ein leiser Schluss: Gott wirkt
Diese Andacht endet nicht mit einem lauten Sieg Jesu, sondern mit einem leisen, aber klaren Satz aus dem Johannesevangelium: „Viele dort glaubten an ihn.“
Gott findet Wege. Auch wenn ich sie manchmal nicht sehe, nicht wahrnehme.Auch wenn Konflikte mir den Blick verstellen. Auch wenn ich mir selbst im Weg stehe. Gott wirkt.
Und wer hinschaut, wer ihn wahrnehmen will, kann ihn entdecken.
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Autor: Susanne Lin-Klitzing
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18 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 55 secondsWer ist Jesus?Der Bibeltext Johannes 10,22-30 – ausgelegt von Frank Fandrich.
Der gute Hirte und die Befreiung des Tempels
Der gelesene Bibelabschnitt schließt sich an die Rede Jesu an, die als „Der gute Hirte“ bekannt ist. Jesus sagt darin: „Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.“ In dieser Rede kommt die ganze Liebe, Hingabe und Aufopferung Jesu für „seine“ Schafe zum Ausdruck. Diese Rede hat über Jahrhunderte Christen Hoffnung und Trost gegeben, Künstler und Autoren inspiriert und ist heute genauso aktuell wie vor 2.000 Jahren. Damals hat sie aber auch Verwunderung und Opposition ausgelöst. Und genau dort beginnt die Geschichte aus dem gelesenen Bibeltext.
Interessanterweise ist das Erste, was ich erfahre, dass Jesus in den sogenannten Tempel zum Fest der Tempelweihe geht. Dieses Fest ist heute als „Chanukka“, hebräisch für „Einweihung“, bekannt. Es erinnert daran, dass die Makkabäer ca. 200 Jahre vor Jesus Jerusalem von der Herrschaft des syrischen Königs Antiochus IV. Epiphanes befreit haben. Dieser hat die Juden politisch und religiös brutal unterdrückt, Götzenverehrung eingeführt und den Tempel durch Götzendienst entweiht. Nach der militärischen Befreiung durch die Makkabäer wurde der Tempel gereinigt und neu geweiht. Zur Erinnerung daran wird dieses Fest eingeführt. <span style="color: red;">Kommentar zur Unklarheit: Der Zeitpunkt und das handelnde Subjekt der Einführung des Festes bleiben unklar.</span> Es macht deutlich: Gott bewahrt sein treues Volk trotz massiver Unterdrückung.
Die Frage nach dem Christus
Jesus geht zum Fest der Tempelweihe im Tempel umher in der Halle Salomos, einer überdachten Säulenhalle am Rand des Tempelbereichs. <span style="color: red;">Kommentar zur Unklarheit: Die Satzstellung lässt offen, wie genau „im Tempel umher“ und „in der Halle Salomos“ räumlich zueinander gehören.</span> Jesus versteckt sich nicht, er ist an einem wichtigen Ort des religiösen Lebens. Hier kommt es zur Begegnung mit einigen Juden, die eine zentrale Frage haben: Bist du der „Christus“? Das griechische Wort „Christos“ ist die Übersetzung des hebräischen Titels „Messias“ und bedeutet „Gesalbter“. Die Juden fragen nicht: „Bist du ein guter geistlicher Lehrer?“, sondern: „Bist du der von Gott versprochene und gesalbte König und Retter Israels?“ Es geht ihnen also um eine tief gehende und brennende Frage. Diese Frage ist aber nicht nur lebenswichtig für Juden, sondern für jeden Menschen, egal welcher Herkunft, der sich Gedanken über Heil und Unheil, Rettung und Verlorengehen im eigenen persönlichen Leben und auch in Bezug auf das Weltgeschehen macht.
Jesus nennt in seiner Antwort mehrere wichtige Kernaussagen des christlichen Glaubens:
Jesu Kernaussagen: Glaube, Nachfolge und Gewissheit
1. Ja, er ist der Christus. Viele haben das damals nicht geglaubt. Jesus verweist darauf, dass seine Werke seine Identität bezeugen. Er tut die Werke des Vaters. Es sind Werke wie die Heilungen des Gelähmten, des Blindgeborenen, der Aussätzigen, die Auferweckung des Lazarus, die Speisung der 5.000, die die göttliche Macht über Natur, Krankheit, Dämonen und Tod bezeugen. Seine „Ich bin“-Worte „Ich bin das Brot des Lebens“, „Ich bin das Licht der Welt“, „Ich bin der gute Hirte“ und sein Umgang mit Menschen in Barmherzigkeit, Autorität und Wahrheit verdeutlichen ebenfalls seine Christus-Identität. Später sind weitere dramatische Zeugnisse dazugekommen, die bestätigen, dass Jesus der Christus ist: Seine Kreuzigung und Auferstehung, die Ausgießung des Heiligen Geistes, das Zeugnis der Apostel und der Gemeinde und das veränderte Leben vieler Menschen, die Jesus als ihren „Christos“ annehmen. Glaube ist nicht blind – der Glaubende vertraut einem, der sich durch sein Handeln zeigt. Und Glaube ist eine Frage einer bewussten Entscheidung von Herz und Verstand. Der Ruf Jesu ergeht an die Menschen, und damit ist Glaube auch Gnade.
2. Als Kennzeichen der Schafe, also derjenigen, die an Jesu Namen glauben, wird hier genannt, dass sie hören und folgen und dass der Hirte sie kennt. „Hören und Folgen“ ist mehr als nur passives „zur Kenntnis nehmen“, mehr als nur eine „christliche Meinung zu haben“. Es ist vielmehr ein sehr enges Verhältnis in einer Beziehung zwischen Jesus und einem Menschen. „Hören und Folgen“ beinhaltet die bewusste Hinwendung zu Jesus und gleichzeitig eine Abwendung von anderen Stimmen, die heutzutage von vielen Seiten und in lauter und aufdringlicher Weise auf Menschen einwirken. Das Wort Buße oder Sinnesänderung passt dazu und beinhaltet eine Abkehr von anderen Stimmen und die Hinwendung zum und das Hören auf den Hirten Jesus.
Für diejenigen, die solches tun, gibt Jesus eine großartige Zusage der Rettung und des ewigen Lebens in Vers 28: „und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“ Die Sicherheit dieser Zusage, oft als Heilsgewissheit bezeichnet, liegt in der Hand Jesu und in der Hand des Vaters in Vers 29: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. … Niemand kann sie aus meines Vaters Hand reißen.“ Diese Sicherheit ist somit ausschließlich mit dem Wirken Gottes verbunden und hat nichts mit Religiosität, Leistungen oder Pflichten zu tun. Sie ist ein festes Fundament für mich als Christ in Zeiten des Zweifels, des äußeren oder inneren Drucks und in Lebensumständen, in denen andere Gewissheiten verloren gehen.
Die Einheit von Vater und Sohn
3. Im letzten Vers wird die Einheit von Vater und Sohn hervorgehoben.
Jesus ist nicht nur Bote oder Lehrer. Jesus tut den Willen und die Werke des Vaters und ist Gott selbst. Diese Einheit wird auch an vielen anderen Stellen in der Bibel bestätigt:
Es ist ein Einssein im göttlichen Wesen (Johannes 14,11): „dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist“.
Es ist ein Einssein in den Werken und in der Autorität im Handeln (Johannes 5,19): „Denn was der tut, das tut gleicherweise auch der Sohn.“
Es ist ein Einssein in der Ehre (Johannes 5,23): „damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.“
Jesus erklärt in dieser Rede den Juden damals und auch allen Lesern des Neuen Testaments heute, dass er, Jesus, der Christus, der Gesalbte Gottes, der Erlöser und Retter ist. Genauso wie die Juden damals sind nun auch Sie und ich 2.000 Jahre später herausgefordert, sich den Worten und Werken Jesu glaubensvoll zu öffnen, sich bewusst zu ihm hinzuwenden und so die großartige Zusage Jesu zugesprochen zu bekommen: „und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen“.
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Frank Fandrich
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17 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 41 secondsDer Gute HirteDer Bibeltext Johannes 10,11-21 – ausgelegt von Esther Mann.
Das Bild vom guten Hirten
Stellen Sie sich ein Gemälde vor, auf dem der gute Hirte zu sehen ist. Meist trägt er ein Lamm auf seinem Arm oder auf den Schultern. Daneben fließt ein kleiner Bach und ich kann fast sein Plätschern hören. Grünes, frisches Gras ist zu sehen mit ein paar Blümchen dazwischen. Um ihn herum grasen die Schafe und geben ein friedliches Bild ab. Der Hirte wirkt stark und groß und hat alles im Blick. Es wirkt entspannend auf mich, denn das Bild strahlt eine gewisse Ruhe aus.
Der Hirte ist zuständig für die Schafe und trägt die volle Verantwortung. Er sorgt für das Futter, ist immer in ihrer Nähe und er kennt seine Schafe sogar mit Namen. Er führt sie zum Trinken an eine Quelle oder einen Bach. Der Hirte weiß, was seine Schafe gerade brauchen. König David aus dem Alten Testament hat mir im Psalm 23 ein wunderbares Bild vom guten Hirten vor Augen gemalt. Sehr realistisch spricht er auch die Gefahren an, die oft nicht auf den schönen Gemälden dargestellt werden. Dunkle Täler und wilde Tiere lauern auch schon damals. David kämpft mit Löwen und Bären für seine Schafe. David ist ein guter Hirte. Jesus benutzt dieses Bild, weil die Menschen um ihn herum dieses Bild kennen. Schafe gehören damals zum normalen Leben und sie sichern das Überleben der Menschen. Sie geben den Menschen Nahrung und Wolle, sie vermehren sich, machen aber auch jede Menge Arbeit. Wie heißt es so schön: eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe. Bei den Schafen ist es nicht anders. Deshalb braucht der Schäfer seine Mitarbeiter, um die ganze Arbeit zu bewältigen.
Guter Hirte und Mietling – der Ernstfall
Wenn bei Tag die Schafe schön grasen und ungestört sind, ist das sicher kein schlechter Job. Was ist allerdings, wenn ein Schaf krank wird, wenn eine Geburt ansteht oder wenn ein wildes Tier kommt? Dann erst kommen die wahren Qualitäten eines angestellten Hirten ans Tageslicht. Die schlechten Hirten lassen die Herde im Stich. Die sogenannten Mietlinge laufen davon.
Jesus sagt es ganz klar und direkt: Ein guter Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe. Dieser Beruf ist also tatsächlich lebensgefährlich.
Echte Schafhirten gibt es auch noch heute und ich freue mich, wenn ich eine Herde am Straßenrand entdecke. Aber Jesus gebraucht die Schafherde mit dem Hirten hier als Bild für unser Leben. Hirten tragen Verantwortung für Menschen, die ihnen anvertraut sind. Sei es im Beruf, in der Familie oder in der Kirche. Leider gibt es auch heute noch die sogenannten Mietlinge, die ihre Aufgaben nicht ernst nehmen. Das ist schlimm und hinterlässt oft großen Schaden. Jesus möchte, dass wir verantwortungsvoll sind in unseren Aufgaben und lebt es uns vor.
Jesus – der Hirte, der sein Leben hingibt
Er möchte unser Hirte sein. Wir sollen auf ihn hören, seine Stimme kennenlernen und ihm vertrauen. Er möchte uns den Weg zeigen, den wir gehen sollen. Er hat den Überblick und liebt uns so sehr, dass er sein Leben für uns hingibt. Das tut Jesus, obwohl er uns sehr gut kennt – er kennt auch unsere Schattenseiten. Er sagt: „Ich kenne euch sogar so gut, wie mein Vater mich kennt.“
Heute drücke ich es so aus: Jesus und sein Vater sind so eng miteinander verbunden, dass kein Blatt dazwischen passt.
Jesus gibt sein Leben hin für die ganze Menschheit. Er stirbt am Kreuz von Golgatha, und zwar in liebevoller Absprache mit seinem Vater im Himmel. Gott liebt uns Menschen so sehr, dass er bereit ist, seinen Sohn auf die Erde zu schicken. Jesus ist mit diesem schweren Weg einverstanden. Er sagt hier: Ich habe die Macht und die Freiheit, mein Leben hinzugeben und es wieder neu zu empfangen. Jesus geht freiwillig diesen Weg des Opferlammes. Er sieht selbst, dass sein Weg im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig ist. Er wendet die Not der Menschheit und gibt der ganzen Welt eine Zukunft, nämlich ewiges Leben in der Gegenwart Gottes. Das ist der eigentliche Auftrag, den Jesus hier auf Erden hat. Auch für uns ist es freiwillig, ihn als persönlichen guten Hirten anzunehmen. Niemand wird gezwungen, den Jesusweg zu gehen. Allerdings gilt es dann auch, mit den Konsequenzen zu leben.
Eine Herde, ein Hirte – über alle Grenzen hinaus
Seine Zuhörer sind sehr aufmerksam und hören kritisch zu. Sie können und wollen seine Worte nicht verstehen und geraten sogar in Streit miteinander. An Jesus scheiden sich auch heute noch die Geister.
Einige der Zuhörer erleben wohl davor mit, wie Jesus einen blindgeborenen Mann heilt. Und das ausgerechnet an einem Sabbat. Das ist anstößig. Jesus weiß das und fordert sie heraus. Aber er fasziniert sie auch, sonst wären sie ja nicht bei ihm geblieben. Dazu sagt Jesus auch noch etwas sehr Unverständliches für sie, nämlich: „Ich habe auch noch andere Schafe, die sind jetzt noch in anderen Ställen. Auch sie muss ich herführen und dann werden alle meine Nachfolger eine einzige Herde bilden mit einem Hirten.“
Heute, 2.000 Jahre, nachdem Jesus diese Worte gesprochen hat, lebe ich in der Nachfolge Jesu davon, dass er am Kreuz für mich gestorben ist. Ich komme aus einem sogenannten anderen Stall, weil ich keine jüdischen Wurzeln habe. Aber ich gehe den Jesusweg. Ich freue mich auf das ewige Leben beim guten Hirten. Sein stellvertretender Opfertod gilt für alle Zeiten und für alle Menschen. Gott sei Dank!
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Esther Mann
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16 August 2026, 10:00 pm - 9 minutes 22 secondsGutes sagenDer Bibeltext Psalm 145 – ausgelegt von Reinhard Kronberg.
Gott als persönlicher Vater – mehr als der Schöpfer
Bei einer Wochenendfreizeit sprechen wir über das Glaubensbekenntnis. Etwas provokativ habe ich eine Ablichtung erstellt, die mit dem ersten Artikel, der von der Schöpfung handelt, so beginnt:
„Ich glaube an Gott, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…“
Die meisten nicken und schauen gelangweilt „Kennen wir doch alles in- und auswendig!“ Nur eine Dame protestiert: „Da fehlt doch der Vater!“
Und wie sie recht hat!!!
Psalm 145 beginnt in der Anrede Gottes ähnlich: „Mein Gott, Du König“ (Nach der Übersetzung von Martin Luther). Wir haben es im jüdisch-christlichen Glauben eben nie mit einem unpersonlichen Gott zu tun, der irgendwo „da oben“ schwebt oder wohnt.
Sondern aufgrund der Offenbarung Gottes an Sein Volk im Alten und Neuen Bund tritt uns dieser Gott persönlich gegenüber; sowohl in der Schöpfung als auch in der Geschichte!
Der Name Gottes und das Lob des Beters
Der Psalmbeter ringt sich nicht ein Loblied ab. Er preist – zunächst als Einzelner – diesen ihm zugewandten Gott in „höchsten“ Tönen. „Deinen Namen segnen in Weltzeit und Ewigkeit“ heißt es in der Übertragung von Buber / Rosenzweig.
Der Name Gottes ist dem Beter bekannt, nicht weil er sich den ausgedacht hat, sondern weil sich Gott vor allem in der Geschichte Israels mit der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten oder auch der Rückführung aus dem babylonischen Exil in unnachahmlicher Weise bekannt gemacht hat: „Ich bin, der ich bin“.
Das Leben Gottes mit uns Menschen beginnt zuerst mit der Befreiung – im Alten Bund mit den großen Taten Gottes in der Geschichte seines Volkes – im Neuen Bund in der Person Jesu Christi!
Wem aufgefallen ist, dass es heißt: „Deinen Namen segnen…“ wird sich vielleicht über diese Formulierung wundern. Kann ein Mensch Gott segnen? Ist es nicht generell umgekehrt, dass Gott uns segnet?
Im Hebräischen steht hier das Wort „barach“ für segnen. Wenn ich Gott segne, preise ich ihn. Und im Griechischen heißt segnen „eulogia“. Das setzt sich aus der Vorsilbe „eu“ für gut und dem Begriff „logos“ für Rede, Wort, Gespräch zusammen. Segnen kann daher auch mit „Gutes-Sagen“ übersetzt werden!
Wenn wir im Gottesdienst oder im Einzelgespräch gesegnet werden, dann spricht uns jemand von Gott her Gutes zu. Aber genauso können auch wir Gott „Gutes sagen“; das Beste ist IHN loben und ehren. Und das geschieht hier aus dem Munde des Psalm-Beters!
Nun geht es ihm jedoch wie vielen von uns, dass wir das Gute und Schöne nicht für uns allein behalten können. „Geteilte Freude ist doppelte Freude“, sagt das Sprichwort; oder Jesus (Matthäus 12,34): „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über!“
Vom Sologesang zum großen Chor des Gotteslobs
Deshalb möchte der Beter mit seinem Lob ansteckend wirken auf Groß und Klein, die jetzige Generation und die zukünftige. Das Lob gipfelt in einem ersten Höhepunkt, der uns in Vers 8 vorliegt: „Gnädig und barmherzig ist der HERR; geduldig und von großer Güte.“
Und wenn ich den Psalm nicht nur als gesprochenes, sondern auch als gesungenes Wort verstehe – wie die Überschrift vermuten lässt (ein Loblied Davids) – dann bittet uns der Sänger vom Sologesang in Vers 2 „Ich will dich täglich loben“ und der unvorstellbaren Größe Gottes, Vers 3: „Seine Größe ist unausforschlich“ ab Vers 5 „Sie (alle) sollen reden von deiner hohen, herrlichen Pracht“ uns in den Chor mit hinein zu stellen.
Die Taten Gottes (Vers 4) sind gewaltig, sie entspringen aber dem Wesen Gottes, das der Psalmist mit uns gemeinsam rühmen will.
Gott schaut auf die gesamte Schöpfung, die durch ihre bloße Anwesenheit IHN ehrt. Aber Gott schaut auch auf jedes einzelne Geschöpf. Über den mächtigen Taten verliert Gott nicht den Kleinen, Gefallenen und Niedergeschlagenen aus dem Auge (Vers 14). Trotz seiner großen und prachtvollen Herrlichkeit bleibt Gott an den Geschöpfen interessiert; hört ihnen zu, wenn sie schreien (Vers 18f). Gott bleibt in seiner Zuwendung treu (Vers 13); ER ist fürsorglich und hilft (Vers 15 + 19).
In der Sinfonie des Gotteslobes von Psalm 145 werden die Singenden von einer Art Orchester begleitet. Von Vers zu Vers schwellen der Chor und die Instrumente an bis in Vers 10 der Höhepunkt erreicht ist. Es geht nicht mehr darum, sich gegenseitig zum Lob Gottes aufzufordern. Hier ist Gott selbst Auslöser und Adressat des Lobes. Es ist, als würde der Psalmist Singende und Musizierende beinahe in den Himmel entführen. „Dein Reich ist ein ewiges Reich und deine Herrschaft währet für und für“ (Vers 13). So ist es doch auch mit guter Musik, sie entführt uns in Bereiche, die „nicht von dieser Welt sind“.
Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Mal, wenn wir das „Vaterunser“ beten, an der Stelle „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe“ an den großen Chor zu denken, all derer, mit denen wir durch das Gebet und den Lobgesang verbunden sind.
Wir dürfen schon etwas davon „schmecken und sehen, wie freundlich der HERR ist“. Uns wird ein Ausblick gewährt auf das Reich, in dem kein Hunger herrscht, es kein Geschrei mehr gibt, in dem sich „Gerechtigkeit und Friede küssen“ und die Herrschaft Gottes mitten unter den Menschen uneingeschränkt aufgerichtet ist.
Vielleicht ist das die große Kunst des Komponierens, dass sie den Hörer nach Erreichen des Höhepunktes einer Sinfonie nicht sofort hart auf dem Boden aufschlagen lässt, sondern dass die Melodie in „wohl temperierten“ Tönen ausklingt.
Die Einladung – vom Solo zur Gemeinschaft des Lobes
Im Psalm 145 wird gleichsam die Melodie des „Ewigen Reiches“ insofern noch einmal aufgenommen, als dass der, der ein Reich ohne Hunger bereithält, schon hier auf Erden den Hungrigen sättigen kann. Der Vers, wohl an einigen Tischen als Gebet gesprochen (Vers 15): „Aller Augen warten auf dich HERR, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“ kann dafür stehen.“
Das große Orchester unseres Psalms verstummt langsam, auch der Chor der vielfältigen Stimmen wird leiser. Am Ende ist es wieder die Solostimme, die Gottes Lob singt. Doch der Blick des Solisten geht in die ganze belebte Welt, dass dieses Lob Gottes nicht ein Sologesang bleibt, sondern alles hier auf Erden Lebende in einen Lobgesang einstimmen soll, der kein Ende findet, weil Gott so „unendlich gnädig und barmherzig, geduldig und von großer Güte ist“ (Vers 8).
Die Einladung geht an uns, nicht wie in einem Konzertsaal stumm in der Reihe zu sitzen, sondern jeder auf seine Weise und mit seinen Erfahrungen – ob gut oder schwierig – einzustimmen, denn es gibt Lob- und Klagepsalmen in der Bibel! Mit beiden können wir Gott ehren. Dass wir uns an diesen Herrn wenden, bezeichnet die Bibel als Glaube „an Gott den Vater, den Allmächtigen …“
Bibellesen unter bibleserver.com
Autor: Reinhard Kronberg
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15 August 2026, 10:00 pm - More Episodes? Get the App